Drei Brüder, drei Zelte

Das Wiesn-Imperium der Hochreiters

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Dieter Hochreiter ist Chef der Haxnbraterei.

München - Die Stammgäste der Gastrofamilie Hochreiter haben heuer ein Problem – sie haben die Qual der Wahl. Denn alle drei Brüder führen jetzt ein eigenes kleines Zelt auf der Wiesn.

Werner (46) bewirtet das Zelt "Zur Bratwurst", sein Zwillingsbruder Dieter (46) die "Haxnbraterei", und jetzt hat auch noch Erich (52) den Zuschlag für die "Kalbsbraterei" (ehemals Kalbs-Kuchl) bekommen. Drei Brüder, drei Zelte: Das gab’s noch nie!

Erich Hochreiter hat den Zuschlag für die Kalbsbraterei bekommen.

Dass der sechs Jahre ältere Bruder als letzter ein eigenes Zelt erhält, hat seine Gründe: „Meine jüngeren Brüder sind damals daheim geblieben. Ich aber wollte selbstständig werden und bin erst mal mit meinem Reiseszelt durch Bayern gezogen. Außerdem muss ich betonen, dass ich eigentlich als Erster von uns dreien auf der Wiesn war.“ Und zwar 1980: Da war Erich 17, und die Eltern starteten mit ihrem ersten Zelt, der Haxnbraterei. „Da hab ich schon mitgeholfen.“

Erich Hochreiter erinnert sich gut, als die Mutter Christl (87) wieder schwanger war – und erfuhr, dass es Zwillinge werden. „Anfangs hatte sie Angst, das alles nicht zu schaffen. Sie war ja gerade dabei, den Betrieb aufzubauen. Da habe ich zu ihr gesagt: ‚Ist doch super. Dann werden wir eine Fußballmannschaft.‘“ Der Mutter aber reichten die drei Buben. Und die blieben immer eine eingeschworene Gemeinschaft. Erich erinnert sich: „Wir waren alle auf der Hotelfachschule am Tegernsee. Als ich nach meinen Brüdern dorthin kam, haben alle die Hände übern Kopf zamgeschlagen: ‚Scho wieder a Hochreiter!‘“

Alle Söhne verschlug es in die Gastronomie. Unterm Jahr betreiben die Zwillingsbrüder den Biergarten am Viktualienmarkt und den Steirer am Markt, Erich betreibt einen Kiosk am Riemer See, bis zum vergangenen Jahr war er mit einem Weißbierkarussell auf der Wiesn vertreten.

Stolze Mutter: Christl Hochreiter (75).

Nach dem Vorbild der Mutter Christl haben sie es geschafft. Christl arbeitet auch nach dem Tod ihres Mannes Erich senior 2008 noch an der Spitze der Haxnbraterei mit und sagt: „Man darf sich als Wirt für nichts zu schade sein. Wenn’s brennt, muss man auch Besteck polieren.“

Beinahe hätte die Mutter ihre drei Söhne in einem Zelt antreffen können. Denn sie hatten sich schon mal für die Nachfolge vom Hippodrom beworben. Im vergangenem Jahr reichten sie aber keine Bewerbung mehr ein. Erich Hochreiter: „Wir haben solch ein gutes Verhältnis untereinander. Wer weiß, ob das so geblieben wäre, wenn wir alle in einem Betrieb gearbeitet hätten.“ Und so kam es, dass Sigi Able die Hippodrom-Nachfolge antrat und Erich Hochreiter ihm seine Kalbs-Kuchl abkaufte.

Werner Hochreiter bewirtet die "Bratwurst".

Die räumliche Nähe zueinander bringt Vorteile. „Gleich am ersten Wochenende hat mich der Werner angerufen, dass ihm in der Bratwurst das Kalbs-Carpaccio ausgegangen ist, da hab ich ausgeholfen“, erzählt Erich Hochreiter. Werner ergänzt: „Wir können uns gut helfen, denn wir sind sehr unterschiedlich: Ich hasse Büroarbeit, das ist aber die Stärke von Dieter. Der wiederum steht nicht gerne in der Öffentlichkeit. Und der Erich, der ist der entspannteste von uns dreien.“

Trotz des großen Erfolges sind alle Hochreiters auf dem Boden geblieben. Erich Hochreiter sagt: „Wir wissen, dass wir alles unserer Mutter zu verdanken haben.“

Nina Bautz

Quelle: Oktoberfest live

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