Serie: Die Großen Wiesnwirte

Armbrustschützen-Wirt Peter Inselkammer jun.: „Manchmal treff ’ ich sogar“

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Wacht über das Armbrustschützenzelt: Wiesnwirt Peter Inselkammer junior.

München - Wie sieht eigentlich der Arbeitstag eines Wiesnwirts aus? Heute gibt Peter Inselkammer junior vom Armbrustschützenzelt Einblicke in seinen Tagesablauf während der Wiesn.

Ende der Siebzigerjahre, der kleine Peter aus Bad Tölz besucht gemeinsam mit seiner Familie das Münchner Oktoberfest. Zum ersten Mal in seinem Leben. Alles ist so schön bunt, funkelt, glitzert, dreht sich. Der Achtjährige ist fasziniert von den vielen Karussells. Seine größte Sorge: Dass dem Papa das Geld ausgeht und er selbst dann nicht alle Fahrgeschäfte ausprobieren kann. Und er fragt sich, was die Erwachsenen wohl in den Bierzelten zu suchen haben. Wer will denn da rein, wenn es draußen so tolle Fahrgeschäfte gibt? Der Bub von damals, Peter Inselkammer junior, ist mittlerweile 46 Jahre alt – und Wirt des Armbrustschützenzelts mit 7430 Plätzen auf der Wiesn.

Peter Inselkammer tritt bescheiden auf

Mitte August 2015. Inselkammer, stets adrett gekleidet, stets ein Lächeln auf den Lippen, steht im Armbrustschützenzelt mit den weiß-grünen Stoffbahnen unterm Dach. Die Deckendeko ist immer als erstes fertig, sie wird gleich mit dem Zeltgerüst errichtet. Die Handwerker sind gerade dabei, die Holzdielen am Boden festzuschrauben. Erst dann können die Bierbänke rein. Ein Paketbote irrt durchs Zelt, sieht Inselkammer – Hemd und Krawatte – und steuert auf ihn zu. Der Wiesnwirt ergreift das Wort, witzelt: „Wollen Sie den Chef sprechen oder jemand, der sich auskennt?“ – und verweist den Boten mit einem Nicken in Richtung der Handwerker.

Inselkammer tritt bescheiden auf. Vielleicht ist es noch eine gewisse Demut, denn erst seit diesem Jahr führt der 45-Jährige die Geschäfte offiziell alleine. Vater Peter Inselkammer senior verkündete im vergangenen Jahr seinen Rückzug und übergab die Geschäfte an den Sohn und dessen Ehefrau Katharina, die die Reservierungen koordiniert. „Aber die Eltern sind schon immer noch da“, sagt Inselkammer junior. Neben Vater Peter ist das Mutter Josefa, genannt Peppi. Der Sohn sagt: „Vor allem mein Vater ist einfach ein unverzichtbarer Gesprächspartner, weil er genau weiß, wie es hier läuft.“

Seit 1990 sind die Inselkammers Wirte im Armbrustschützenzelt

Die Familie beim Einzug der Wiesn-Wirte am Samstag.

Seit 1990 sind die Inselkammers Pächter des traditionsreichen Armbrustschützenzeltes - unter den Gästen sind viele Handwerksfirmen, Sportvereine, Schützen und Jäger –, das von 1958 bis 1984 der legendäre Wiesnwirt Richard Süßmeier führte. Familie Inselkammer war bis dato nur mit einem kleinen Zelt, dem „Platzlwirt“ auf der Wiesn vertreten. Peter Inselkammer junior arbeitete schon als Schüler und Student in Schänke und Küche mit. In den stressigen Arbeitsablauf seiner Angestellten kann er sich also nur allzu gut hineinversetzen.

Doch auch der Chef ist stets gut beschäftigt. Inselkammers Tag auf der Wiesn beginnt zwischen neun und zehn Uhr, wenn die ersten Schützen in der angegliederten Schießhalle auf die Scheiben zielen. „Da schaut man vorbei und nimmt auch mal selbst das Gewehr in die Hand“, sagt er. Und fügt mit einem Lachen hinzu: „Manchmal treff’ ich sogar.“

Der Chef trinkt auf dem Oktoberfest nur Radler

Danach: Abrechnungen durchgehen, sich mit den anderen Wirten austauschen und mit den Behörden. Mittags dann die obligatorische Zeltrunde. „Ich rede mit den Bedienungen, den Schankkellnern, dem Küchenchef. Man fragt, wie es läuft, was gut funktioniert und was nicht.“ Meistens bleibt auch Zeit für einen Kaffee, schwarz mit ein bissl Zucker, dazu etwas Süßes. „Wir haben eine interne Kuchenrangliste“, verrät Inselkammer. Was den Angestellten nicht mundet, wird auch den Gästen nicht mehr vorgesetzt. Der Wirt trinkt im Zelt übrigens meist nur Radler. „Ich stoße mit Bier an, das gehört dazu, aber selten gönne ich mir eine ganze Mass, das macht mich nur müde.“

Wichtig für Inselkammer: die Reservierungsliste vom Abend. „Ich markiere mir, wer wo sitzt und präge mir die Namen ein“, erzählt er. „Wir haben viele Stammgäste, und die legen Wert auf eine persönliche Anrede.“ Schüler pauken am Nachmittag Vokabeln, Wiesnwirte also die Namen ihrer Gäste.

Wenn am späten Abend die letzten von ihnen das Zelt verlassen haben, macht auch der Chef Feierabend – und sich auf den Weg nach Hause. Vorbei an den glitzernden Karussells. So oder so ähnlich wird wohl auch sein Ablauf auf der diesjährigen Wiesn 2016 sein.

Leere Wiesn-Zelte: Fotos zeigen Ruhe vor dem Sturm

Janina Ventker

Janina Ventker

E-Mail:janina.ventker@merkur.de

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