Privatwohnungen für Oktoberfest-Gäste

Die Wiesn-Miete finanziert den Urlaub

130 Euro pro Nacht verlangt André während der Wiesn für seine zwei Zimmer.

München - Einsteigen, Platz nehmen, aber schnell – sonst ist alles besetzt! Während der Wiesn dreht sich nicht nur das Kettenkarussell: Auch der Miet-Markt rotiert.

Denn: Viele Wiesn-Gäste wohnen nicht in Hotels (im Schnitt fast doppelt so teuer wie sonst unterm Jahr), sondern in untervermieteten Stadt-Wohnungen. Das Geschäft mit solchen Privat-Appartments boomt! Über Internet-Seiten wie airbnb.de oder wimdu.de bieten Münchner ihre Wohnfläche an – und Touristen greifen gern zu. Nur ein Gästebett? Ein WG-Zimmer? Oder gleich die ganze Wohnung? Das bleibt den Vermietern selbst überlassen.

Alles toll? Naja … OB Dieter Reiter (56, SPD) hat Bedenken. Nämlich dann, wenn die Untervermietung zum Geschäftsmodell wird, wenn Touristen mit Münchnern um Wohnfläche konkurrieren. Reiter: „Jede Wohnung, die dem Mietmarkt durch Zweckentfremdung verloren geht, ist eine Wohnung zu viel.“ Deswegen will er die entsprechende Verordnung verschärfen.

Untervermietung zur Wiesn-Zeit? Die Rechtslage ist kompliziert

Schon jetzt ist die Rechtslage kompliziert. Untervermieten kann illegal sein – unter anderem kommt es darauf an, wie groß der Anteil der Fläche im Vergleich zur kompletten Wohnung ist beziehungsweise für wie viele Tage im Jahr die Untervermietung gilt. Wenn Sie untervermieten wollen: am besten beim Wohnungsamt nachfragen!

Und, wichtig: Wer untervermietet, braucht auf jeden Fall eine Erlaubnis des Vermieters, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. „Ist das nicht der Fall und der Vermieter bekommt die Untervermietung mit, kann er nach der Abmahnung sogar fristlos kündigen.“ Dazu kommt noch: Was über die Miete reinkommt, ist einkommenssteuerpflichtig.

Wenn das alles klar ist: Herzlich willkommen im Wiesn-Karussell! Die tz hat mit einem Münchner gesprochen, der sein Zimmer während der Wiesn vermietet. Dazu drei weitere Privat-Bleiben:

Loft am Gärtnerplatz

220 Euro pro Nacht

Janina und Hendrik vermieten ein Zimmer in diesem Loft am Gärtnerplatz. Gäste zahlen während der Wiesn 220 Euro pro Nacht. ­Dafür bietet das Zimmer eine eigene Dachterrasse mit Flachbildschirm, Nintento Wii und Futon-Bett. Außerdem gibt’s einen entspannten Wohn- und Essbereich mit Beamer und Soundsystem.

Souterrain-Wohnung in Schwabing

135 Euro pro Nacht

33 Quadratmeter hat dieses gemütliche Apartment in Schwabing, das ebenfalls von privat vermietet wird. Während des Oktoberfests verlangt Vermieterin Kate 135 Euro pro Nacht. Die Wohnung hat Fußbodenheizung, ein Doppelbett im Schlafzimmer – und im Wohnzimmer gibt’s nochmal eine Schlafcouch.

Apartment in Untergiesing

199 Euro pro Nacht

Ninas schnuckelige Wohnung in Untergiesing ist während der Wiesn für 199 Euro pro Nacht zu haben. In dem 1,60-Meter-Bett können zwei Gäste schlafen, nochmal zwei Schlafplätze bietet das Ausziehsofa. Es gibt eine neue Küche mit Mikrowelle, eine Regendusche. Babybett auf Anfrage.

Wiesn-Miete finanziert Urlaub

Architekt André (31)

Er fährt zur Wiesn in den Urlaub – und vermietet seine Wohnung in dieser Zeit an Touristen. Seit zwei Jahren bietet Architekt André (31) seine 45-Quadratmeter-Bleibe in der Maxvorstadt über das Vermietungsportal airbnb an. „Dieses Jahr bin ich nur zum Anstich auf der Wiesn, das reicht mir. Danach fliege ich für zwei Wochen in die USA“, sagt der Münchner. Finanzieren kann er sich die Reise über die Gäste: Für zwei Zimmer, Küche, Bad inklusive Tiefgaragenstellplatz verlangt er während des Oktoberfests 130 Euro pro Nacht – sonst sind es 69 Euro.

Die Gäste erwartet dafür echter Service: Die Espressokapseln in der Küche sind aufgefüllt, auf dem Tisch stehen Gummibärchen, im Schrank räumt André einen Bereich frei. Die Wohnung wird außerdem geputzt und mit frischer Bettwäsche und Handtüchern übergeben. „Die Gäste müssen sich wohlfühlen“, findet der Privatvermieter. Während der Wiesn bleiben die Gäste im Schnitt drei bis vier Tage. Freunde kümmern sich um Schlüsselübergabe und Reinigung. Angst davor, fremde Menschen in seine Wohnung zu lassen, hat André nicht: „Bislang ist noch nie was passiert – und im Schadensfall wäre ich über airbnb versichert. Sollte sich jemand betrunken auf dem Parkett verewigen, hoffe ich, dass der Versicherungsschutz greift …“ Seine Gäste wählt der Architekt nach Bauchgefühl aus: „Und ich lese mir die Bewertungen von anderen Vermietern durch – da bekommt man ein ganz gutes Bild.“ Die Palette der Kunden ist breit: „Mein ältester Gast war ein 77-jähriger Tourist aus Australien.“ André selbst übernachtete über das Portal schon in Privatwohnungen in Amsterdam, Berlin, Hannover, Dresden und Brüssel. Wie er dazu kam? „Ich war vor zwei Jahren beruflich für mehrere Wochen im Ausland und habe überlegt, was ich in meiner Wohnung machen könnte – so kam ich zu airbnb. Das ist einfach eine tolle Möglichkeit, mit Leuten in Kontakt zu kommen.“

Wer eine Bleibe gefunden hat, muss sich nur noch überlegen, wie er am günstigsten, schnellsten und bequemsten zum Oktoberfest - und wieder nach Hause - kommt. Einen perfekten Überblick bietet unser Anreise-Guide für die Wiesn. Allen, die schon jetzt wissen, dass sie mit dem Auto kommen, empfehlen wir einen Blick in unseren Artikel "Die besten Parkplätze für Wiesn-Besucher".

cmy/R. Weise

Christina Meyer

Christina Meyer

E-Mail:christina.meyer@tz.de

Ramona Weise

Ramona Weise

E-Mail:ramona.weise@tz.de

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