MVG will Ausbau des U-Bahnhofs Theresienwiese

Polizei fordert Obergrenze für Oktoberfest-Zelt-Gäste

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Am 3. Oktober wurde die Wiesn wegen Überfüllung geschlossen.

München - Wird die Wiesn zu voll? Die Polizei jedenfalls macht sich für eine Obergrenze für Besucher in Zelten stark. Auch die Münchner Verkehrs-Gesellschaft schlägt Alarm.

Der U-Bahnhof Theresienwiese ist während des Oktoberfestes stark frequentiert.

Wird die Wiesn zu voll? Die Polizei jedenfalls macht sich für eine Obergrenze für Besucher in Zelten stark – aus Sicherheitsgründen! Das geht aus dem Wiesn-Abschluss-Bericht hervor, der nächste Woche im Wirtschaftsausschuss vorgelegt wird. Auch die Münchner Verkehrs-Gesellschaft schlägt Alarm: Beim U-Bahnhof an der Theresienwiese sind die Kapazitätsgrenzen erreicht, heißt es in dem Papier, das der tz exklusiv vorliegt.

Dabei war es noch nicht mal so schlimm beim 182. Oktoberfest. Nach Schätzungen der Festleitung waren es 5,9 Millionen Gäste – und damit rund 400.000 weniger als im Jahr 2014! Knackpunkt war aber der 3. Oktober. Am Tag der Deutschen Einheit war es auf der Wiesn so voll, dass kurzzeitig sogar der Zugang gesperrt werden musste! Um 13 Uhr fiel die Entscheidung bei einer Lagebesprechung. Das Sicherheitspersonal war an den Grenzen des Machbaren. Die Polizei schreibt im Abschlussbericht zwar, dass das Konzept der Sicherheitsfirma insgesamt stimmig ist, aber bei Überfüllung der Wiesn ist die Reserve zu niedrig bemessen.

An besagtem 3. Oktober kamen dann auch noch Unzulänglichkeiten hinzu. Laut Polizei habe sich im weiteren Verlauf der Absperrung des Oktoberfestes gezeigt, dass der Ordnungsdienst mit dem vorhandenen Personal nicht in der Lage war, die geforderten Sperren aufrecht zu erhalten. Sowohl Ordnungsdienstleiter als auch Personal entfernten sich zudem von den Sperren. Die Polizei musste aushelfen.

Weiter schreiben die Beamten, dass bei einer Sicherheitsbesprechung vor der Wiesn Lösungen zu Evakuierungsflächen thematisiert worden seien. In diesem Zusammenhang dürfe man den Ansatz Nummer drei nicht aus den Augen verlieren. Und dieser heißt: Deckelung der Gesamtplatz-Gastzahl!

Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich einfach nur die Zahl der Zeltbesucher, wie ein Polizeisprecher verrät. „Wir geben nur zu bedenken, dass man aus Sicherheitsgründen nicht noch immer mehr Menschen in den Zelten zulässt.“ Eine Obergrenze für Zelt-Gäste!

Da passt es vermutlich ganz gut ins Bild, dass das Kreisverwaltungsreferat (KVR) erstmals Bußgeld-Verfahren gegen Türsteher eingeleitet hat. Siebenmal hatten diese Gäste gegen Bargeld in bereits überfüllte Zelte reingelassen. Die Oktoberfestsatzung war 2015 geändert worden, um gegen derlei Bestechungen nun endlich vorgehen zu können.

Auch der Rettungsdienst prangert an: Am 3. Oktober sei das Besucheraufkommen so groß gewesen, dass insbesondere im Bereich der Wirtsbudenstraße ein Einfahren von Feuerwehrfahrzeugen unmöglich war! Das Kreisverwaltungsreferat schreibt auch daher: Für 2016 muss das Sicherheitskonzept überarbeitet werden!

Unterdessen meldet sich auch die Münchner Verkehrsgesellschaft zu Wort. Und das klingt ziemlich ernst: „Das Fahrgast-Aufkommen liegt an der Grenze zur Überlastung“, heißt es in dem Abschlussbericht. Der zusätzliche Verkehr ist nur durch „extrem hohen Personaleinsatz“ zu schaffen. Und weiter heißt es: Am U-Bahnhof Theresienwiese sind die Grenzen erreicht. „Wenn der U5-Ausbau nach Pasing kommt, ist ein viergleisiger Ausbau des U-Bahnhofes Theresienwiese unerlässlich“. Zudem fordert MVG erneut alle Verantwortlichen auf, die Planung von parallel stattfindenden Veranstaltung zu überdenken: Konkret geht es um Fußballspiele und die Wiesn. Beides zusammen sprengt das Personalkontingent, das nicht mehr erweiterbar ist.

Zahlen und Fakten zum Oktoberfest

2014

2015

Bier in Liter

7.680.800

7.513.500

Bier (alkoholfrei) in Liter

217.600

260.900

Wein (Liter)

96.674

71.628

Sekt (Liter)

43.957

18 .25

Kaffee (Tassen)

257.381

270.925

Softdrinks (Liter)

666.132

381.789

Hendl (Stück)

503.510

509.420

Schweinswürstl

245.316

470.713

Fisch (Kilo)

51.050

51.981

Ochsen (Stück)

112

122

Der Wunsch der Polizei kommt für Wiesn-Sprecher Toni Roiderer überraschend. „Voriges Jahr war die Wiesn eh ruhiger“, sagte er der tz. Und: „Wir haben die Zelte nie so voll gemacht, dass man sich nicht mehr hat bewegen können“, so der 71-Jährige weiter. „Dann kommt es mal für fünf Minuten zum Stau, dann ist der aber auch wieder weg.“ Handlungsbedarf sieht der Wirt des Hacker-Zelts daher nicht. „Wenn es zu voll wird, machen wir eh schon dicht.“

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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