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Sie machen die Wiesn für Frauen sicherer

Wiesn Aktion Frauen sicher
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Die Organisatorinnen der „Sicheren Wiesn“: Kristina Gottlöber (v. li.), Alexandra Stigger und Julia Jäckel.

München - Allzu oft gehen Frauen betrunken und allein von der Wiesn nach Hause - und es nimmt ein unschönes Ende. Eine Aktion soll den Festbesucherinnen nun helfen, dass ihnen nichts passiert.

Oft bekommen die Helferinnen von der „Sicheren Wiesn für Mädchen und Frauen“ wenig aus den Oktoberfest-Besucherinnen heraus, die orientierungslos und betrunken bei ihnen Rat suchen. So manche Touristin wisse nicht mal mehr, wo sie in München wohne. „Da war ein Campingplatz und ein Fluss nebendran – das ist manchmal alles“, sagt Alexandra Stigger, Sozialpädagogin und Pressesprecherin der Aktion. „Unsere Arbeit ist sehr intensiv“, sagt Stigger. Im schlimmsten Fall seien Frauen zum Opfer sexueller Gewalt geworden. „Dann verbringen wir auch mal die Nacht in der Klinik.“

Etwa 160 Betroffene betreuen die Helferinnen im Schnitt in den zwei Wochen, die jüngsten sind etwa 15 Jahre alt. Erst im vergangenen Jahr hatte das Team der „Sicheren Wiesn“ aufgestockt, nachdem 2012 großer Andrang herrschte. „Zur Stoßzeit am Wochenende gibt es jetzt noch eine zweite Fachkraft“, erklärt Stigger. „Außerdem haben wir mehr Ehrenamtliche angestellt.“ Im letzten Jahr gab es zwei Anzeigen wegen Vergewaltigung, 16 wegen anderer Sexualstraftaten. Von dieser Bilanz hält Stigger nichts. „Diese Zahlen spiegeln nicht die Realität wider“, betont sie. „Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Nicht jedes Opfer erstattet Anzeige.“

Damit Mädchen und Frauen auf dem Oktoberfest gar nicht erst in gefährliche Situationen geraten, leisten die Helferinnen auch präventive Arbeit. „Vor der Wiesn sind wir in den Schulen unterwegs“, berichtet Kristina Gottlöber, die das „Pausenhofprojekt“ leitet. Mit einem Infostand auf dem Schulhof beraten Studentinnen die Schüler. „Seit letztem Jahr halten wir auch in den Klassen Vorträge“, sagt Gottlöber. 13 Schulen nehmen heuer das Angebot wahr. Die Helferinnen geben praktische Tipps für den Wiesnausflug, „wie zum Beispiel, sich die Nummer der besten Freundin auf den Arm zu schreiben“, sagt die Leiterin des Schulhofprojekts. „Simpel, aber daran muss man erst mal denken.“

Dass sich die vorbeugenden Maßnahmen lohnen, haben die Ehrenamtlichen schon im vergangenen Jahr festgestellt: „Mittlerweile bringen schon Unbeteiligte, die von uns wissen, Betroffene vorbei“, berichtet Alexandra Stigger. „Das zeigt, dass die Aktion immer bekannter wird.“

Vor Ort hat sich am Infopoint der „Sicheren Wiesn“ in den letzten Jahren viel getan. „Wir haben einen eigenen Raum für die Frauen“, berichtet Stigger. „Es gibt Essen, Trinken, sogar Wechselklamotten.“ Frauen ohne Geld würden kostenlos von Taxis nach Hause gefahren. In einer typischen Situation, so Stigger, verlassen die Betroffenen das Zelt, vergessen Handy und Tasche drin und kommen dann nicht mehr rein. „Gerade Touristen verlieren schnell die Orientierung“, sagt Stigger. „Wir haben schon bis nach Australien telefoniert, um Freunde ausfindig zu machen.“ Im Notfall können die Frauen in der Bahnhofsmission übernachten.

Die Helferinnen wollen die „Sichere Wiesn“ noch bekannter machen. „Bislang sind wir nur in der S-Bahn zu sehen“, sagt Gottlöber. „Für das nächste Jahr möchten wir auch Werbung in der U-Bahn organisieren.“

Laura Worsch

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