Wichtige Antworten auf drängende Fragen

Das ist der Notfall-Plan für die Wiesn

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München - Die Münchner Polizei und das Kreisverwaltungsreferat erklären ihr Sicherheitskonzept für das Oktoberfest – wie Beamten kontrollieren und was Gäste erwartet.

Das größte Volksfest der Welt ist es sowieso – und das sicherste wahrscheinlich auch, wenn man zugrunde legt, dass es die hundertprozentige Sicherheit nun mal nicht geben kann. Nie zuvor beschäftigten sich die Behörden derart aufwändig und bis ins Detail mit der Sicherheit auf dem Oktoberfest. Drei Tage vor dem Wiesn-Start in diesem schwierigem Jahr 2016 stellten Vize-Polizeipräsident Werner Feiler und Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle am Mittwoch das neue Wiesn-Sicherheitskonzept vor – Und antworteten auch auf unangenehme Fragen wie drohende Panikstimmungen und Missbrauch der sozialen Medien. Gedanken, die in diesen Tagen so viele Bürger und Wiesn-Touristen umtreiben.

Es gibt wohl kein Szenario, dass die Verantwortlichen von Polizei, Branddirektion und KVR nicht gedanklich durchgespielt haben in den letzten Monaten und Wochen. Auf diesen Erkenntnissen entstand das aus vier Stufen bestehende Sicherheitskonzept im Falle drohender Unwetter, totaler Überfüllung, Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr und natürlich auch bei Terrorwarnungen. Phase I beruht auf frühzeitiger Information über alle Medien, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter und natürlich den der offiziellen Katastrophenschutz-App Katwarn (gibt’s kostenlos in allen App-Stores mit Sonderdienst Oktoberfest).

„Wir bitten alle Bürger, nicht jedem Gerücht ungeprüft Glauben zu schenken. Vertrauen Sie uns. Wir behalten die sozialen Netzwerke ganz genau im Auge und werden sehr aktuell reagieren“, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. „Und sollte tatsächlich jemand auf die selten dämliche Idee kommen, absichtlich Falschmeldungen in Umlauf zu bringen, dann wünsche ich ihm einen gut angesparten Bausparvertrag.“ Für die Kosten der Folgeeinsätze werden Panikmacher nämlich grundsätzlich haftbar gemacht. Phase II umfasst die Lenkung der Besucherströme – unter Umständen auch mit Lautsprecherdurchsagen. Phase III würde die Schließung des Haupteingangs bedeuten. Im Falle einer totalen Überfüllung würden in Phase IV notfalls auch alle 13 Zugänge von außen geschlossen.

Wichtige Antworten auf drängende Fragen.

Die Eingänge

Der gewohnte U-Bahn-Ausgang vom Bahnhof Theresienwiese direkt auf das Festgelände bleibt in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Wiesngäste müssen heuer einen kleinen Umweg über den Bavariaring in Kauf nehmen und werden von dort von Ordnern zu den Eingängen geleitet. Beim Abmarsch vom Festgelände in die U-Bahn jedoch ist der direkte Zugang zum U-Bahnhof Theresienwiese wie gewohnt möglich. Rings um das Festgelände gibt es 13 Zugänge, die von Ordnern überwacht werden. Alle Ordner wurden übrigens polizeilich überprüft und haben nach einer Zuverlässigkeitsprüfung einen offiziellen Ordnerausweis des KVR bekommen, den sie deutlich sichtbar an der Brust tragen müssen.

Die Kontrollen

Kleine Taschen (nicht größer als ein Din-A4-Blatt) sind erlaubt. Ausnahmen gibt es nur für medizinisches Gerät und journalistische Kamerateams. Rucksäcke sind verboten. Die Ordner dürfen Wiesngäste im Zweifelsfall mit mobilen Detektoren abtasten. Zudem ist immer die Polizei in der Nähe. Das gilt auch an den Zugängen zum Zentralen Landwirtschaftsfest. „Übergepäck“ kann an neun Sammelstellen abgegeben werden. Achtung: Das kostet Zeit, Nerven und ganz schön viel Geld – bis zu sieben Euro! Kinderwagen sind täglich bis 18 Uhr erlaubt – außer samstags und am 3. Oktober.

Der Zaun

Vom Haupteingang an der Hangkante der Theresienhöhe entlang verschließt ein 350 Meter langer Zaun der Firma Secufence die letzte Lücke, zu der Besucher früher ungehindert Zugang zum Festgelände hatten. Der Zaun könnte im Notfall in 52 Sekunden geöffnet werden.

