Temperatursturz zum Wiesn-Start

Tipps vom Experten: So lässt Sie der Wetterwechsel kalt

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Wiesn im Regen: Die ersten Tage des Volksfestes werden wohl ins Wasser fallen.

München - Kaum steht die Wiesn vor der Tür, verabschiedet sich der Sommer! Der Temperatursturz kann durchaus gefährlich für die Gesundheit werden. Wir geben Tipps.

Aus is', und gar is' und schad' is', dass wahr is'! Normalerweise wird diese etwas melancholische bayerische Weisheit ja erst zum Ende des Oktoberfests bemüht. Doch heuer gilt sie schon, bevor die Wiesn überhaupt begonnen hat - jedenfalls mit Blick auf das Traumwetter. Wochenlang hat uns der Spätsommer mit außergewöhnlich viel Sonne verwöhnt. Damit ist jetzt abrupt Schluss - und das ausgerechnet zum Start des größten Volksfests der Welt: Am Wochenende sollen die Temperaturen richtig in den Keller rauschen - und können damit auch im Körper Chaos anrichten. "Temperaturwechsel von zehn Grad und mehr können die Körperfunktionen beeinflussen. Solche Veränderungen sind für viele Menschen deutlich spürbar", weiß Dr. Karlheinz Zeilberger. In der tz erklärt der erfahrene Münchner Internist und Sportarzt die medizinischen Hintergründe und gibt Tipps, wie man gesünder durch die Übergangszeit kommt.

Wetterfühlige sind besonders betroffen: "Die Luftdruckschwankungen, die mit einem Temperatursturz einhergehen, können gerade Patienten mit Blutdruckproblemen gesundheitlich zu schaffen machen. Einige nehmen ihren Herzschlag stärker wahr, können einen Wetterumbruch schon ein bis zwei Tage vorher spüren. Das ist keine Einbildung, sondern wissenschaftlich erwiesen", berichtet Dr. Zeilberger.

Internist und Sportarzt Dr. Karlheinz Zeilberger.

Weitere Symptome können Müdigkeit, Kopfweh oder Gliederschmerzen sein. Besonders anfällig sind ältere Menschen oder Patienten mit chronischen Erkrankungen. Auch so genannte "Büromenschen" sollten bei Temperaturwechseln auf der Hut sein. "Ihr Kreislaufsystem ist oft schlechter daran gewöhnt und abgehärtet als jenes von Leuten, die sich regelmäßig im Freien bewegen oder draußen arbeiten."

Bei Temperaturstürzen körperlich etwas vom Gas gehen: "Bei Kälte werden Blutgefäße zur besseren Isolation an der Haut enger gestellt, es ensteht mehr Widerstand fürs Herz, der Blutdruck steigt", erläutert Dr. Zeilberger. "Dadurch ist auch die Belastbarkeit anfangs schlechter. Man sollte gerade beim Sport darauf achten, dass man rund um den Wetterwechsel nicht zu intensiv trainiert."

Regelmäßig an der frischen Luft bewegen, zum Beispiel ausgiebig Spazierengehen, Bergwandern, Wechselduschen machen und saunieren: "Diese Aktivitäten können helfen, das Immunsystem zu stärken."

Viel trinken - aber die Massen nur in Maßen: "Alkohol, Kaffee und Nikotin belasten das Immunsystem und die Kreislaufregulation", warnt Dr. Zeilberger. "Auf der anderen Seite ist es eine wichtige Vorsorgemaßnahme, viel Flüssigkeit zu tanken. Denn diese schmiert praktisch die Schleimhäute. Sie bleiben elastisch und können dadurch besser ihre Schutzschildfunktion gegen Viren und Bakterien erfüllen."

Auf der Wiesn nur aus dem eigenen Masskrug trinken und nicht jeden abbusseln: "Dadurch verringert man das Risiko einer so genannten Tröpfcheninfektion", erklärt Dr. Zeilberger.

Im Bierzelt auch mal Radi, Radieschen oder etwas mit Zwiebeln bestellen. "Darin stecken viele Vitamine und Nährstoffe, die das Immunsystem stärken. Aber auch außerhalb der Wiesn gilt: Generell möglichst mehrmals am Tag etwas Obst essen und insgesamt auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse achten", rät der Mediziner.

Besonders wichtig: Achten Sie auf Ihre Kleidung! "Morgens ist es oft schon richtig kalt, mittags in der Sonne noch richtig warm. Deshalb ist es sinnvoll, sich nach dem Zwiebelschalenprinzip anzuziehen - das heißt: in mehreren Schichten, die man je nach Bedarf schnell an- und ablegen kann", so Dr. Zeilberger. "Auf der Wiesn sollte man dran denken, sich die Jacke anzuziehen, bevor man das überhitzte Zelt verlässt. In Fahrgeschäfte bitte grundsätzlich mit einer Jacke setzen, weil auch bei schönem Wetter gerade in dieser Jahreszeit schon ein tückischer kalter Wind Probleme machen kann."

Beim Sporteln an der frischen Luft die Temperaturunterschiedede zwischen sonnigen und schattigen Bereichen nicht unterschätzen! "Dabei empfiehlt es sich, in qualitativ hochwertige Funktionskleidung zu investieren. Sie verhindert gleichermaßen Auskühlung und Überhitzung und schützt auch vor Wind."

Im Schlafzimmer unbedingt Zugluft vermeiden! "Gerade jetzt, nach dem schönen Spätsommer, kann es ungesund sein, das Fenster weiterhin sperrangelweit offen stehen zu lassen", weiß Dr. Zeilberger. Im Zweifel kann es sinnvoll sein, das Schlafzimmer vor dem Zubettgehen gut durch zu lüften, aber das Fenster während der Nacht geschlossen oder allenfalls gekippt zu lassen.

Nutzen Sie die Grippeschutzimpfung! Der Impfstoff steht seit Mittwoch zur Verfügung. Er wird generell Menschen über 60 Jahren sowie Patienten empfohlen, die ein geschwächtes Immunsystem oder chronische Grunderkrankungen haben, beispielsweise am Herzen. Impfen sollte sollte sich auch lassen, wer beruflich oder in der Freizeit viel Kontakt mit anderen Menschen hat. Die Grippeimpfung wird von den meisten Krankenkassen übernommen. Gesetzliche Selbstzahler müssen gut 30 Euro investieren.

Andreas Beez

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