Wiesn-Techten-Trends 2016

Modebewusste Frauen tragen klassische statt knallige Dirndl

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Die München-Redakteurin des Münchner Merkur, Janina Ventker, trägt ein Wiesn-Dirndl von Lodenfrey. Das Modell kostet 399 Euro, die hochgeschnitte Bluse 69 Euro.

München - Es umschmeichelt die Kurven und setzt das Dekolleté toll in Szene: Das Dirndl ist ein Kleidungsstück, das jeder Frau steht und die Weiblichkeit betont. Welche Schnitte, Farben, Blusen sind die Wiesn-Trends 2016?

„Tracht ist immer auch verbunden mit Lebensfreude“, sagt Trachten-Expertin Gabriele Hammerschick von Lodenfrey. Noch vor einigen Jahren wurden Tracht oft belächelt, heute entwerfen sogar namhafte Designer eigene Kollektionen. Bei Trachten ist die Mode zwar nicht so schnelllebig wie sonst, dennoch kristallisieren sich auch hier jedes Jahr Trends heraus. Ein Überblick, was Frau heuer trägt – nicht nur auf der Wiesn.

Schnitte & Stoffe

Es muss nicht immer Dekolleté gezeigt werden - auch hochgeschlossene Blusen passen zum Dirndl. 

Ein Trend, der seit einigen Jahren anhält, ist die Rückbesinnung auf eine traditionelle Optik der Kleider. Waschdirndl sind plötzlich wieder angesagt, Leinen, Baumwolle und Seide die Stoffe der Wahl. Handgearbeitete Details wie Rüschen, Borten und Bänder zieren das Kleidungsstück. Und auch hochgeschlossene, zugeknöpfte Dirndl hängen wieder vermehrt an den Stangen. „Dieses Glitzernde, Übertriebene trägt man nicht mehr“, sagt Trachtenexpertin Gabriele Hammerschick von Lodenfrey. „Es wird dezenter, reduzierter und vornehmer.“ Frei nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Farben

Knallige Farben haben es heuer schwer in der Trachtenmode, das Gegenteil ist angesagt: gedeckte Töne und klassische Farben wie Rot, Grün und Blau. Sehr schick auch „Nicht-Farben“, wie Gabriele Hammerschick sie nennt, etwa grau, taupe, oliv. „Das sind Farben, die Frauen schöner machen“, sagt Hammerschick. Aber auch ein zartes Hellblau und Rosé könne man tragen.

Blusen

Ohne viel Schnickschnack.

Die Blusen sind heuer am Arm schmal geschnitten. Sie sind schlicht gehalten oder mit Spitze verziert. Ein beliebtes Material ist Stretch. Die bevorzugte Farbe: klassisch weiß. „Auch ein helles Rosa oder Hellblau kann zum passenden Dirndl edel aussehen“, sagt Hammerschick. Von schwarzen Blusen rät die Expertin ab, genauso wie von Carmenblusen, also schulterfreien Exemplaren. „Das trägt man einfach nicht mehr.“ Die hochgeschlossene Variante der Bluse, die in den vergangenen Jahren wieder beliebter geworden ist, bleibt. „Sie passt zu fast allen Dirndln und ist mit Schlitz auch ein bisschen sexy“, sagt Hammerschick.

Rocklänge

Bei der Länge des Rocks ist ein wenig beliebtes Körperteil das Maß der Dinge: das Knie. Denn mindestens bis zu diesem sollte der Stoff reichen, sagt Expertin Hammerschick. Ob knieumspielend oder in der traditionellen 85er-Länge, das ist Geschmackssache. „Es kommt immer auf die Frau an – was ihr steht und worin sie sich wohlfühlt.“

Schuhe

Auf der Wiesn passt ein hoher, modischer, schicker Schuh am besten zum Dirndl, findet Gabriele Hammerschick. „Das kann ein High Heel sein oder auch eine Stiefelette.“ Haferlschuhe hingegen seien zu derb. Auch nicht zu empfehlen: Cowboystiefel. „Das sieht albern aus.“

Schmuck

Hier gilt wie auch beim Dirndl: weniger ist mehr. Trachten-Expertin Gabriele Hammerschick rät, entweder Ohrringe oder eine Kette zum Dirndl zu tragen. Ein hübsches Dekolleté komme aber auch ganz ohne Schmuck aus. Ein filigranes Armkettchen dagegen sehe immer hübsch aus. Auch ein Dreieckstuch mit Fransen kann die Trägerin zusätzlich schmücken.

Kopfschmuck

Niedlich: Trachten Angermaier bietet passende Modelle für Eltern und Kinder.

Vor einigen Jahren haben viele Frauen auf der Wiesn Hut zum Dirndl getragen, danach kam der Blumen-Trend auf: Inspiriert von Sängerinnen wie Lana del Rey wanderten üppige Kränze, meist aus Plastik, auf die Köpfe. Beides grenze an Verkleidung, findet Trachten-Expertin Gabriele Hammerschick und rät davon ab. Niedlich sei jedoch eine einzelne echte Blüte im Haar.

...und was tragen die Herren?

Die Lederhosen werden wieder „cleaner“, also schlichter, sagt Johann Maurer, Trachten-Experte in der Herrenabteilung von Lodenfrey. „Die Hosen waren eine Zeit lang auf alt getrimmt, davon geht man wieder weg.“ Herr trägt heuer ein mittleres bis dunkles Braun. „Schwarz ist kein Thema“, sagt Maurer. Ganz wichtig, das Material: Vollleder, bloß kein Spaltleder. Die Länge der Lederhose? „Zwei Finger breit über der Kniescheibe sollte sie sitzen, maximal bis zur Kniescheibe gehen.“ Die Stickereien sind meist naturfarben, grün oder gelb. Maurer empfiehlt dieses Jahr blauen oder roten Stich. „Das Muster der Stickerei muss allerdings mit Tracht zu tun haben – kein Totenkopf oder eine Weißwurst.“

Generell hält Maurer bei der Männertracht wenig von Spielereien, etwa pinken oder knallgrünen Hemden. „Es soll ja nicht nach Fasching aussehen.“ Die Silhouette der Männertracht werde immer schmaler, etwa bei Hemden und Sakkos, sagt der Experte. „Allerdings sollten sie auch nicht hauteng sitzen.“

Die bevorzugte Farbe laut Maurer ganz klar: Blau – ob bei Hemden oder Jankern. Beim Janker kehre zudem der Zweireiher zurück. Darunter kann Mann noch eine Weste tragen – samtig oder glänzend.

Frauen, die vermeiden wollen, dass andere Frauen das gleiche Dirndl tragen, können ihr altes Dirndl umstylen oder sich ein Vintage-Dirndl zulegen. Das sind gute Adressen für Second-Hand-Dirndl-Läden in München

Und Frauen, die noch Anregungen für ihre Dirndl-Frisur suchen, können sich von diesen elf Bildern inspirieren lassen.

Lesen Sie hier, mit welcher Tracht sich Männer auf dem Oktoberfest blamieren.

Cathy Hummels zeigt die neue Trachtenkollektion von Angermaier

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