Die Videoüberwachung

Im letzten Jahr genügten noch 19 Videokameras. In diesem Jahr empfängt die Polizei in der Wiesnwache die Bilder von 29 Profi-Kameras, die auf dem Oktoberfestgelände das Treiben fest im Auge haben. In der Wiesnwache sitzen Beamte, die auf mehreren Bildschirmen die Besucherströme im Auge behalten und im Bedarfsfall auch dicht an den Ort des Geschehens zoomen und sofort eingreifen können. Das hat sich speziell an dem gefürchteten Hügel zwischen Marstall-Zelt und Behördenhof ausgezahlt, auf dem schlafende Betrunkene regelmäßig beklaut wurden.

Rund 800 Polizisten

Die Zahl der Wiesn-Polizisten wurde in diesem Jahr von 500 auf 600 aufgestockt. Sie arbeiten auf und um das Festgelände herum – freiwillig und gern: „Wir freuen uns auf den Dienst auf der Wiesn und lassen uns das auch nicht von Schwarzsehern mies reden,“ sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Die Bundespolizei bringt in den Spitzenzeiten bis zu 175 Beamte im Hauptbahnhof und an der Hackerbrücke auf die Straße, um den An- und Abmarsch der Massen zu lenken und Unfälle an den Gleisen zu verhüten. An den Zugängen zur Wiesn kontrollieren übrigens im Bedarfsfall auch Beamte in Zivil. Die uniformierten Polizisten tragen bereits seit einiger Zeit blaue Schutzwesten. Sie sind lediglich die Vorboten der neuen, blauen Uniform, mit der bald alle Münchner Polizisten ausgestattet sein sollen.

Die Sperr-Ringe

Anwohner und Berufspendler kennen das schon. Alle anderen sollten diesen Bereich am besten weiträumig umfahren: Der Äußere und Mittlere Sperr-Ring (siehe Karte) hat bereits seit dem 9. September eine Reihe von Sperrungen und Einbahnstraßen zur Folge. In den Äußeren Sperr-Ring (orangefarbene Fläche) sollten nur noch Anlieger, Besucher, der Lieferverkehr und die Kunden der ansässigen Geschäfte einfahren. Eine Zufahrtserlaubnis ist nicht notwendig. Der Mittlere Sperr-Ring (rot) ist für den Verkehr gesperrt. Durchfahrt wird nur Fahrzeugen mit spezieller Zufahrtserlaubnis gewährt.

Trachtler: Nur eine Kontrolle

Beim Trachten- und Schützenumzug am Sonntag ziehen ca. 9000 Trachtler aus aller Welt vom Maximilianeum durch die Innenstadt zur Theresienwiese. Die Trachtler sind von einigen Verboten ausgenommen, die für sonstige Wiesnbesucher gelten. So dürfen sie historische Hieb- und Stichwaffen mitführen, auch ihre – natürlich ungeladenen – Schusswaffen. Auch große Rucksäcke und Taschen sind für die Umzügler erlaubt, wenn sie zur Tracht gehören.

Die Sicherheitskontrolle für die Festzugteilnehmer übernehmen der Veranstalter des Umzuges, der Festring e.V. Ein eigener Ordnungsdienst soll in der Früh im Aufstellungsbereich die Mitwirkenden „in aller Ruhe“ kontrollieren, teilte der Fest­ring gestern mit.

… und die City ist auch dicht!

TTIP-Demo im Vorjahr: Im Mai kamen zehntausende Protestler nach München.

Samstag droht der ÖPNV-Kollaps! Zum Wiesn-Anstich und dem Einzug der Wirte werden Trambahnen und Busse umgeleitet (siehe www.mvg.de). Außerdem kickt der FC Bayern ab 15.30 Uhr in der Arena, zehntausende Besucher strömen zum Spiel gegen den FC Ingolstadt nach Freimann. Und dann das noch: Die Stadt hat eine Demo zum Freihandelsabkommen TTIP auf dem Odeonsplatz genehmigt. Ab 11 Uhr werden hier am Samstag rund 20 000 Menschen erwartet! „Das ist eine Herausforderung“, sagt der Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Matthias Korte.

Die MVG muss den Odeonsplatz sperren! Fünfeinhalb Stunden, bis 16.30 Uhr, fahren U4, U5, U3 und U6 durch. Anders sei die Demo nicht möglich gewesen, weil sich die U-Bahn-Ausgänge im Bereich des Veranstaltungsareals befinden. Und durch das Fußballspiel sei eh mit Überlastungen zu rechnen gewesen.

War dieser Kollaps nicht zu vermeiden? Nein, sagt Stadtrat Michael Kuffer (CSU). „Wir können die Veranstaltung nicht verbieten. Das Versammlungsrecht steht über dem Verkehrschaos.“ Zwar habe man mit dem Veranstalter gesprochen, doch dieser sei nicht bereit gewesen, die Demo zu verschieben. Vermutlich, weil es eine bundesweite Aktion ist. „Ich kann daher nur appellieren, am Samstag nicht mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren“, sagt Kuffer. Ansonsten droht der nächste Kollaps.

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