Oktoberfest, Fußball und Rushhour

Ausnahmezustand: Bei der Wiesn droht der U-Bahn-Kollaps

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Gedränge auf dem Weg zum U-Bahnsteig.

München - Am 21. September 2016 spielt der FC Bayern zu Hause gegen Hertha BSC, um 20 Uhr an einem Mittwoch, Pendlerverkehrszeit. Währenddessen sorgt die Wiesn ihrerseits für Menschenmassen in der Stadt. Ob das gut geht?

Vor knapp einem Jahr, am 22. September 2015, geht der Notruf eines MVG-Einsatzleiters bei der Polizei ein. Es geht um den U-Bahnhof Odeonsplatz. Um 19:00 Uhr ist der Bahnsteig so stark überfüllt, dass die Mitarbeiter der MVG den südlichen Zugang sowie den engen Fußgängertunnel von der U4/5 sperren, dies geht aus einem internen Bericht des diensthabenden MVG-Einsatzleiters hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. "Der Bahnhof Odeonsplatz war so stark überfüllt, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte," wird er von der SZ zitiert.

Die Polizei hat ihrerseits keine Reserven zur Verfügung, muss die Männer der MVG um eine halbe Stunde Geduld bitten. So lange würde es dauern, bis die ersten Einsatzkräfte frühestens am Odeonsplatz eintreffen könnten.

Grund für die missliche Lage war die Dreifachbelastung des Münchner Verkehrssystems durch einen Familientag auf dem Oktoberfest, ein Heimspiel des FC Bayern und die gewöhnliche Rushhour, verursacht durch tausende Pendler im Berufsverkehr.

Die Polizei möchte nicht bestätigen, dass ein Notruf der MVG eingegangen sei. Auf Nachfrage der SZ wird nur informiert, dass keine Polizisten am Odeonsplatz im Einsatz waren.

"Auf Risiken x-fach hingewiesen"

Die Lage entspannt sich, der Strom der Oktoberfestbesucher reist ab und irgendwann erreichen auch die letzten Fans das Stadion im Münchner Norden. "Das ging nochmal gut. Ob es beim nächsten Mal so glimpflich ausgeht, weiß keiner," so der MVG-Einsatzleiter.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? MVG-Chef Herbert König kann es sich nicht erklären. Auf die Risiken einer solchen Situation habe man "x-fach hingewiesen" und darum gebeten "bei der Terminierung von Spielen die Sondersituation Oktoberfest zu berücksichtigen.

In einem Interview mit dem Münchner Merkur vom Dezember betonte er, das Münchner System sei in herausragendem Zustand. Dennoch gehe man zur Wiesn-Zeit an die Leistungsgrenze, brauche sogar Hilfe von anderen Verkehrsgesellschaften, zum Beispiel aus Berlin oder Hamburg.

"Wir verkraften das Wachstum Münchens bis 2025, dann wird's wohl kritisch." Es seien längerfristige Lösungen gefragt, um den Verkehrsbetrieb der Innenstadt zu entlasten. Zum Beispiel gibt es den Plan der U9-Spange, die die Allianz-Arena direkt mit dem Hauptbahnhof und der Theresienwiese verbinden soll. Die zusätzliche U-Bahn würde auch zur Entspannung des Oktoberfestverkehrs beitragen.

"Planungsvorläufe und Entscheidungsprozesse haben sich verlängert," so König, es wird wohl noch Jahrzehnte dauern, bis die "Wiesn-U-Bahn" über die Gleise rollt.

Viel wichtiger ist, was aktuell getan werden kann, um die Sicherheit der Oktoberfestbesucher, Fans und Pendler auch in diesem Jahr zu gewährleisten.

Die MVG gibt an, noch einige Mitarbeiter mehr einsetzen zu wollen und bei Bedarf U-Bahnhöfe noch früher vorsichtshalber zu sperren. Für die Wiesn-Zeit herrscht ohnehin Urlaubssperre für die Mitarbeiter der MVG. Zwischen Münchner Freiheit und Fröttmaning sollen mehr Züge zum Einsatz kommen, unter anderem können auch Züge der U3 umgeleitet werden. 

Luisa Griesbaum

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