Reservierungs-Obergrenze soll sinken

So viel kostet ein Wiesn-Tisch

München - Bis zu 85 Euro pro Person kostet eine Reservierung heuer auf der Wiesn. Das soll sich ändern. Schon nächstes Jahr will der neue Wiesn-Chef Josef Schmid eine Obergrenze von 35 Euro einführen.

Für viele Münchner gleicht sie einem Jackpot: eine Reservierung auf der Wiesn. Doch in manchen Zelten braucht man fast noch einen weiteren Lottogewinn, um den Mindestverzehr bezahlen zu können. Bis zu 85 Euro kostet jeder Platz im Weinzelt – macht bei einem Zehnertisch 850 Euro. Auch andere Zelte langen ordentlich hin: im Käferzelt kostet die Abendreservierung 80 Euro, im neuen Marstall 60 Euro und sogar die Fischer-Vroni verlangt 50 Euro. Auch in vielen kleinen Zelten kostet ein Platz abends mehr als 50 Euro (siehe Tabelle). Damit soll ab nächstem Jahr Schluss sein.

Früher galt auf der Wiesn eine einfache Regel für den Mindestverzehr: Zwei Mass Bier und ein Hendl musste jeder Gast abnehmen. Auch heute halten sich viele Wirte noch daran, doch es gibt eben auch immer mehr Ausreißer nach oben. Das will der neue Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) jetzt ändern und einen Höchstwert festlegen: „Wir wollen die Obergrenze von 35 Euro Mindestumsatz für Reservierungen schon für die Wiesn 2015 einführen“, sagt Schmid unserer Zeitung. „Der Mindestumsatz für eine Reservierung auf der Wiesn sollte grundsätzlich pro Person nicht mehr als der Gegenwert von zwei Mass Bier und einem Hendl sein.“ Das sei in etwa die Menge, die ein durchschnittlicher Wiesn-Besucher verzehre. „Das entspricht etwa 35 Euro und auch das ist schon für eine ganz normale Familie viel Geld“, sagt der Wiesn-Chef.

Schmid geht damit auf Konfrontationskurs mit vielen Wirten. Denn für die ist der Mindestumsatz äußerst praktisch: Schon im Frühjahr und Sommer, wenn die Reservierungen bestätigt werden, müssen in vielen Zelten die Mindestumsätze bezahlt werden – Monate vor der Wiesn. Für die Wirte im Grunde ein zinsloses Darlehen, das künftig deutlich kleiner ausfallen dürfte. „Ich habe Verständnis dafür, dass die Wirte einen Mindestumsatz für Reservierungen brauchen, weil die Leute sonst bei schlechtem Wetter daheim bleiben könnten und die Wirte leer ausgehen“, sagt Wiesn-Chef Schmid, „aber es muss Grenzen geben.“

Noch ist die neue Obergrenze nicht beschlossen. Derzeit haben die Wirte noch die Gelegenheit, zu Schmids Vorstoß Stellung zu nehmen. Doch die sind sich offenbar nicht wirklich einig. Diejenigen, die sich bislang schon an die Faustregel von zwei Mass und einem Hendl gehalten haben, ärgern sich, dass nun wegen einiger Kollegen eine womöglich neue, strengere Regelung eingeführt wird.

Toni Roiderer, Wirt des Hackerzeltes, wäre zwar nicht betroffen, bei ihm kosten Reservierungen schon jetzt maximal 35,40 Euro. Doch als Sprecher aller Wiesn-Wirte versucht Roiderer mit der Stadt einen Kompromiss zu finden. „Wir haben volles Verständnis, dass die Stadt im Innenraum der Zelte eine Obergrenze einführen will“, sagt Roiderer unserer Zeitung. Doch in den Boxen und auf den Galerien müsse auch weiterhin ein höherer Mindestverzehr möglich sein. „Das ist wie im Stadion, im Flieger oder in der Oper: Da kosten die besseren Plätze auch mehr“, sagt Roiderer. Außerdem soll die Stadt darauf verzichten, einen konkreten Betrag in Euro und Cent als Höchstwert festzulegen. Vielmehr solle der Mindestverzehr von zwei Mass und einem Hendl festgeschrieben werden.

Der Vorschlag der Wirte ist aus ihrer Sicht klug gewählt. Denn seit vergangenem Jahr gelten auf der Wiesn neue Reservierungsregeln: Früher mussten bestimmte Prozentsätze des Mittelschiffs und der Boxen frei bleiben, inzwischen bezieht sich die Regelung nur noch auf die Gesamtzahl der Plätze eines Zeltes. Die Änderung war nötig geworden, weil immer mehr Wirte die Mittelschiffe verkleinert hatten, um mehr Plätze reservieren zu können. Wenn die Obergrenze beim Mindestverzehr nur für die Mittelschiffe eingeführt würde, wären davon großteils die Plätze betroffen, die ohnehin nicht reserviert werden.

