Alt-OB im Wiesn-Interview

Ude: Nur "Vollidioten" exen Wiesn-Mass

+
Christian Ude entspannt sich auf der Empore vom Hackerzelt.

München - In seinem ersten Jahr ohne politisches Amt genießt Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (66) die Wiesn so richtig. Doch er findet auch deutliche Worte, was ihn am Oktoberfest stört.

Herr Ude, Sie wirken sehr entspannt …

Christian Ude: Ich fühle mich so sorgenlos und unbekümmert wie in der Schülerzeit auf der Wiesn – ohne Termindruck, Verantwortung und Entscheidungsstress. Ein purer Genuss.

Weniger begehrt scheinen sie aber nicht zu sein!

Heuer hat der Alt-OB zwar weniger offizielle Termine, dafür aber hat er jede Menge zu tun mit Fans, die Fotos machen wollen.

Ude: Wo ich gehe und stehe, gratulieren mir Gäste zu meiner Leistung und bedanken sich. Alle wollen Fotos machen – es gibt schon Hunderte von mir. Jedes Bild muss erarbeitet werden. Da kommen nostalgische Erinnerungen auf, wenn Autogrammkarten gereicht haben.

Gibt es Wiesn-Gäste, die Sie noch für den aktuellen OB halten?

Ude: Die Münchner nicht. Aber am ersten Wiesn-Tag, als ich in der Früh von Köln – wo ich das dortige Oktoberfest angezapft habe – nach München geflogen bin, haben mich gleich mehrere Business-People angesprochen und auf die Uhr gedeutet. ‚Des wird aber knapp. Sie müssen doch bald abzapfen!‘“

Hand aufs Herz: Ist keine Wehmut dabei – nach solch einer langen Zeit im Amt?

Ude: Ich kann bestens damit leben, dass ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen ist und ein leichterer und bunterer beginnt. Ich entscheide selbst über meinen Terminkalender und führe das erste Mal seit vier Jahrzehnten ein selbstbestimmtes Leben.

Dazu gehören private Wiesn-Ausflüge?

Ude: Ja, ich besuche gerne meine Freunde, die Kufflers im Weinzelt und die Heides in der Bräurosl. Vergangene Woche war ich zum ersten Mal nach 60 Jahren wieder auf dem Teufelsrad. Der Ansager hat mich erkannt und genötigt, mitzufahren.

Und wie lange haben Sie es ausgehalten?

Ude: Ich bin in der ersten Hälfte runtergefallen.

Und was essen Sie gern auf dem Oktoberfest?

Ude: Die Lende in der Ochsenbraterei. Heuer hab’ ich zum ersten Mal eine Haxnsemmel gegessen, die war ein Hochgenuss. Kulinarisch hat sich die Wiesn unfassbar gesteigert.

Vieles hat sich auf dem Oktoberfest verändert. Gäbe es etwas, was Sie sich wünschen würden?

Ude: Warum sollte man das schönste Fest, das auf der ganzen Welt imitiert wird, verändern? Ich bin gegen eine Verlängerung und eine Ausweitung der Wiesn. Wer mit den Umsätzen nicht zufrieden ist, der kann den Hals nicht voll kriegen.

Aber irgendetwas muss Sie doch stören …

Ude: Ja. Ich würde mir wünschen, dass die Sicherheitskräfte jeden rauschmeißen, der auf die Bank steigt und eine Mass Ex trinkt. Für mich ist so jemand ein Vollidiot.

Und wer geht Ihnen noch gegen den Strich auf der Wiesn?

Ude: Sagen wir es mal so: Das männliche Geschlecht sollte mit dem Harndrang etwas souveräner umgehen. Die Frauen schaffen das ja auch. Ich bin der Letzte, der den Puritaner spielt – ich finde es aber dennoch immer wieder abstoßend, wenn jemand so viel trinkt, dass er sich übergeben muss.

Nina Bautz

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Wiesn-Attentat: Anwalt fordert Ablösung von Soko-Leiter
Wiesn-Attentat: Anwalt fordert Ablösung von Soko-Leiter
Wiesn-Attentat und kein Ende
Wiesn-Attentat und kein Ende

Kommentare