Serie: Die großen Wiesn-Wirte

Oktoberfest-Wirte: Im Marstall entscheidet die Familie

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Den Namen „Marstall“ für ihr Zelt überlegte sich die Familie gemeinsam: Siegfried Able mit Frau Sabine und den Töchtern Vanessa (links) und Verena (rechts). Das Herzfenster war eine Idee von Sabine Able.

München - Siegfried Able löste 2014 mit dem Marstall-Zelt das Hippodrom von Sepp Krätz ab. Jetzt führt er das Zelt als echten Familienbetrieb und ließ uns 2015 hinter die Kulissen kucken.  

Der Marstall ist ein Familienzelt. Nicht unbedingt weil die Preise so familienfreundlich sind – das Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat kostet 24,50 Euro, das Karottensüppchen mit Ingwer 6,80 Euro. Aber wo sind sie das schon auf der Wiesn? Familienzelt deshalb, weil die Wirtsfamilie wichtige Entscheidungen stets gemeinsam trifft. Angefangen damit, als es vergangenes Jahr darum ging, wie das neue Wiesnzelt heißen soll. „Wir haben ein Familien-Brainstorming gemacht“, erzählt Siegfried Able (51). Mit ihm grübelten seine Frau Sabine (50) und die Töchter Verena (27) und Vanessa (25). Die Vorgabe: Einen Bezug zu Pferden sollte der Name haben.

Oktoberfest: Im Hippodrom gab's früher wirklich eine Reitbahn

Im Vorgängerzelt hatte es lange Zeit eine Pferdereitbahn gegeben, in der Antike „Hippodrom“ genannt. 111 Jahre lang war das gleichnamige Zelt auf der Wiesn vertreten – bis der letzte Wirt, Sepp Krätz, wegen Steuerhinterziehung seine Konzession für das größte Volksfest der Welt verlor. Das Hippodrom zu übernehmen, sei jedoch keine Option gewesen, sagt Able: „Es gab keine Verkaufszeichen von Krätz.“

Beim Familienbrainstorming jedenfalls warf einer der vier Ables den Namen „Marstall“ in die Runde, ursprünglich die Bezeichnung für den Pferdestall eines Fürsten. Der München-Bezug war auch da: Ein Nebengebäude des Residenztheaters trägt diesen – nicht geschützten – Namen. „Marstall“ sollte das Rennen machen, das war allen Beteiligten schnell klar. Und „sobald man einen Titel hat, ist das Umsetzen nicht mehr so schwer“, findet Sigi Able.

Rechtzeitig zur Wiesn 2014 wurde das zum Namen gehörige Zelt fertig. Obwohl: Ganz so einfach sei die Umsetzung dann doch nicht gewesen, sagt Able. Der Aufwand für den Interimsbau, der nur zwei Wochen im Jahr steht, gleiche dem für ein echtes Gebäude.

Oktoberfest: Im Marstall geht es farbenprächtig zu

Farbenprächtig ist das Marstall-Zelt geworden, mit markanten Herzerlfenstern und Musikbühne in Form eines Pferdekarussells. 3200 Plätze gibt es im Erdgeschoss und auf der Galerie, weitere 880 im Biergarten. Die ältere Tochter Verena kümmert sich um die Reservierungen, die Jüngere, Vanessa, hat die Buchhaltung übernommen. Frau Sabine leitet das Zelt gemeinsam mit ihrem Mann.

Als er seinen Marstall vergangenes Jahr in Betrieb nahm, sei das „wie im Traum“ gewesen, erzählt Siegfried Able. Genau so hatte er es sich vorgestellt. Vergessen der Stress der vergangenen Wochen und Monate.

Able hatte zuvor viel Kritik einstecken müssen. Von „Mauschelei“ bei der Nachfolge um Sepp Krätz’ Zelt hatte so manchner gesprochen. Able hatte sich nur mit einem großen Betrieb beworben – und nicht zusätzlich mit seinem bisherigen kleinen Zelt Kalbs-Kuchl. Siegessicher oder einfach nur risikofreudig? An dieser Frage schieden sich die Geister.

Able: Noch nicht ganz angekommen bei den Wiesn-Wirten

Obwohl Able heuer schon im zweiten Jahr mit dem Marstall im Wiesnzirkus mitmischt, ist er noch immer nicht in die Vereinigung der großen Wirte aufgenommen. „Stören tut’s mich nicht“, sagt Able ohne Trotz. „Irgendwann wird es schon soweit sein, dass die Mehrzahl der Kollegen sagt: Wir nehmen den Able mit auf.“ Er betont: „Ich fühle mich als Wiesnwirt und ich fühle mich zugehörig.“

Zugehörig auf der Wiesn ist Familie Able ohnehin schon lange. Vor etwa 40 Jahren eröffneten Ables Eltern Josef und Magdalena einen Souvenirstand vor der Wiesn-Weinburg (wo heute das Weinzelt steht). „Ich bin schon als 14-Jähriger unerlaubterweise durch die Zeltreihen gegangen und habe Postkarten verkauft“, erinnert sich Able und lacht. „Ich war schon damals groß gewachsen.“ Vater Josef ist mittlerweile verstorben, Mutter Magdalena verkauft seit 30 Jahren Mandeln an einem Stand vorm Schichtl, Bruder Josef junior betreibt die neue Almhütte Goldener Hahn zwischen Hacker- und Hofbräu-Zelt.

Die nächste Generation steht auch schon bereit: Ables Tochter Vanessa hat zwei Söhne, Leopold (4) und Luis (2). Der 51-jährige Großvater kann seinen Stolz nicht verhehlen, wenn er von ihnen spricht. „Mein größter Erfolg ist die Familie, sind meine Enkel, erst dann kommt das Berufliche.“

Janina Ventker

Janina Ventker

E-Mail:janina.ventker@merkur.de

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