Wie gut ist die dreiste Fälschung?

iPhone 6: Kopie für 100 Euro im Test

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Das Original rechts, links die Fälschung.

München - Ein tz-Leser hat eine iPhone-6-Fälschung für 100 Euro im Internet aus Fernost bestellt. Die Redaktion hat das Gerät einem Test unterzogen.

Update vom 06.Februar 2015: Jetzt trifft es die iOS-Nutzer. Mit der Sicherheit bei Nutzern des iPads oder dem iPhone kann es ganz schnell vorbei sein. Vor kurzem wurde eine Spionage-App entdeckt, die es hauptsächlich nur auf iOS-Geräte abgesehen hat. Zwar wird angenommen, dass eine Nutzer-Aktion erforderlich ist, doch sollte man dennoch gut darauf achten, ob sich Apps auf dem Gerät befinden, die man selbst nicht installiert hat. Alle Infos zu der neuen Spionage-App gibt es bei uns.

Ein nagelneues iPhone 6 für 100 Euro? Dieses Angebot kann auf keinen Fall seriös sein! Das dachte sich auch ein tz-Leser, hat aber trotzdem zugeschlagen. Zwei Wochen später bekam er das Smartphone per Post aus China geliefert - mehrere Wochen vor dem Verkaufsstart des iPhone 6 von Apple. Bei dem Gerät handelt es sich um ein Fake-iPhone-6 - eine Fälschung. Die Redaktion durfte den iPhone-6-Klon testen und hat es mit dem Original von Apple verglichen. Das Fazit: Ganz schön dreist, diese Fälscher.

Fake-iPhone-6 wirkt zunächst wie das Original

Kaum zu unterscheiden: die iPhone-6-Fälschung (links).

Es sieht aus wie das Original und wirkt auf den ersten Blick auch so. Jeder Knopf ist an der richtigen Stelle und das Design wurde komplett kopiert. Der Klon ist kaum vom richtigen iPhone 6 zu unterscheiden und hat sogar einen Lightning-Anschluss. Das China-Handy ist lediglich ein paar Gramm leichter und auch etwas dicker als das Original. Statt Aluminium ist das Gehäuse aus Plastik gefertigt. Auf der Rückseite ist das Apple-Logo zu sehen und auch beim Start des Betriebssystems des Fake-iPhone-6 wird der angebissene Apfel angezeigt. Die Oberfläche sieht iOS 8 zum Verwechseln ähnlich. Die Pin-Eingabe, die Einstellungen, die Menüs, die App-Icons: Alles wirkt wie beim original iPhone 6. Doch auf diesem Gerät läuft Android. Beim Starten der Apps fällt der Unterschied sofort auf. Sie unterscheiden sich zum Teil deutlich von iOS. Wer auf dem Fake-iPhone-6 den App Store öffnen will, landet im Google Play Store, der Taschenrechner sieht komplett anders aus und der Kalender wurde vom Standard-Android übernommen. Lediglich die Einstellungen, die Telefon-App und die SMS/MMS-App sehen annähernd wie beim echten iPhone 6 von Apple aus.

Fake-iPhone-6: Bedienung mangelhaft

Am Apfel und am Aufdruck sieht man den Unterschied: links die Fälschung.

Die Bedienung des China-Handys kommt nicht mal ansatzweise an das richtige iPhone 6 heran. Das Gerät wirkt billig, ist komplett aus Plastik. Die Apps und das Betriebssystem sind bei weitem nicht so schnell wie beim richtigen iPhone 6 von Apple und auch der Akku geht sehr schnell in die Knie. Die Bildschirmauflösung und die Helligkeit sind merklich schlechter, der Homebutton blieb beim Test mehrfach im Gehäuse hängen und die eingebauten Kameras sind unterirdisch schlecht. Dem Nutzer stehen lediglich 4 GB interner Speicher zur Verfügung und der neue Mobilfunk-Standard LTE ist gar nicht erst verbaut worden.

Fake-iPhone-6 nicht empfehlenswert

Nutzen lässt sich das Gerät zwar. Auch telefonieren, mobiles Internet, GPS, Bluetooth und W-Lan funktionieren beim Fake-iPhone-6 einwandfrei. Aber wer ein halbwegs gut funktionierendes Smartphone erwartet, wird mit dem Gerät nicht glücklich. Da sollten die 100 Euro lieber für ein günstiges Marken-Gerät ausgegeben werden oder in die Spardose, um sich ein richtiges iPhone zu kaufen.

Hauptzollamt warnt vor iPhone-Kopien

Beim Hauptzollamt München warnt man davor, Plagiate aus dem Ausland zu bestellen. „Wer eine Fälschung per Post aus dem Ausland bestellt, muss damit rechnen, dass diese von uns beschlagnahmt und vernichtet wird“, sagt Martin Brandlhuber, Pressesprecher des Zollamts. Das Geld und die Ware sind dann futsch. Sind mehrere Plagiate in einem Paket oder ist geplant, die Produkte anschließend weiterzuverkaufen, muss der Käufer mit einer Anzeige wegen Handel mit Plagiaten rechnen. Im Jahr 2013 verzeichnete der Zoll in München 430 Aufgriffe. „In diesem Jahr sind es schon vier Mal so viele“, erklärt Brandlhuber. Den Grund dafür sieht er in einer Gesetzesänderung: „Seit 2014 werden Plagiate für den Eigengebrauch bei der Einreise aus dem Urlaub nach Deutschland nicht mehr von uns abgenommen“, sagt er. Was viele jedoch nicht wissen: Per Post gilt diese Richtlinie nicht.

Brandlhuber warnt vor gefälschten Produkten: Diese seien von minderer Qualität und könnten auch Gefahren bergen. Im Falle des gefälschten iPhone 6 wäre es zum Beispiel möglich, dass der verbaute Akku von minderer Qualität ist und im Laufe der Zeit explodiert.

Um nicht aus Versehen eine Fälschung im Internet zu bestellen, sollten Käufer die Internet-Seite ganz genau untersuchen. Ist der Preis deutlich günstiger als auf dem freien Markt, sollte man sofort misstrauisch werden. Auch wenn das Paket aus China versendet wird, deutet dies auf ein gefälschtes Produkt hin.

Internet-Speed-Test am Hauptbahnhof

Upload: 6,5 Mbps

Download: 3,2 Mbps

Ping: 66 ms

Angebliche technische Daten des Fake-iPhone-6

Prozessor: Quad-Core

Arbeitsspeicher: 1 GB

Kamera: 8 Megapixel

Sim-Card: Nano-Sim

Bildschirm: 4,7 Zoll

Auflösung: 960x540 Pixel

Jonas Regauer

 

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Kommentare

GuestAntwort
(3)(0)

Ich lebe sehr gesund und auch zufrieden mit dem angebissenen Apfel-;) iPhone 6. Habe jetzt Health die App mit einem roten Herz. Da kann ich meine Gesundheit überwachen. Wenn ich das wollte, habe bisher nur den Notfallpass ausgefüllt.

clina
(4)(0)

@crsskynet, Sie sind ein Laberer vor dem Herrn

peterAntwort
(0)(1)

Mal wieder ein Beispiel dafür, dass Andoid nicht funktioniert