Serie: Die großen Wiesnwirte

Oktoberfest-Wirte: Wo der Ochs in die Semmel kommt

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Haben das Sagen in der Ochsenbraterei: Anneliese Haberl und ihre Tochter Antje Schneider.

München - Ein Leben ohne Wiesn ist für Antje Schneider unvorstellbar. Seit die Wirtin von der „Ochsenbraterei“ denken kann, hat die Familie mit dem Oktoberfest zu tun – und das nicht erst, seit ihre Eltern Anneliese und Hermann Haberl das große Bierzelt in der Wirtsstraße vor 37 Jahren übernommen haben.

Zu den frühesten Kindheitserinnerungen von Antje Schneider gehört, dass „wir schon Wochen vor der Wiesn begonnen haben, Postkarten zu stempeln. Die türmten sich zuhause auf dem Küchentisch“. Damals betrieben die Haberls noch einen kleinen Souvenirstand auf dem größten Volksfest der Welt.

Hermann Haberl war keiner, der um seine Person großes Aufheben machte. Dabei war der gelernte Korbmacher aus Schwaig im niederbayerischen Landkreis Kelheim nach und nach zu einem der Großen in der Münchner Gastronomie aufgestiegen: Neben der Ochsenbraterei betreibt die Familie unter anderem die Gastronomie am Chinesischen Turm und im Taxisgarten.

Oktoberfest-Wirte: Das Imperium der Haberls begann ganz klein

Das Imperium der Haberls begann zunächst bescheiden mit den Verkauf von Fischsemmeln und Bananen auf Volksfesten. 1964, bei den Olympischen Spielen in Innsbruck, verkaufte Haberl noch an einem selbst gebastelten Stand Souvenirs, 1972 bei den Spielen in München, bewirtete er bereits die 6500 Journalisten. Zug um Zug baute der Wirt sein Unternehmen auf, blieb dabei stets bodenständig. Sätze wie „Wenn man auf dem Teppich bleibt, kommt man besser im Leben durch“, gab er seiner Tochter mit auf den Weg. Diese führt seit Hermann Haberls Tod im Jahr 2011 zusammen mit ihrer Mutter Anneliese Haberl die Ochsenbraterei in seinem Sinn weiter.

Die beiden Wirtinnen legen Wert auf Bodenständigkeit und Tradition. So ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass hierher gerne die Münchner kommen. Zum Feiern, aber insbesondere auch zum Essen. Legendär sind die Ochsensemmeln.

„Es gab Zeiten, da saßen wir fast allein auf der Wiesn“, erinnert sich Antje Schneider an die Anfänge, da gehörte ein Wiesn-Besuch nicht zwangsläufig dazu. „Leg’ den Leuten etwas Gescheites auf den Teller, dann kommen sie automatisch“, lautete damals die Devise von Hermann Haberl. Das Essen als Zugpferd für die Wiesn. „Das war der einzige Punkt, wo mein Vater pedantisch war“, erinnert sich die Wirtin.

Ochsenbraterei: Die Wirtinnen legen Wert auf Qualität

Sie ist in die Fußstapfen des Vaters getreten, legt ebenso Wert auf Qualität: „Es ist die Aufgabe unserer Generation auf die Umwelt zu schauen, das fängt bei Energiefragen an und hört beim Tierwohl auf.“ Einfach sei das nicht immer, wie sie einräumt. Doch der Bio-Anteil der Speisen in der Ochsenbraterei wächst stetig.

„Die Wiesn feiern, mit gutem Gewissen.“ Das haben sich die beiden Wirtinnen auf ihre Banner geschrieben. Unermüdlich schauen sie, was sie noch alles verbessern können. Im vergangenem Jahr wurde die Musikanlage erneuert, jetzt ist die Musik auf allen Plätzen gut zu hören. „Das Oktoberfest muss Vorreiter für andere Volksfeste sein“, sagt die Wirtin. Es gelte, den Standard für Qualität und Sicherheit stetig weiter zu entwickeln.

Gleichzeitig achten Antje Schneider und ihre Mutter darauf, dass der traditionelle Charakter in ihrem Zelt bewahrt bleibt. So spielt die Musik in der Ochsenbraterei unter der Woche bis 16 Uhr traditionelle Weisen. Erst dann wird den Leuten eingeheizt. „Man muss nicht alle schnelllebigen Trends mitgehen“, sind die Wirtinnen überzeugt. Nur so hat das Oktoberfest Zukunft – denn ein Leben ohne Wiesn ist nicht nur für die beiden besonnenen Wirtinnen einfach undenkbar.

Leere Wiesn-Zelte: Fotos zeigen Ruhe vor dem Sturm

Stephanie Ebner

Stephanie Ebner

E-Mail:Stephanie.Ebner@merkur.de

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