Nervige Momente im Oktoberfest-Zelt

Wiesn-Bedienung verrät: Diese 8 Sätze will ich nie mehr hören

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Noch anstrengender als das Gläser-Schleppen und Laufen sind für die Wiesn-Bedienungen manche Gesprächsmomente mit den Gästen. 

München - Es gibt Sätze, die lassen eine Wiesn-Bedienung innerlich mit den Augen rollen. Die erfahrene Kellnerin Corinna Binzer vom Löwenbräuzelt verrät die acht nervigsten Sätze der Gäste. 

Corinna Binzer arbeitete bis zum vergangenen Jahr als Wiesn-Bedienung im Löwenbräuzelt. 13 Jahre lang, jetzt hört sie auf. Parallel zu ihrem Job als Schauspielerin passe das Kellnern jetzt nicht mehr. "Es war so schee auf der Wiesn, sie liegt mir am Herzen. Ich hatte so liebe Gäste in der Box. Ich werde eine Gänsehaut bekommen, wenn Wiesn-Anstich ist." Als Bedienung auf dem Oktoberfest stemmte Corinna Binzer in einer Hand sieben Masskrüge auf einmal, mit der anderen bahnte sie sich einen Weg durch die Besuchermenge. Den Besuchern mit der Trillerpfeife ins Ohr zu blasen, mochte sie nicht. "Das Laufen und Tragen war kostenloses Fitness-Training. Die Arbeit stählte den Körper." Doch noch mehr waren es die Gesprächsmomente mit manchen Gästen, die sie anstrengten: wenn Gäste unverschämt reagierten oder absurde Fragen stellten. 

Wenn Corinna Binzer zurückdenkt, waren es diese acht Sätze, die sie als Wiesn-Bedienung nicht mehr hören wollte:  

1. "Warum ist das Bier so teuer?"

Es ist so einfach, bei der Wiesn-Bedienung über den Bierpreis zu jammern, statt sich im Büro des Wirts zu beschweren. "Wer einiges schon getrunken hat und sich in der Gruppe stärker fühlt, wird manchmal unverschämt", sagt Corinna Binzer. Sie habe im Laufe der Jahre ihre Antwort auf die Frage, wieso das Bier so teuer sei, verfeinert: "Wenn ich dem Gast erklärte, 'die Musi spuit nur für di', du hast uns als Bedienung, du sitzt im Zelt auf der Wiesn - das ist unbezahlbar', nahm ich seiner Kritik damit meist den Wind aus den Segeln."  

2. "Du, bring' mir schon mal eine Mass."

Es ist der erste Wiesn-Tag. Jeder weiß, dass es zwar okay ist, sich ab dem Morgen einen Platz im Zelt zu sichern, dass aber erst nach dem Wiesn-Anstich um 12 Uhr ausgeschenkt wird. Und trotzdem glauben manche Besucher, sie könnten die "O'zapft is!"-Zeitregel umgehen, indem sie eine Wiesn-Bedienung mit einem 20-Euro-Schein gönnerhaft zu sich heranwinken und ihr zuraunen: "Komm, kriegst das Doppelte, und dafür bringst du mir schon jetzt eine Mass." Manche Gäste seien so hartnäckig gewesen, dass sie diese mit zur Schänke nahm und sagte: "Wie du siehst, wird hier noch nicht ausgeschenkt. Das darfst du jetzt der ganzen Box weitererzählen." 

3. "Da ist ja mehr Schaum als Bier drin."

Oktoberfest-Besucher zahlten im vergangenen Jahr in den Zelten durchschnittlich 10,20 Euro für eine Mass. Corinna Binzer hat den Vorwurf oft gehört, sie habe ein schlecht eingeschenktes Bier auf dem Tisch abgestellt. Diesen ließ sie aber nicht auf sich sitzen. "Jetzt warte erst mal ab, lass es kurz stehen, bis das Bier aufsteigt. Ansonsten wird nachgeschenkt", versprach sie dem Gast. Schließlich gibt es in den Zelten Kontrollen, ob bei der Menge getrickst wurde.  

4. "Wo kann ich hier im Zelt mal in Ruhe telefonieren?"

Richtig gelesen. Diese Frage meinen Gäste wirklich ernst.

5. "Bist du eigentlich beim Bedienungsgeld dabei? Kann ich dich mit nach Hause nehmen?"

Unverschämt und gar nicht lustig. Doch statt die Frage des flirtenden Gastes zu ignorieren oder ruppig zu antworten, entgegnete Corinna Binzer humorvoll: "Stell' dich hinten an, es sind schon 20 vor dir." 

6. "Wo kann ich hier ungestört mein Baby stillen?"

Corinna Binzer erinnert sich an einen mittleren Wiesn-Samstag. "Im Zelt war die Hölle los, jeder plärrte laut in sein Handy, es war stickig, es durfte noch geraucht werden. Da steht eine junge Dame neben mir, unter ihrer Jacke hält sie ein Baby, und fragt, wo sie ihr Wuzerl ungestört stillen könne." Da sei Binzer "zur Hobby-Psychologin geworden", die der Frau erst mal ins Gewissen redete.   

7. "Bist du jetzt eigentlich diese berühmte Zenzi?"

Es verging kein Jahr, in dem die Gäste Corinna Binzer nicht diese Frage stellten. 

8. "Wo kann ich hier den Kinderwagen abstellen?"

Wiesn-Bedienung Corinna Binzer vertritt die Meinung, dass Kinderwagen zu keiner Zeit im Zelt stehen dürften. Zu gefährlich. Jemandem könnte versehentlich der Bierkrug aus der Hand fallen und das Kind im Wagen verletzen. Besucher und Bedienungen könnten über den Wagen stürzen. Es sei "furchtbar", einen Kinderwagen mitzunehmen. 

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sah

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Kommentare

Michi aus MünchenAntwort
(1)(0)

Hab die Wohnung schon im AirBn inseriert. Ich werde ganz, ganz sicher nicht hier bleiben, über die 2 Wochen. Es nervt einfach nur noch. Alles, was einmal Spaß gemacht hat auf der Wiesn, das gibt es nicht mehr. Allem voran die Gelassenheit und die Offenheit, spontan mit ein paar frisch Kennengelerten eine Mass Bier zu trinken. Einfach so. Ohne Sorge, ob Zelte "überfüllt" (= ausreserviert) sind, oder ob man grad eine Tasche dabei hat, oder ob man ein passendes Faschings-Anzügerl (Pseudo-traditionelle "Tracht" aus China) anhat, ob der Festplatz neuerdings als "überfüllt" gilt und du am Zaun nicht mehr reinkommst oder ähnliches Gezicke.

Wie immer wird es in der U5 ein paar überfahrene geben, das stört aber keinen. Wie immer werden sich hunderte ins Koma saufen, stört auch keinen. Wie immer werden die U-Bahnen total überfüllt und die Strassen gesperrt sein. Ein Elend für alle, die aus der Arbeit nachhause wollen. Stört auch keinen.

Gegen 23.00 Uhr hocken dann die Salontiroler desillusioniert und apathisch in der U-Bahn. Es stinkt nach Mottenkugeln und nach billigem Leder.

Hütteldorf
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Immer diese Pseudopromis , die meinen auf der Wiesn immer noch zusätzlich als Kellner arbeiten zu müssen . Glangts Puiver immer no ned ? Genau wie der Schuhbeck unter den Pfarrern , den konn ma inzwischen a nimmer sengn ..,

Hütteldorf
(0)(0)

Wenns des ned dagnusn ka , hod s auf da Intersuff nix verlorn .