Irre Wende im Prozess

Wiesn-Messerstecherei: Der Krimi um den gekauften Zeugen

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Sandra N. (li.) stach auf der Wiesn zu.

München - Der Gerichtsprozess um Messerstecherin Sandra N. (34, Name geändert) gleicht immer mehr einem Krimi!

Ein Fußball-Star, der auf der Wiesn rassistisch angepöbelt wird. Eine zarte Frau, die eiskalt mit dem Messer zusticht. Und ein Millionär, der einen Zeugen bestochen haben soll, um seine Geliebte vor dem Knast zu retten – aber am Ende selbst verhaftet wird. Der Gerichtsprozess um Messerstecherin Sandra N. (34, Name geändert) gleicht immer mehr einem Krimi!

Am Mittwoch wurde das nächste Kapitel aufgeschlagen: In Handschellen trat Christoph H. (31) erneut in den Zeugenstand. Der Geschäftsmann kam direkt aus der U-Haft – und gestand seine Falschaussage ein, wegen der vor zwei Wochen verhaftet wurde. Da hatte er behauptet, er hätte gesehen, wie Sandra N. auf der Wiesn an den Schultern gepackt und bedroht wurde – erst dann habe sie zugestochen, also aus Notwehr. Jetzt ruderte H. zurück: „Ich habe nicht die Wahrheit gesagt.“ Also vor Gericht gelogen – und zwar im Auftrag des Hamburger Millionärs Detlef F. (63), der seine Verlobte Sandra N. durch den gekauften Zeugen reinwaschen wollte. Aber der Schwindel flog auf! Auch Detlef F. wurde wegen Anstiftung verhaftet. Aber später wieder freigelassen.

Detlef F. (m.) kaufte einen Zeugen, um sie zu entlasten.

Einer seiner Geschäftspartner soll Christoph H. im Juni auf Mallorca angesprochen haben. „Es hieß, die Verlobte von Herrn F. sei Opfer der bayerischen Justiz und bräuchte Hilfe.“ Für eine fingierte Aussage zu ihren Gunsten seien ihm 100 000 Euro angeboten worden – und nochmal so viel, wenn der Haftbefehl gegen die Angeklagte aufgehoben wird. Christoph H. willigte ein – und wurde zum gekauften Zeugen! In Österreich traf er einen Kontaktmann. Und erhielt später sogar ein fertiges Skript: „Es enthielt Absätze, was in der Tatnacht geschehen sein soll. Vor meiner Aussage bin ich alle Unterlagen gründlich durchgegangen.“

Als er seine Rolle einstudiert hatte, traf Christoph H. zwei Verteidiger von Sandra N. in Zürich. Sie beurteilten ihn als glaubwürdig. Ein Fehler, wie sich herausstellte. „Er ist Teil eines Komplotts gewesen und hat manipulativ auf das Strafverfahren eingewirkt“, sagte Anwalt Gerhard Strate. „Das ist unerträglich.“ Denn im Prozess hatte der Zeuge die Messer-Attacke und das Käferzelt genau beschrieben – tatsächlich war er nie dort gewesen. „Ich habe alles im Internet recherchiert“, gestand H.

Der Krimi um den gekauften Zeugen: Vor dem Ermittlungsrichter stellte Millionär Detlef F. alles ganz anders dar. Er sei vor seiner Hamburger Villa von zwei Männern angesprochen worden. „Sie sagten, es gibt Zeugen, die für Sandra N. aussagen würden. Er bräuchte sich um nichts zu kümmern. Aber es würde etwas kosten“, berichtet ein Kripo-Beamter. Detlef F. ließ sich darauf ein – und lieferte auch schriftliche Notizen. Den Zeugen habe er aber nicht persönlich gekannt.

Sandra N. weinte bitterlich, als sie von dem Lügen-Komplott erfuhr. „Ich wusste von nichts“ beteuert sie. „Mein Mann war verzweifelt.“ Ob ihr das helfen wird? Am 3. August folgen die Plädoyers.

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