Serie: Die Großen Wiesn-Wirte

Kufflers Weinzelt: Schampus-Duschen bis 1 Uhr nachts

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Erklärte Weinliebhaber: Die Gastronomen-Familie Kuffler in ihrem Weinzelt. Von links Stephan Kuffler, die Eltern Doris und Roland Kuffler sowie Sebastian Kuffler.

Diesmal schauen wir uns in der Serie über die großen Wiesn-Wirte Kufflers Weinzelt genauer an. Seit 1984 führt die Familie Kuffler das Weinzelt auf der Wiesn. Hier fühlen sich Münchner und Promis wohl.

Irgendwann bleibt die Stimme weg. Das kennt Stephan Kuffler schon. Doch heuer war das schon vor der Wiesn. „Absolutes Redeverbot“ ordnete die Ärztin wenige Tage vor der Eröffnung an. Seitdem läuft Stephan Kuffler mit Schal um den Hals herum, die Stimme ist bis jetzt geblieben. Das ist auch gut so. Denn der richtig große Augenblick steht ihm noch bevor: Traditionell geht der 48-Jährige am letzten Wiesn-Sonntag auf die Bühne im Weinzelt und singt. Bislang stimmte der Wiesnwirt „I feel good“ und „Jailhouse Rock“ an. Doch mit dieser Tradition will er in diesem Jahr brechen: „Die Zeit ist reif für etwas Neues“, sagt er. Welche Titel er zum Besten geben will, verrät der Mann, der in seiner Freizeit gerne Musik macht, jedoch nicht. „Etwas Spannung muss schließlich sein.“ Zeit zum Üben hat er während der Wiesn nicht, höchstens mal „im Auto auf dem Heimweg“.

Das war nicht immer so. Die ersten Jahre zog es die Münchner nicht ins Weinzelt. 1984 hatte Vater Roland Kuffler zusammen mit seiner Frau Doris das Zelt übernommen, das seit 2005, nach dem Rückzug von Nymphenburger Sekt, eigentümergeführt ist. „Die ersten Jahre waren hart“, sagt der Junior-Chef. „Es hat zehn Jahre gedauert, bis wir schwarze Zahlen geschrieben haben.“ Die Münchner wollten auf der Wiesn lieber Bier. Dabei gibt es Wein eigentlich schon immer auf dem größten Volksfest der Welt. Im 19. Jahrhundert stand sogar schon mal ein Weinzelt auf der Theresienwiese, die „Pfälzer Weinbude“. Es brannte allerdings 1887 völlig nieder.

Aus der Not heraus habe es Mutter Doris verstanden, in den Anfangsjahren Stammgäste aus dem Spatenhaus – darunter zahlreiche Prominente – ins Weinzelt zu holen. „Über sie wurde das Weinzelt langsam salonfähig“, erinnert sich Kuffler an die Anfänge. Die Zeiten haben sich längst geändert: Heute herrscht nach Bierzeltschluss um 22.30 Uhr am Hintereingang großes Gedränge. Glücklich, wer dann noch ins Zelt kommt.

Das Weinzelt ist neben der „Käfer Wiesn-Schänke“ das einzige Zelt, das bis 1 Uhr nachts geöffnet hat. Weißbier gibt es bei den Kufflers nur bis 21 Uhr, danach fließen Wein und Schampus in Strömen. Sprichwörtlich. Wer spätabends nahe der Musik sitzt, weiß das und hat sicherheitshalber einen Regenschirm griffbereit.

Stephan Kuffler beobachtet das Treiben nüchtern. Lediglich einen „Fingerhut Fernet“ trinkt er jeden Nachmittag. Der „Vier-Uhr-Tee im Ofenkartoffelstand“, wie der Wirt es nennt, hat bei ihm seit Jahren Tradition. Die einzige Zeit am Tag, bei der er sich ein paar Minuten Auszeit nimmt. Nur ein einziges Mal sah man den Wirt in seinem Zelt betrunken: Das war vor genau zehn Jahren, als jeder mit ihm auf die Geburt seiner Tochter anstoßen wollte.

Familie wird bei den Kufflers groß geschrieben. Seit 2000 ist Kuffler Wiesnwirt, eine Bezeichnung, die ihn mit Stolz erfüllt. Er führt das Zelt zusammen mit seinem Bruder Sebastian und den Eltern. Die Aufgaben sind klar verteilt, Mutter Doris beispielsweise ist für die Dekoration des Zeltes zuständig. Diese ist heuer völlig neu: Statt der breiten Stoffbahnen hängen erstmals Kränze von der Zeltdecke. Das macht das Zelt luftiger. Bei der Farbwahl ist man sich treu geblieben. Es dominieren rot und grün.

Die Wiesn als „das zentrale Ereignis der Stadt“, das genießt Stephan Kuffler und hofft, dass es auch in Zukunft so bleibt. Dafür muss man auch einiges tun. „Bei aller Traditionsverbundenheit muss man auch stets in die Zukunft blicken und immer mal wieder neue Ideen zulassen.“ Als Beispiel führt Kuffler die Fischer-Vroni an: Steckerlfisch – auch wenn man es nicht recht glauben mag – ist mitnichten urbayerisch. Die Indianer grillten ihren Fisch schon auf diese Art und Weise, ein Holländer entdeckte diese Methode und brachte die Idee vom Steckerlfisch schließlich bis nach Bayern. Heute eine typisch bayerische Speise. Kufflers Credo lautet daher: Man muss bedacht mit der Zeit gehen.

Quelle: Oktoberfest live

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