Serie: Die großen Wiesn-Wirte

Peter Pongratz vom Winzerer Fähndl: 16 Tage lang Bier-König

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Mitten im Getümmel fühlt sich der 68-Jährige am wohlsten: Wiesnwirt Peter Pongratz auf der Empore seines Festzelts Winzerer Fähndl.

München - Peter Pongratz ist Chef vom Winzerer Fähndl – und der einzige Wiesnwirt mit Gesellenbrief.

Die Kutsche hält, die Musik spielt einen zünftigen Marsch, und Peter Pongratz betritt unter Jubel sein Zelt. Je nachdem wie früh die Wirtefamilie dran ist, drehen er und seine Frau Arabella eine oder sogar zwei Runden durchs Winzerer Fähndl. „Heuer waren’s zwei, und wir hatten sogar noch Zeit zum Händeschütteln“, erzählt der Wirt.

„Das ist der schönste Moment im Jahr“, gibt Pongratz unumwunden zu. „Es gibt kein schöneres Ereignis.“ Und er strahlt, denn auch nach 13 Jahren ist er alles andere als abgebrüht, was dieses Ereignis betrifft.

Ansonsten läuft im Winzerer Fähndl alles routiniert. Die Mannschaft – rund 500 Mitarbeiter – sind bestens eingespielt. „Jeder weiß, was er zu tun hat.“ Pongratz sieht sich als „Organisator, der die Übersicht behält“, und als der, der für die Gäste da ist. Für diese nimmt er sich viel Zeit, plaudert bei einem Bier mit Stammgästen und Prominenten.

2004 übernahm der Wirt vom Nockherberg das Paulanerzelt, wie es auch heißt. Mehrere Jahre hatte sich der heute 68-Jährige für die Wiesn beworben – immer wieder vergeblich. Er bekam seine Chance, als sich Helga und Willi Kreitmair von der Wiesn zurückzogen. „2004 bin ich bei meinen Vorgängern in die Lehre gegangen, die mir am letzten Wiesntag sogar feierlich einen Gesellenbrief überreichten“, berichtet Pongratz von seinen Anfängen. „Ich bin der einzige Wiesnwirt mit einem Gesellenbrief.“

Pongratz war zu diesem Zeitpunkt jedoch alles andere als unerfahren in der Branche: 1963 begann er seine Ausbildung im Feinschmeckerlokal „Humplmayr“. Er arbeitete in der „Tenne“ in Kitzbühel sowie in mehreren namhaften Hotels und pachtete zwischendurch den „Spöckmeier“ im Tal. Seit 1990 führt der Wirt das Paulaner am Nockherberg.

Weithin ist das Winzerer Fähndl heute am großen Turm mit einem sich drehenden, sechs Meter hohen Paulaner-Maßkrug an der Spitze erkennbar. Der Name „Winzerer Fähndl“ für die Paulaner-Festhalle stammt aus der Zeit, als die gleichnamige Armbrustschützengilde hier ihr Hauptquartier hatte und im Zelt noch mit der Armbrust scharf geschossen wurde. Vor vielen Jahren zog es die Armbrustschützen in ein seinerzeit neues Zelt, das Armbrustschützenzelt. Der Name der Gilde Winzerer Fähndl blieb der Paulaner-Festhalle mit ihren 8450 Sitzplätzen drinnen und 2450 im Garten erhalten.

Auch wenn er erst seit 2004 zu den großen Wiesnwirten gehört – das größte Volksfest der Welt kennt Pongratz schon von kleinauf: Schließlich ist er am Goetheplatz, in unmittelbarer Nähe zur Theresienwiese, aufgewachsen. Als Neunjähriger lief er jeden Tag nach dem Unterricht in der Grundschule an der Tumblingerstraße mit Freunden rüber aufs Festgelände: „Wir sammelten um die Schießbuden herum Bleikugeln, die wir dann zum Schrotthändler brachten.“ So besserten die Burschen ihr Taschengeld auf. „Das waren noch Zeiten damals“, sagt Pongratz.

Vom Besucher zum Bier-König: 2015 kam sein Zelt zu besonderen Ehren. Der Münchner „Tatort“-Krimi, der am ersten Wiesn-Wochenende lief, wurde hier letztes Jahr gedreht. Freilich erkennt das nur jemand, der weiß, wie das Winzerer Fähndl aussieht. Zu den Bedingungen gehörte nämlich, dass das Festzelt nicht leicht zu erkennen ist. Gedreht wurde nachts, in den letzten Aufbauwochen vor der Wiesn – 2014 versteht sich. „Das war ziemlich spannend“, sagt der Wirt.

 Die letzten Stunden im Zelt gehören wie der Anstich zu den schönsten Wiesn-Momenten für Peter Pongratz: „Da singen wir zusammen – obwohl ich eigentlich nicht singen kann, aber das hört ja keiner. Sternwerfer werden gezündet, Halligalli, halt.“ Alles Dinge, die der Bier-König für 16 Tage so sehr liebt. Am 17. September 2016 ist es dann wieder soweit!

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Quelle: Oktoberfest live

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