Gastbeitrag aus der Ochsenbraterei

Wiesn-Bedienung Julia: So bereite ich mich auf die Strapazen vor

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Julia Beckert wird zum vierten Mal auf der Wiesn bedienen. 

München - Auf dem Oktoberfest 2016 wird Julia Beckert zum vierten Mal in der Ochsenbraterei bedienen. In ihrem Gastbeitrag beschreibt sie, wie sie sich auf die Strapazen als Wiesn-Bedienung vorbereitet. 

Eine gute Vorbereitung ist alles – das hört man öfter. Auf das Oktoberfest bezogen, kann ich diesen Satz zu hundert Prozent unterschreiben. Bis zur Wiesn ist es nicht mehr lange und spätestens jetzt fange ich an, mich auf den Wahnsinn einzustimmen.

Egal wo ich mich herumtreibe – ob online oder offline – das Thema Wiesn ist unausweichlich. Auch der Blick in den Kalender jagt mir jeden Tag ein kleines Bisschen mehr die Aufregung in die Knochen, denn aus Monaten werden plötzlich Wochen und in kürzester Zeit Tage, die mich vom größten Volksfest der Welt trennen. Wie die Zeit schon wieder rennt. Mir wird auf einmal klar, wie schnell der Sommer an mir vorbeigezogen ist und auf einmal habe ich das Gefühl, alles  ausnutzen zu müssen und die letzten Wochen, die mir bleiben, richtig auszukosten. Stand-up-Paddling ausprobieren, einen Sonnenuntergang in der Sundownerbar am Chiemsee erleben und einen leckeren Cocktail auf einer der vielen schönen Münchner Dachterrassen schlürfen. Nur ein paar Dinge, die ich unternehmen möchte, bevor ich nach 17 Tagen aus dem Zelt in den Herbst stolpere.

Doch wie bereitet man sich auf die große Herausforderung „Bedienen auf dem Oktoberfest“ vor? Braucht es eine extra Portion Sport oder Krafttraining?

"Nachdem der erste Muskelkater überwunden ist trage ich auch zehn Krüge durch die Gänge."

Krafttraining für eine Mass mehr in den Händen? Ehrlich gesagt, nein! Das bringt meiner Meinung nach nichts und dafür fehlt mir auch die Motivation. Ohne Training komme ich am Anfang auf locker sieben bis acht Mass und nachdem der erste Muskelkater überwunden ist trage ich auch zehn Krüge durch die Gänge. Die Kraft kommt von alleine, allerdings schaden natürlich ein paar Fingerübungen auch nicht. Wichtig ist vor allem, sich die ersten Tage nicht zu viel zuzumuten, denn wenn man seine Kräfte überschätzt, liegen locker mal 100 Euro auf dem Zeltboden. Runtergefallenes Bier zahlt einem nämlich niemand. 

Apropos Muskelkater: Letztes Jahr konnte ich mich tagelang nicht mal selbst im Bett umdrehen, so weh tat mir alles! Darüber musste ich allerdings eher lachen. Training pur für den Körper.

Im Grunde genommen höre ich das ganze Jahr nicht auf, an das Oktoberfest zu denken. Es vergeht keine Woche, wo ich mich nicht an die Zeiten zwischen besoffenen Besuchern und schlaflosen Nächten zurückerinnere und mit einer gewissen Ehrfurcht an die kommende Herausforderung denke. 

Je näher ich den zwei Wochen im Ausnahmezustand komme, umso stärker richtet sich auch die mentale Aufmerksamkeit auf das, was vor mir liegt. Doch es ist ja nicht so, als hätte ich es noch nie geschafft: Bereits zum vierten Mal quetsche ich mich dieses Jahr durch die Gänge und der Gedanke daran, dass ich es schon drei Mal „überlebt“ habe, beruhigt natürlich ungemein. 

Dass es dieses Jahr wirklich voll wird, bezweifle ich allerdings. Werdet ihr die Wiesn besuchen? Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar unter meinem Gastbeitrag, das würde mich sehr interessieren.

Übrigens habe ich meine Vorbereitung dieses Jahr um fünf Wochen Yoga-Unterricht ergänzt. Mal schauen, wie sich die körperlichen Übungen – verbunden mit Meditation und Konzentration – auf mein Durchhaltevermögen auswirken werden. Schaden kann es auf jeden Fall nicht.

Zwei Wochen Oktoberfest bedeuten, dass man zwei Wochen quasi nicht existiert – zumindest in der realen Welt. Es könnte wirklich die Welt untergehen und ich würde es wahrscheinlich nicht mitbekommen. Keine Nachrichten, kaum Kommunikation zur Außenwelt und Einkaufen möchte ich in der Zeit natürlich auch nicht müssen.

Deshalb gilt: Eine gute Vorbereitung ist alles. Die Wochen vor der Wiesn bestehen deshalb hauptsächlich daraus, dass ich mich mit Medikamenten, nährstoffreichen Müslis, Getränken, Bandagen, Obst und Vitaminen eindecke. Am besten gleich für zwei Wochen. Dann müssen noch die Bedienungs-Trachten von der Schneiderei geholt, die Schuhe gepimpt (Einlegesohlen sind eine enorme Erleichterung) und genügend Wechselgeld geholt werden. Nebenbei sollten sämtliche Pflichten aus dem „echten Leben“ abgehakt sein, dass wirklich nichts und niemand noch zusätzlich Stress verursachen könnte. Kurz: Besonders die Woche vor der Wiesn endet oft in purem Stress.

Am Ende sind es nur noch Stunden und plötzlich finde ich mich mitten im bunten Treiben wieder. Das erste Lied der Kapelle ertönt, die Menschenmassen jubeln und die Schlange vor den Bierschänken wird größer. Irgendwann ist es soweit und ich renne mit den ersten tropfenden Krügen durchs Zelt und spätestens jetzt lache ich. Adrenalin, Aufregung und Glück durchströmen jede Faser des Körpers und die ganzen Sorgen, die vor der Wiesn so präsent waren, sind wie weggeblasen. 

Ob die Vorbereitung gereicht hat? Ob ich es wieder schaffe und bis zum Ende durchhalte? Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind alle Zweifel verflogen und ich erwische mich, wie ich eines der eingebrannten Lieder mitsinge: “A jeder woaß, dass des Geld ned auf da Wiesn wachst und essen kann mans a ned aber brenna dads guad…“ 

Auf der Wiesn wächst das Geld nicht? 

Ich finde irgendwie schon, sonst würde ich mir das alles ja gar nicht erst antun.

Julia Beckert

Während der Wiesn 2016 wird Julia Beckert zum vierten Mal in der Ochsenbraterei bedienen. Sie hat in den vergangenen elf Jahren Gastronomie-Erfahrungen gesammelt. Darüber, über ihr Leben in München und über Restaurants und Reisen bloggt sie seit einem halben Jahr auf living4taste.de.  

Video: Hier entsteht das Oktoberfest 2016 auf der Theresienwiese

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