Busenblitzer und Wildbiesler

Was man als Hutverkäufer auf der Wiesn so erlebt

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Aus Miesbach stammt Hutverkäufer Michael Perkmann. Eigentlich ist er Mediendesigner. Auf der Wiesn verdient er sich seinen Urlaub.

München - Michael Perkmann erlebt als Hutverkäufer auf der Wiesn allerhand. Wir haben und von seinem ungewöhnlichen Arbeitsalltag erzählen lassen. 

„Es reicht“, sagte Michael Perkmann (36) auf dem Oktoberfest 2015, seit 13 Jahren war er selbständiger Hutverkäufer auf der Wiesn. Das als geballte Erfahrung zu bezeichnen, dürfte nicht übertrieben sein. Doch Perkmann hört nicht auf, auf dem Oktoberfest zu arbeiten. Er fühlt sich nur bereit, eine neue Aufgabe auf der Wiesn anzugehen, wie so oft in seinem ereignisreichen Leben, das in manchen Momenten prädestiniert dafür war, aufzugeben.

Als Kind erfasste ihn an seinem Geburtstag ein Auto, direkt vor der Haustüre seiner Eltern. Er überlebte knapp, aber mit einer lebenslangen Erinnerung. Eine Gesichtsseite ist seither gelähmt, er muss Medikamente mit starken Nebenwirkungen nehmen. Doch anstatt zu resignieren, ergriff Perkmann das Leben buchstäblich am „Schopf“, ließ sich seine Haare wachsen und blondierte die eine Hälfte, „die gute Seite“, wie er sie nennt.

Später, als junger Erwachsener, ist er ausgebildeter Konditor. Zusammen mit seinem älteren Bruder, dem Bäcker Michael, möchte er irgendwann die Bäckerei der Eltern in Miesbach übernehmen. Eines Tages bekommt er Juckreiz, Atemnot und Ausschlag. Die Diagnose: Mehlstauballergie. Perkmann darf nicht mehr als Konditor arbeiten. Wieder zeigt sich sein Lebensmut. Er macht eine Ausbildung zum Mediendesigner.

Als Hutverkäufer hat er zwar keinen Rückschlag erlitten. „Aber auf der Wiesn wiederholt sich alles. Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, auch mal als Kellner hier zu arbeiten. Die Hüte muss man den Leuten immer anbieten, das Bier braucht jeder!“, sagt Perkmann, der noch nie in seinem Leben Alkohol getrunken hat. „Wenn ich mir so manchen hier anschaue, bin ich ganz froh, nicht zu trinken“, sagt Perkmann. Er hat schon miterlebt, wie ein volltrunkener Gast einem Kollegen von hinten auf die Beine pinkelte, sich reihenweise Leute übergaben oder Frauen ihre Brüste aus dem Dirndl holten, weil sie meinten, auf diese Weise einen seiner Hüte zu bekommen. „Ein schöner Anblick. Also manchmal“, sagt Perkmann.

Dass er jetzt Kellner werden will, hat auch finanzielle Gründe. „Dieses Jahr ist auf der Wiesn viel weniger los. Am Italiener-Wochenende 2014 habe ich allein am Samstagvormittag 800 Euro Umsatz gemacht. Am Italiener-Wochenende 2015 waren es über den ganzen Samstag 1000 Euro. Die Kollegen am Ausschank haben viel geringere Einbußen, egal wie schlecht es läuft.“

Perkmann, der als freiberuflicher Mediendesigner und Immobilienmakler arbeitet, verdient sich auf dem Oktoberfest seinen Urlaub. Er rechnet mit ungefähr 2500 bis 3000 Euro Gewinn.

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Hüseyin Ince

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