Betreiber wehrt sich

Rassismus? Riesen-Wirbel um diesen Wiesn-Stand

Schießstand
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Um diesen Schießstand geht es.

München - Die Schießbude von Maximilian Fritz sollte als besonderes Schmuckstück auf der Oidn Wiesn für Unterhaltung sorgen. Nun steht die Bude in der Kritik.

Direkt vor dem Velodrom auf der Oidn Wiesn steht eine historische Schießbude. Luftgewehre, Munition, Rosen als Preis - bis hierhin ist alles vollkommen normal. Doch nun gibt es große Aufregung um die Bude von Schausteller Maximilian Fritz, der das Geschäft seit 1986 betreibt. Genauer gesagt sorgen die beweglichen Blechtafeln, an denen die Ziele befestigt sind, für Diskussionen. Ein SZ-Bericht hat den Wirbel wohl entfacht.

Die rund 130 Jahre alten Schilder zeigen nämlich unter anderem die Köpfe von Farbigen. Ob das in Ordnung ist oder in die Kategorie Alltagsrassismus fällt, darüber scheiden sich nun die Geister.

Die Landeshauptstadt München bezeichnet die Schießbude in einer Pressemitteilung als "einen authentischen Raumeindruck aus der Zeit um 1900". Auf die Idee, dass es keinen besonders guten Eindruck macht, an einer Schießbude auf Farbige zu schießen, kam anscheinend niemand.

Die Grüne Jugend München hat sich deshalb nun in einem Schreiben von den vermeintlich rassistischen Signalen, die durch die Schießbude ausgesendet werden, distanziert. Simon Andris, Sprecher der Grünen Jugend München hält die Blechtafeln für rassistisch: "Schießbudenfiguren aus der Kolonialzeit heute noch zu verwenden, ist ein Medium zur Vermittlung des Legitimation Mythos, Afrika sei das homogene, unterlegene 'Andere' und benötige infolgedessen der 'Zivilisierung' durch Europa", meint Andris. "Rassismus und Kolonialismus-Nostalgie", so Andris, hätten auf der Wiesn, "die sich zu einem weltoffenen und bunten Volksfest entwickelt hat, keinen Platz." Gerade die Begegnung von unterschiedlichen Kulturen sei das, was das Oktoberfest ausmache, so der Sprecher weiter. Die Münchner Jugendorganisation der Partei "Die Grünen" fordere daher, dass die entsprechenden Figuren sofort aussortiert werden.

Ganz anders sieht das allerdings der Betreiber des Schießstandes, Maximilian Fritz (65). Er verteidigt seinen Stand gegen die Rassismus-Vorwürfe: Es ginge ja schließlich nicht um die heutige Zeit, sondern um die Tradition, sagt er gegenüber der SZ. "Ich bin bestimmt kein Rassist", meint Maximilian Fritz und führt als Beispiel eine Figur an, die einen Juden mit Hakennase zeigt, die er vor Jahren schon aussortiert habe.

"Die meisten verstehen, dass es keine rassistischen Hintergedanken gibt", glaubt der 65-jährige Schausteller. Auch Beschwerden von farbigen Schützen habe es bislang noch nicht gegeben.

vf

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