Konkurrenz zu Facebook und Twitter

Snapchat macht ernst: Das müssen Sie wissen

Bei Snapchat dreht sich alles um Selfies, Spaß und Selbstdarstellung.
+
Bei Snapchat dreht sich alles um Selfies, Spaß und Selbstdarstellung.

Facebook hat ein Problem – und das heißt Snapchat. Denn Snapchat (Deutsch: „Spontan, kinderleicht chatten“) ist alles, was Facebook längst nicht mehr ist: jung, frech, schnell, cool.

Und das macht die App derzeit zum Megatrend unter den sozialen Netzwerken. Die Millenials, also die Generation, die rund um die Jahrtausendwende geboren ist, sind verrückt nach der App mit dem Geister-Logo. Sieben Milliarden (!) Videos werden dort täglich geteilt, der Vorsprung von Facebook (acht Milliarden) schmilzt täglich. Justin Bieber snapchattet, der FC Bayern snapchattet – und sogar die CSU macht schon mit! Snap, das war ihr letztes Wort! Die tz erklärt das neue Internet-Phänomen.

Fünf Fakten über Snapchat

  • Start in der Schmuddelecke: Nach seiner Gründung 2011 galt Snapchat zunächst als anrüchig. Denn das Grundprinzip der App, die es kostenlos für iPhone und Android gibt, funktioniert so: Fotos und Videos, die gesendet werden, verschwinden nach maximal zehn Sekunden automatisch wieder vom Handy, lassen sich nicht speichern. Dieser Selbstzerstörungsmodus hat zu einer Flut von „Sexting“ (Mischung aus Sex und SMS-Texten) geführt. Die Nutzer haben Nacktbilder oder Partyvideos geteilt – ohne Angst haben zu müssen, dass die kleinen Sünden auf ewig durchs Internet geistern. Das Sexting gibt es zwar immer noch, steht bei Snapchat aber längst nicht mehr im Mittelpunkt. Trotzdem gilt nach wie vor: Hier müssen die 15- bis 25-Jährigen nicht die Angst haben, wie bei Facebook, ihren Eltern und Großeltern, ihren Lehrern und Chefs zu begegnen. Die Kids bleiben (noch) weitgehend unter sich. Das macht für die über 200 Millionen Nutzer den Charme aus.
  • Das gallische Dorf des Internet: WhatsApp und Instagram ließen sich von Facebook kaufen – nur Snapchat leistet anhaltenden Widerstand. Drei Milliarden Dollar bot Facebook 2013 für eine Übernahme, doch Snapchat-Gründer Evan Spiegel, der die Uni ohne Abschluss verließ, lehnte dankend ab. Mittlerweile wird seine Firma auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Und Spiegel (25) gilt als jüngster Selfmade-Milliardär der Welt, als die feschere, glamourösere Alternative zu Facebook-Boss Mark Zuckerberg – auch dank seiner Supermodel-Freundin Miranda Kerr.
  • Snapchat wird seriös: Mittlerweile lassen sich bei Snapchat nicht nur selbstlöschende Fotos und Videos verschicken. Neue Attraktion sind Snapchat-Stories, die mit Bildern, Filmen, Zeichnungen und Text ganze Geschichten erzählen, und die 24 Stunden lang abzurufen sind. Die jungen Nutzer lieben es, sich hier auszutoben – und die Älteren wissen, dass sie damit die Kids erreichen. Im US-Wahlkampf 2016 dürfte Snapchat bereits eine große Rolle spielen. Republikaner-Kandidat Ted Cruz veräppelte Donald Trump per Snapchat als schlecht frisierte lahme Ente. Immer mehr Firmen von Sixt bis Neckermann lassen sich Snapchat-Inhalte einfallen. Und auch die CSU ist dabei, snappte unter dem Kürzel „csu_de“ vom letzten Parteitag Ende 2015, was allerdings für viel Spott sorgte. Denn: Eine App, die spätestens nach 24 Stunden alles automatisch vergisst – perfekt für Horst Seehofer!
  • Der große Ärger: In Sachen Datenschutz bekleckert sich Snapchat nicht mit Ruhm. 2013 erbeuteten Hacker Millionen von Nutzerdaten. Die Geschäftsbedingungen gelten als problematisch, Snapchat räumt sich selbst umfangreiche Rechte an den Inhalten seiner Nutzer ein. Gründer Spiegel hatte auch schon Ärger: Ihm kamen private E-Mails abhanden, in denen er sich frauenfeindlich und homophob äußerte – wofür er sich später entschuldigte. Und das automatische Löschen der Bilder und Videos funktioniert auch nicht recht. Snapchat-Profis wissen längst, wie sie die Inhalte auch nach Ablauf der Frist wieder herstellen können. Denn sie landen in versteckten Ordnern auf dem Smartphone, die sich mit ein wenig technischem Knowhow und den passenden Apps problemlos finden lassen.
  • Die Zukunft: Bisher verdient Snapchat, wie bei solchen Internet-Hypes üblich, kaum Geld. Das soll und muss sich ändern. Die Verwendung bleibt zwar kostenlos – doch in den USA können sich die Nutzer bereits für 99 Cent das Recht erkaufen, Bilder und Videos nicht nur einmal zu sehen, sondern mehrmals. Spezielle Filter für die Inhalte kosten sogar bis zu fünf Dollar. Doch das große Geld soll von Firmen kommen, die auf Snapchat werben, und aus der Unterhaltungsindustrie. Sasha Spielberg, Tochter von Regie-Superstar Steven Spielberg, hat die erste Snapchat-Serie produziert, die Ende Januar Premiere feierte. Jede Folge dauert weniger als fünf Minuten – und die Fans haben auch hier nur 24 Stunden Zeit, um sie anzuschauen.