Philipp Vetter und Moritz Homann

So viel kostet ein Wiesn-Tisch

Festhallen
Armbrustschützenzelt 38,10 Euro

2 Mass Bier à 10,05 Euro
1 Essensgutschein à 10 Euro
1 Essensgutschein à 5 Euro
1 Brotzeitbrettl anteilig 3 Euro

Augustiner-Festhalle 29,55 Euro 2 Mass Bier à 9,80 Euro
1 halbes Hendl à 9,95 Euro

Bräu-Rosl

30,50 Euro 2 Mass Bier à 9,95 Euro
1 halbes Hendl à 10,60 Euro
Fischer-Vroni 50 Euro 2 Mass Bier à 10 Euro
3 Wertgutscheine à 10 Euro
Hacker-Festzelt 30,40 Euro 2 Mass Bier à 9,95 Euro
1 halbes Hendl à 10,50 Euro
Hofbräu-Festzelt 30,30 Euro 2 Mass Bier à 9,95 Euro
1 halbes Hendl à 10,40 Euro
Käfer Wies'n Schänke 80 Euro Verzehr- und Getränkegutscheine
Löwenbräu-Festzelt 30,70 Euro 2 Mass Bier à 10,10 Euro
1 halbes Hendl à 10,50 Euro
Marstall 60 Euro Menügutschein
Ochsenbraterei 30,40 Euro 2 Getränkegutscheine à 9,90 Euro
1 Verzehrgutschein à 10,60 Euro
Paulaner-Festzelt 39,90 Euro 2 Mass Bier à 9,95 Euro
2 Verzehrgutschein à 10 Euro
Schottenhamel 30,70 Euro 2 Mass Bier à 10,10 Euro
1 halbes Hendl à 10,50 Euro
Schützen-Festzelt 30,60 Euro 2 Mass Bier à 10,05 Euro
1 halbes Hendl à 10,50 Euro
Weinzelt 85 Euro Verzehrgutschein
Cafézelte
Bodos Cafezelt 40 Euro Verzehr- und Getränkegutschein
Cafe Baldassa keine Reservierungs-
bedingungen
Cafe Kaiserschmarrn 55 Euro Verzehrgutschein
Cafe Mohrenkopf 30 Euro Verzehrgutschein
Cafe Schiebl keine Reservierungs-
bedingungen
Wiesn Guglhupf keine Reservierungs-
bedingungen
Mittelbetriebe
Ammer 58 Euro Verzehrgutschein
Feisinger's
Kas & Weinstub'n
55 Euro Verzehrgutschein
Fisch-Bäda 49,90 Euro Verzehrgutschein
Glöckle Wirt 51 Euro Verzehrgutschein
Haxenbraterei 45 Euro Verzehrgutschein
Enten- u. Hühner-
braterei Heimer
40 Euro 2 Mass Bier,
1 halbe Ente, Beilagen
Wurst- und Hühner-
braterei Heinz
46 Euro Verzehrgutschein
Kalbsbraterei 45 Euro Verzehrgutschein
Münchner Knödelei 50 Euro Verzehrgutschein
Poschner's Hühner-
und Entenbraterei
25 Euro Verzehrgutschein
Vinzenz Murr
Metzgerstubn
54 Euro Verzehrgutschein
Wildmoser's Hühner-
und Entenbraterei
40 Euro 2 Mass Bier à 9,80 Euro,
1 halbe ENte mit Kartoffelknödel à 20,40 Euro
Wildstuben 55 Euro Verzehrgutschein
Wirtshaus im Schichtl 55 Euro Verzehrgutschein
Zum Stiftl 30,85 Euro 2 Mass Bier à 9,95 Euro,
1 halbes Hendl à 10,95 Euro
Zur Bratwurst 49 Euro Menügutschein
Festhallen Oide Wiesn
Festzelt Tradition keine Gutschein-abnahme notendig
Herzkasperl-Festzelt 30,30 Euro 2 Mass Bier à 9,90 Euro,
1 halbes Hendl à 10,50 Euro
Museumzelt/Velodrom keine Reservierungs-
konditionen

Update: Live-Ticker und -Stream zum Auftakt der Wiesn 2014

Am kommenden Samstag werden die Wiesn-Tische voll besetzt sein. Zum Auftakt des diesjährigen Oktoberfests feiert Münchens OB Dieter Reiter seine Anzapf-Premiere. Wer nicht selbst beim Anstich dabei sein kann, hat in unserem Live-Ticker die Möglichkeit, den ersten Tag des Oktoberfests am PC mitzuverfolgen. Ab morgen berichten wir für Sie live jeden Tag von der Wiesn. Auch im BR oder bei münchen.tv werden Sie morgen über das Geschehen auf dem Laufenden gehalten. Wir haben für Sie alle Medienkanäle, die von und über die Wien berichten, in einer Übersicht zusammengestellt.

Rubriklistenbild: © Schlaf Marcus

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