Was sie dafür ausgeben, wie sie es nutzen

Wie das Handy den Alltag unserer Kinder beherrscht

Handy Kinder
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Das Handy hat den Alltag unserer Kinder längst im Griff.

München - Wer hat heute ein Handy? Wer zahlt es? Und wofür nutzen es die Kinder und Jugendlichen? Die tz erklärt die wichtigsten Bereiche der mobilen Kommunikation und nennt spannende aktuelle Forschungsergebnisse:

Sie bimmeln, sie klingeln, sie surfen und simsen. Das Handy hat den Alltag unserer Kinder längst im Griff. Sie lieben ihre Smartphones. Und mehr noch: Ohne ihre digitalen Begleiter können sie sich ihr eigenes Leben überhaupt nicht mehr vorstellen! Zu dem Ergebnis kam die Fachtagung des Forums Medienpädagogik der Bayerischen Landesanstalt für Neue Medien in München. Führende Wissenschaftler haben das Verhältnis von Kindern und Handys beleuchtet. Die tz erklärt die wichtigsten Ergebnisse, hat einen Bildungsexperten dazu befragt – und natürlich auch viele Münchner. Die waren so nett und haben für eine Sekunde aufgelegt – um danach ihren Freunde zu simsen, dass sie am Dienstag in der Zeitung sind.

90 Prozent der 12- bis 13-Jährigen haben ein Handy

Besitz: 96 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen haben heute ein Handy (Mädels etwas öfter als Buben) – allein 2,9 Millionen sind es im Alter zwischen sechs und 13 Jahren. Los geht’s schon in der Grundschule: Jeder Dritte 8- oder 9-Jährige hat heute ein Handy, zwei Drittel sind es bei den 10- bis 11-Jährigen, 90 Prozent bei 12- bis 13-Jährigen. Oft wünschen sie es sich selbst – gerade bei Erstklässern wollen aber 40 Prozent aller Eltern ein Gerät für ihre Kinder.

  • Verträge: Die Mehrheit der Jugendlichen nutzt Prepaid-Karten (87 Prozent), nur jeder Achte hat einen Festvertrag. Und: Jeder zweite besitzt bereits ein Smartphone (2010 war es nur jeder siebte). Diese Zahl hat sich allein im vergangenen Jahr verdoppelt! Auffällig: Hauptschüler besitzen oft neuere und bessere Geräte als Gymnasiasten.

Zwei Drittel bleiben mit der Handyrechnung unter 20 Euro pro Monat

  • Kosten: Die monatliche Handyrechnung von Jugendlichen liegt durchschnittlich bei 17,10 Euro. Zwei Drittel bleiben mit ihrer Handyrechnung unter 20 Euro pro Monat, jeder Vierte hat aber Ausgaben zwischen 20 und 50 Euro pro Monat. Mit zunehmendem Alter steigen die Ausgaben deutlich an: Bei den volljährigen Jugendlichen bleibt nur jeder Zweite unter 20 Euro, jeder Vierte bezahlt 30 bis 50 Euro.
  • Wer bezahlt: Die Kosten tragen häufig die Eltern, besonders bei den Jüngeren. Die 12- bis 13-Jährigen zahlen knapp ein Viertel der Kosten (12,12 Euro) selbst, die 14- bis 15-Jährigen im Schnitt rund ein Drittel (13,88 Euro) und die 16- bis 17-Jährigen müssen schon für knapp die Hälfte ihrer Rechnung selbst aufkommen (durchschnittlich 18,55 Euro). Nur in zwei Dritteln aller Fälle bezahlen die Eltern die ganze Rechnung, wenn ihre Kinder zwischen sechs und 13 Jahren alt sind. Nur elf Prozent des Nachwuchses zahlen ihr Handy aus eigener Tasche. Im Schnitt steuern die Eltern einen Anteil von 12,70 Euro pro Monat bei, die Kinder 11,45 Euro.

Die häufigsten Tätigkeiten: SMS schicken und anrufen

  • Nutzung: In 98 Prozent aller Haushalte ist ein Handy vorhanden – nur Computer gibt’s öfter. Täglich nutzen 95 Prozent der Mädchen ihr Handy täglich oder mehrmals pro Woche, bei den Buben sind es 87 Prozent – kein anderes Gerät wird häufiger verwendet!
  • Funktionen: SMS schicken und anrufen (je 82 Prozent) sind die häufigsten Tätigkeiten mit dem Handy. Musik hören (66 Prozent) und im Internet surfen (40 Prozent) liegen noch deutlich zurück. Das liegt an der Technik, die holt aber mächtig auf: Neun von zehn Geräten verfügen heute über eine integrierte Kamera, MP3-Player und Internet. Jeder Dritte hat bereits mitbekommen, dass jemand eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt hat.
  • Internet: Vier von fünf Jugendlichen haben via Handy Zugang zum Internet, jeder Dritte eine Flatrate. Aber: Nur zwei von fünf Jugendlichen surfen regelmäßig mit dem Smartphone (2010 war es jeder zwölfte). Buben laden deutlich mehr Applikationen auf ihr Gerät als Mädchen (29 vs. 16). Jeder zwölfte Hauptschüler schaut Pornos am Handy.

Andreas Thieme, Nina Bautz

"Handys sind Statussymbole"

Warum nutzen Jugendliche Handys so stark?

Niels Brüggen: Sie bringen Eigenständigkeit, vor allem gegenüber den Eltern – man kann sich abstimmen, wo man ist und wann man nach Hause kommt. Mit Freunden ist ein unabhängiger und flexibler Kontakt möglich. Und: Handys sind immer Statussymbole.

Was sind die Hauptaspekte bei der Nutzung?

Brüggen: Zuerst für die Kommunikation: Telefonieren und Textnachrichten. Dann für die Unterhaltung: Sie nutzen ihr Handy für digitale Spiele oder schauen Musikvideos im Netz – etwa zum Zeitvertreib im Schulbus. Als Drittes die Information: Via Handy lässt sich der Bahnfahrplan checken. Wichtig ist auch die Dokumentation: Handy-Fotos halten wichtige Momente im Leben fest, Jugendliche können sie heute problemlos speichern, teilen und verbreiten. Viele Handys sind heute kleine Computer.

Hat das Telefonieren im Stellenwert verloren?

Brüggen: Nach aktuellen Erkenntnissen ist es nach wie vor sehr wichtig. Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich aber deutlich erweitert. Bei älteren Jugendlichen spielen Soziale Netzwerk-Dienste wie Facebook bei der Handynutzung auch eine große Rolle.

Wann beginnt die Nutzung? Und wie viel Zeit frisst sie im Alltag?

Brüggen: Schon Kleinkindern mit zwei bis drei Jahren werden die Smartphones der Eltern zum Spielen gegeben. Für Jugendliche ist das Handy heute ein alltäglicher Begleiter. Sie nutzen es nicht permanent, aber immer wieder. Es gibt etliche digitale Rituale: Um vor dem Einschlafen zu zeigen, dass man aneinander denkt, kann man sich etwa kurz anklingeln. Hier ist die Bedeutung oft wichtiger als die Zeit.

Interview: A. Thieme

 

Handynutzung: Die große Umfrage

Handynutzung: Die große Umfrage

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

Nina Bautz

E-Mail:nina.bautz@tz.de

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