Zu Gast in einem der luxuriösesten Hotels

Reiche Wiesn-Gäste: Wo Geld keine Rolle spielt

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Svetlana Jasyuk aus Sankt Petersburg im Designer-Dirndl. Designerin Sara Tack passt es genau an.

München - Das Charles-Hotel macht reiche Gäste wie Svetlana Jasyuk für das Oktoberfest fit – mit Trachten nach Maß und Massagen für den Kater danach.

Svetlana Jasyuk steht vor dem Spiegel und posiert. „Wunderschön“, sagt sie, „ich bin so glücklich.“ Die 40-Jährige trägt ein Dirndl aus silberdurchwirktem Brokat – ein Einzelstück. Noch ist es an der Taille zu weit. Aber bis zum Abend wird eine Schneiderin das Dirndl ändern und der Russin aufs Zimmer bringen. Die aparte Blondine logiert im Charles Hotel – eine der luxuriösesten Adressen der Stadt. Mindestens 650 Euro kostet die Nacht während der Oktoberfest-Saison, Jasyuk hat drei Nächte gebucht. „Der Preis spielt keine Rolle“, sagt die Sankt-Petersburgerin, die als Managerin bei einem internationalen Handelskonzern für Unterhaltungselektronik arbeitet. „Hauptsache, ich übernachte im besten Hotel.“

Bei der Wahl der Garderobe berät Designerin Sarah Tack ihre Kundin Svetlana persönlich.

Svetlana Jasyuk ist eine von mehreren Hunderttausend Oktoberfestbesuchern aus dem Ausland. Dem Wirtschaftsreferat zufolge lassen die auswärtigen Wiesngäste insgesamt fast 300 Millionen Euro für Verpflegung, Einkäufe, Taxifahrten und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Stadt. Für Übernachtungen geben sie weitere 400 Millionen Euro aus – ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Mehrheit der Wiesngäste kommt aus den USA, Italien und der Schweiz. Wer zur verschwindend kleinen Gruppe russischer Oktoberfestbesucher gehört, hat meist Geld. Viel Geld.

Das Charles Hotel ist auf die anspruchsvolle Wiesn-Klientel aus der ehemaligen UdSSR vorbereitet: Im Spa gibt es belebende Massagen und Masken für den Kater danach. Außerdem ein Dekolleté- und Wadl-Tanning für Bräune an den richtigen Stellen. Im Hotel-Restaurant treten Schuhplattler auf, sämtliche Mitarbeiter tragen Tracht. Auch das Frühstücksbuffet orientiert sich am Oktoberfest. Wo in den Sommermonaten schweinefleischfreie Happen für arabische Gäste stehen, sind jetzt Obazda, Weißwürste und andere Wiesnschmankerl angerichtet. „Zur Oktoberfestzeit haben wir praktisch keine Gäste aus arabischen Ländern. Das hängt mit der Trinkkultur zusammen“, erklärt Charles-Hotel-Sprecherin Nicole Hüsken. Für die derzeit hauptsächlich US-amerikanischen, deutschen und russischen Gäste kommt täglich die Trachten-Designerin Sarah Tack vom Label Dirndl-Liebe ins Haus. Sie berät bei der Wahl der Wiesn-Garderobe – und passt sie in nur zwei Stunden individuell an.

Im Spa: Eine Visagistin legt Svetlana kurz vor dem Wiesnbesuch Make-Up auf.

„Für dieses Kleid werden Sie viele Komplimente bekommen“, sagt Tack, während sich Jasyuk vor dem Spiegel dreht. Die Dirndl der Designerin kosten zwischen 700 und 2500 Euro. Wie viel Jasyuks silberdurchwirktes Exemplar kostet, will Tack nicht verraten – ihre Kundin erwarte Diskretion. „Ich zeige ihnen jetzt, welchen Schmuck man dazu trägt“, sagt Tack und greift nach einer dezenten Kette mit einem Reh-Anhänger. „Das passt?“, fragt Jasyuk ungläubig. Tack hat ein feines Gespür für die Vorlieben ihrer Kundinnen – und präsentiert rasch ein auffallendes Herz aus pinken Glitzersteinen. „Ja, das ist wunderschön!“, schwärmt Jasyuk, und Tack bekräftigt: „Sie haben Recht, es darf ruhig ein bisschen mehr sein.“

Tack zufolge haben Russinnen ein anderes ästhetisches Empfinden als Deutsche. „Die Russin wählt entweder ein sehr schlichtes Dirndl oder ganz viel Bling-Bling. Den Mittelweg geht sie nicht.“ Deutsche dagegen achteten auf Langlebigkeit. „Sie schauen, ob es sich auch mit einer anderen Schürze kombinieren lässt.“

Jasyuk will ihr Dirndl auch in Russland tragen. „Als Überraschung auf Geburtstagspartys“, sagt sie. Jetzt geht’s aber erst ins Schottenhamelzelt, wo sie mit Freunden einen Tisch reserviert hat. Ob sie einen Wiesn-Hit singen kann? „Nein“, sagt sie und lacht. „Aber ich werde das ganz schnell lernen.“

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