Serie: Die Großen Wiesn-Wirte

"Käfer Wies'n Schänke": Und täglich grüßt die Bavaria

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Perspektivenwechsel: Feinkost-Händler und Wiesnwirt Michael Käfer auf dem Dach von „Käfers Wiesn-Schänke“, eigentlich kein Festzelt, wie er sagt, sondern eine gemütliche Holzhütte. Hinter ihm die Bavaria und das Schützenfestzelt.

München - Käfers Wiesn-Schänke gilt als das Promi-Zelt auf der Wiesn. Dabei ist der Wirt selbst genau so bekannt wie seine illustren Gäste. Für Käfer fühlt sich die Wiesn in seiner Schänke an wie ein großer Spaß in Endlosschleife.

Michael Käfer, 57, verhalf dem P1 in den 80er-Jahren zu seinem legendären Ruf und baute das Gastronomie-Unternehmen seines Vaters Gerd zu einem Imperium aus. Und dennoch, wenn der FC Bayern in Käfers Wiesn-Schänke aufläuft, mutiert der berühmte Wirt zum Buben. „Da kommt dann Manuel Neuer und sagt: ,Michael, wie geht’s?“, erzählt Käfer, laut eigener Aussage „Bayern-Fan seit Geburt“, mit leuchtenden Augen.

Auf der Wiesn ist Familie Käfer seit 1971 vertreten. Anfangs nur mit einer kleinen Almhütte, 80 Plätze, auf der Wirtsbudenstraße vorm großen Schottenhamel-Zelt. Michael Käfer half als Jugendlicher in der Getränkeausgabe aus, sammelte erste Wiesn-Erfahrungen. „Ich habe hier irrsinnig viel gelernt für meinen Beruf“, sagt er. Damals lief alles noch ein wenig gemächlicher, erinnert er sich: „Das war ja noch nicht so professionell“. Die Tische und Stühle etwa lagerten nach der Wiesn bei der Großmutter auf dem Speicher und überall dort, wo eben Platz war.

Vater Gerd Käfer brachte Glamour auf das Oktoberfest

Vater Gerd Käfer strebte bald nach Höherem, wollte sich vergrößern. An der Stelle, wo die Schänke heute steht – an der Matthias-Pschorr-Straße kurz vor der Bavaria – war in den 70ern noch nicht viel los. Michael Käfer erzählt: „Der damalige Wiesn-Stadtrat Hermann Memmel sagte zu meinem Vater: „Wenn Sie wirklich so gut sind, wie Sie immer sagen, können Sie sich da beweisen.’“

Käfer nahm die Herausforderung an. Wo es in den anderen Zelten nur Hendl und Brotzeit gab, bewirtete er seine Gäste mit exklusiven Speisen und Getränken, legte Wert auf Dekoration und spielte schon mittags Musik. Käfer brachte Glamour aufs Volksfest, als noch niemand das Wort Glamour benutzte, und züchtete sich so seine eigene Klientel heran – die gerne auch den Weg bis kurz vor der Bavaria auf sich nahm.

Rund 40 Jahre später bietet Käfers Zelt Platz für insgesamt 4000 Gäste, Michael Käfer zählt zu den sogenannten ''großen Wiesnwirten''. „So, wie es heute ist, das ist alles meinem Vater zu verdanken“, sagt Michael Käfer in Erinnerung an Gerd Käfer, der im Mai 2015 seinem Krebsleiden erlag.

Käfer spricht vom Oktoberfest statt von der Wiesn

Michael Käfer spricht meist vom „Oktoberfest“ statt von der „Wiesn“, und auch die Schänke nennt er immer noch liebevoll Holzhütte und nicht Zelt. So eine Holzhütte hat ja auch ihren ganz eigenen Charme: Die Gäste sitzen in Käfers Wiesn-Schänke an Tischen in kleinen, verwinkelten Bereichen, unter Holzbalken, Efeuranken und stoffbezogenen Lampenschirmen. „Es ist unendlich schön, hier zu arbeiten“, sagt Michael Käfer. „Die Leute um dich herum feiern und sind glücklich.“ Die 16 Tage Oktoberfest verliefen jedes Mal wie im Film. Käfer lacht: „Das ist ein bisschen so wie bei ''Und täglich grüßt das Murmeltier‘“ – der Film, in dem Bill Murray als zynischer TV-Reporter in einer Zeitschleife gefangen ist. Bei Michael Käfer fühlt es sich wohl mehr an wie ein großer Spaß in Endlosschleife. Und täglich grüßt die Bavaria.

Aber auch wenn Wiesn ist, stehen bei Käfer tagsüber viele andere Verpflichtungen im Vordergrund. Hier kommt seine Frau Clarissa ins Spiel, die als kaufmännische Geschäftsführerin auftritt. Sie trägt die Verantwortung über Abrechnungen und Personal und kommuniziert mit den Behörden. Michael Käfer macht sich meist am späten Nachmittag auf den Weg zur Holzhütte.

Der Käfer-Chef begrüßt die Oktoberfest-Gäste persönlich

Spätestens zum Reservierungswechsel um 19.15 Uhr steht er bereit, um die Gäste am Eingang persönlich zu begrüßen. Er betont: „Mir ist es wichtig, dass ich permanent am Gast bin.“ Ob Promi oder nicht – „egal, wer da kommt, wir freuen uns über jeden. Es ist ja alles nicht günstig bei uns, und da soll jeder einen Topservice bekommen.“

Bier gibt es für Käfer während der Wiesn keins. „Du bist da ohnehin schon immer gepusht“, sagt der Gastronom. Zur Ruhe komme er dann daheim, wenn er sich mit Frau Clarissa ein Glas Wein gönnt – und den Teletext am Fernseher anschaltet. „Für mich die beste Informationsquelle überhaupt“, sagt Käfer und lacht.

Im vergangenem Jahr zeigte er seinen Zwillingsbuben Raphael und Nikolas, damals noch viereinhalb, sein Oktoberfest. Dann werden die beiden sehen, was ihr Großvater geschaffen und der Vater erfolgreich weitergeführt hat.

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