Münchner Paartherapeutin gibt Tipps

Beziehungsstatus während der Wiesn: "Es ist kompliziert"

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Die Wiesn macht manchen Paaren Probleme.

München - Das Oktoberfest ist zu kurz, um es sich mit Beziehungsstress zu verderben. Und trotzdem zoffen sich Paare vor oder nach einem gemeinsamen (oder getrennten) Wiesn-Besuch. Eine Münchner Paartherapeutin erklärt wieso und gibt Tipps.

Manche Beziehungen stehen die Wiesn nicht durch. Sie gehen in die Brüche. Häufiger Grund: Fremdflirten, Fremdküssen oder ein One-Night-Stand und die erbärmliche Entschuldigung „Schatz, es hat mir nichts bedeutet“. Die große Wiesn-Umfrage der tz  offenbart, dass jeder fünfte Mann seinen Oktoberfest-Besuch mit Sex verbindet. Dagegen gaben fast 90 Prozent der 880 Frauen in der Umfrage an, dass sie während des Oktoberfestes noch nie einen One-Night-Stand hatten. 9,1 Prozent dagegen bandelten ein- bis dreimal pro Wiesn mit fremden Männern an. Es ist unklar, ob sie die Dirndl-Schleife an diesen Abenden links (für Single-Ladys) oder rechts (für „in einer Beziehung“) getragen haben.

Das Wiesn-Dirndl: alles, was man dazu wissen muss: http://bit.ly/1glqJmC

Posted by Oktoberfest on Donnerstag, 10. September 2015

Meistens haben gescheiterte Beziehungen schon vor dem gemeinsamen oder getrennten Oktoberfest-Besuch in der Krise gesteckt, sagt die Münchner Paartherapeutin Rosemarie Schuckall. Die Wiesn nennt sie „ein Fest der Probe , ein Fest der Verlockungen“. Eifersucht, Misstrauen sind ein Riesenproblem und führen zu Situationen wie diesen:

1. Stellen wir uns vor, ein Mann will mit seinen Spezln auf die Wiesn gehen, die Partnerinnen sind ausgeladen. Auf Sprüche der Frau oder Freundin wie „Trink' nicht so viel“, „Benimm' dich anständig“ oder „Schau' keine anderen Frauen an“ reagiert der Mann sauer – und verletzt. „Sich als Partnerin aufzuführen wie die strenge, belehrende Mutter oder eifersüchtige Furie, geht nicht“, sagt Schuckall. Sie rät, es anders auszudrücken, zum Beispiel so: „Ich mache mir Sorgen, dass dir etwas passieren könnte.“

2. Stellen wir uns vor, ein Mann feiert mit seinen Freunden im Wiesn-Zelt, will aber nicht, dass seine Partnerin einen Mädelsabend im Wiesn-Zelt macht. Es ist verständlich, wenn die Frau beleidigt reagiert. Statt auszuflippen, sollte sie den Partner fragen: „Was glaubst du, was ich dort tue?“ So zwingt sie den Mann, die Szenen zu beschreiben, die er sich ausmalt. Therapeutin Schuckall hält es für falsch, nachzugeben und den Freundinnen abzusagen. Ein einseitiges Wiesn-Verbot oder ein Wiesn-Verzicht sei unfair, „unschön“, „einengend“, „wie im Gefängnis“. Es sei okay, über Sorgen wie „Ich habe Angst, dass dir ein Kerl K.O.-Tropfen in die Mass kippt“ zu sprechen.

„Er und Sie müssen es hinnehmen, wenn der andere alleine mit Freunden oder Freundinnen aufs Oktoberfest ziehen möchte. Aber: Der Partner, der zu Hause bleibt, sollte beruhigt werden. Zum Beispiel, indem man verabredet, sich kurz zu melden, wenn man nach der Wiesn Richtung U-Bahn läuft.“

3. Stellen wir uns vor, ein Paar sitzt im Oktoberfest-Zelt. Eine fremde Frau flirtet mit dem vergebenen Mann. Dessen Partnerin schäumt innerlich vor Wut. „Stattdessen könnte sie erst mal stolz auf ihren Freund oder Ehemann sein, der offenbar auch anderen Frauen gefällt“, sagt Schuckall. „Der Angeflirtete sollte aber schnell deutlich machen: Hier ist nix zu holen, mein Herz ist vergeben.“ Er könnte demonstrativ den Arm um seine Liebste legen und ihr ein Küsschen auf die Wange drücken.

Allgemein rät die Münchner Therapeutin Paaren, vor dem Wiesn-Besuch ehrlich über Grenzen zu sprechen: Ist Tanzen im Festzelt Tradition mit einem Fremden noch okay? Oder ist das schon ein Fremdgehen? „Jedes Paar definiert diese Grenzen für sich.“

Von der Einstellung „Was auf der Wiesn war, bleibt auf der Wiesn“ hält Schuckall nichts. „Es verändert sich durch einen One-Night-Stand doch etwas und das merkt der Partner. Heimlichkeiten holen einen wie ein Boomerang ein.“ Trotzdem wünscht die Liebes-Expertin Paaren, dass sie sich trotz Diskussionen und negativer Gedanken und Gefühle nicht den Oktoberfest-Spaß verderben lassen sollen.

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