Wirte sind genervt

Sicherheitsdebatte: Die Wiesn muss noch genehmigt werden

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Riesiger Andrang zwischen den Zelten: Auf der Wiesn kann die Sicherheit an manchen Tagen nicht gewährleistet werden, sagt das KVR.

München - Der Aufbau der Wiesn ist in vollem Gange – doch noch ist sie nicht genehmigt. Das KVR verlangt ein neues Sicherheitskonzept, nachdem der Stadtrat die Pläne für einen Zaun gekippt hat. Um Gästen mit Reservierung den Zugang zu garantieren, wird es erstmals Eintritts-Bändchen für das Gelände geben. Die Wirte zeigen sich zunehmend genervt von der Sicherheitsdebatte.

Am 17. September eröffnet Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das 183. Oktoberfest. Noch hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Veranstaltung des Referats für Arbeit und Wirtschaft (RAW) aber nicht genehmigt. Die Behörde fordert vom RAW ein Konzept, wie sich eine Überfüllung des Festgeländes verhindern lässt. Eine Situation wie am letzten Wiesnsamstag 2015 will das KVR unbedingt vermeiden. An diesem Tag waren so viele Menschen auf dem Gelände unterwegs, dass die Polizei die Stadt aus Sicherheitsgründen aufforderte, die Wiesn abzusperren – was aufgrund der geringen Zahl an Polizisten und städtischen Ordnern nicht gelang. Passiert ist damals nichts, nach einigen Stunden hatte sich die Situation entspannt.

Dieses Jahr will man vorbereitet sein

Ein weiteres Mal will sich das KVR aber nicht darauf verlassen, dass nur durch Zufall alles gut geht. Wenn es heuer wieder zu eng wird zwischen den Buden und Zelten, muss es möglich sein, die Wiesn kurzfristig komplett abzuriegeln. Diese Bedingung hat das KVR für eine Genehmigung des 183. Oktoberfestes formuliert. Das RAW mit seinem Chef Josef Schmid (CSU) wollte dies mit einem Zaun entlang der nördlichen Theresienhöhe erreichen, wo die Wiesn Richtung Wirtsbudenstraße auf einer Länge von etwa 500 Metern frei zugänglich ist.

Das Zaun-Konzept fiel im Stadtrat durch

SPD, Grüne und Oberbürgermeister Reiter ließen das Konzept im Stadtrat jedoch durchfallen– eine Ohrfeige für Schmid. Dieser muss sich jetzt gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden einen neuen Plan ausdenken, wie im Ausnahmefall ein Massenansturm auf die Festwiese verhindert werden kann. Wohl im August wird das RAW dem KVR ein neues Konzept unterbreiten.

Diesmal muss der Sicherheitsplan sitzen, denn sollten die neuen Vorschläge nicht überzeugen, wäre kaum Zeit für eine weitere Überarbeitung – die Wiesn wäre in Gefahr. Wahrscheinlich ist dies nicht, denn die Ordnungsbehörde ist in die Besprechungen eingebunden. „Wir halten ein mehrstufiges Sicherheitskonzept für sinnvoll, das eine Überfüllung im besten Fall gar nicht erst entstehen lässt“, so KVR-Sprecher Johannes Mayer.

Oberbürgermeister Reiter verteidigte am Donnerstag die Entscheidung gegen den Zaun. Was im Überfüllungsfall an der Hangkante zu tun sei? „Ich denke, das kann man auch mit Ordnern und Polizei regeln“, sagte er. Reiter betonte, er sei nicht grundsätzlich gegen Zäune. „Es kann auch ein Zaun-Konzept geben, aber es muss Sinn machen.“ Ohne den Namen seines Stellvertreters Schmid zu nennen, kritisierte Reiter dessen Pläne für einen Zaun. Der Vorschlag, der dem Stadtrat unterbreitet wurde, sei „völlig unzureichend vorbereitet“ gewesen, so der OB.

An diesen Tagen könnte es eng werden

Das RAW rechnet vor allem an den Samstagen 24. September/1. Oktober sowie am Sonntag, 2. Oktober, zwischen 13 und 19 Uhr mit einer kritischen Masse an Menschen auf der Festwiese. Um Gästen mit Tischreservierungen den Zugang zu ermöglichen – auch wenn die Wiesn abgeriegelt sein sollte –, haben sich Wirte und Wirtschaftsreferat neue Einlassbändchen einfallen lassen. Sie sollen an Gäste gehen, die an den drei Tagen Reservierungen in Bierzelten haben. „Diese Gäste sind für ihren Verzehr bei den Wirten bereits in Vorleistung getreten“, so ein Sprecher des RAW. „Mit einer zusätzlichen Eingangsmöglichkeit unterstützt die Stadt die Wirte dabei, ihre Verträge erfüllen zu können.“ Jeweils im Osten und Westen soll es einen Eingang für Gäste mit den Einlassbändchen geben. Etwa 100.000 dieser Bändchen werden verteilt.

Die Wirte sind teilweise genervt

Die Wirte wehren sich zwar nicht gegen die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen heuer auch verstärkte Taschenkontrollen zählen. Begeistert ist Sprecher Toni Roiderer aber nicht. „Mit zuviel Sicherheit machen wir das Fest kaputt. Das darf man nicht übertreiben“, sagt der Chef des Hacker-Zelts. Von einem Zaun scheint Roiderer nichts zu halten. Er verweist stattdessen auf die Vergangenheit. 1985 hätten 7,2 Millionen Menschen das Oktoberfest besucht. „Und dies bei Lieferverkehr tagsüber.“

Voriges Jahr seien 5,9 Millionen Gäste gekommen. Dennoch werde jetzt über eine Abriegelung der Wiesn diskutiert. „Wenn es mal eine Stunde lang hektisch ist, dann ist das eben so. Eine Massenveranstaltung ohne Leut’ geht nun mal nicht“, sagt Roiderer. Dieser These dürfte auch das KVR nicht widersprechen.

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