Drei Tipps für Snapchat

  • Nehmen Sie sich Zeit: Das Anschauen der verrückten Inhalte, und auch das eigene Erstellen von Snaps, machen richtig Spaß. Aber Sie brauchen Geduld. Denn die Nutzerführung ist, gelinde gesagt, eine Katastrophe, viele Funktionen sind bestens versteckt. Doch jede Menge YouTube-Videos, auch auf Deutsch, erklären, wie’s funktioniert.
  • Lernen Sie „Snapchattisch“: Die App hat ihre eigene Sprache. „Snapchatter“ sind die Nutzer, „Snaps“ sind die Inhalte (also Bilder und Videos), ein „Snapback“ ist die Antwort auf einen „Snap“. Eine „Story“ sind die zusammenmontierten Geschichten, und der „Score“ ist die Gesamtzahl Ihrer „Snaps“.
  • Seien Sie kreativ: Mit Filtern, Farben, Malwerkzeugen und Texteffekten können aus einem Snap ganze Kunstwerke entstehen. Filter lassen sich kombinieren und doppeln, und die Videos lassen sich mit Musik vertonen. Die Möglichkeiten auf dem Snapchat-Spielplatz sind (fast) unbegrenzt. Und für alles, was Snapchat nicht selbst kann, gibt es Zusatz-Apps, die die Funktionen noch erweitern. Mit Apps wie „Upload‘n‘Roll“ können Sie beispielsweise auch ältere Fotos aus Ihrem Archiv für Snaps verwenden. Denn normalerweise sind nur „Live-Bilder“ erlaubt, die Sie gerade erst mit der Handykamera geschossen haben.

Die Stars bei Snapchat

Fleißige Snapchat-Nutzer: David Alaba, der gerne mit den Filtern spielt ...

Ein „Telefonbuch“ für Snapchat, in dem alle User verzeichnet sind, gibt es nicht. Und das Auffinden und Hinzufügen von „Freunden“ ist komplizierter als bei Facebook oder Twitter – auch hier bleibt sich die App mit ihrer vertrackten Bedienung treu. Deshalb wird das Internet auch mit Fragen à la „Hilfe, wie heißt Justin Bieber bei Snapchat?“ überschwemmt. Antwort: Er heißt dort, warum auch immer, „rickthesizzler“. Nur mit dem richtigen Nutzernamen lassen sich die Snapchatter finden. Auf vielen Seiten, zum Beispiel bei der Bravo. gibt es deshalb einen Überblick zu den wichtigsten Snapchat-Promis.

... und Teamkollege Mario Götze.

Stark vertreten ist der Sport. Neun von 18 Fußball-Bundesligisten machen schon mit – allen voran der FC Bayern (FCBayernSnaps), der mit amüsanten Snaps Blicke hinter die Kulissen erlaubt. Auch einzelne Bayern-Spieler snappen bereits: David Alaba (da_twentyseven), Mario Götze (m-goetze19), Javi Martínez (javimarti8) und Douglas Costa (dc11-7).

Auch viel dabei: Lovely Lena Meyer-Landrui.

Und hier noch ein paar weitere Snapchat-Stars: Lukas Podolski (lukas10podolski), Beauty-Bibi Heinicke (bibis.beauty), Lena Meyer-Landrut (helloleni), Klum-Topmodel Stefanie Giesinger (steffi_gie), Miley Cyrus (mileycyrus), Rihanna (rihanna), Kim Kardashian (KimKardash) und Kanye West (KanyeWest).

Jörg Heinrich

Jörg Heinrich

Jörg Heinrich

E-Mail:onlineredaktion@tz.de

auch interessant

Meistgelesen

Browser Safari 10: Flash und Java bei Apple blockiert
Browser Safari 10: Flash und Java bei Apple blockiert
Aufmerksam beim TV-Kauf: Das Energieetikett studieren
Aufmerksam beim TV-Kauf: Das Energieetikett studieren
Facebook-Diskussion auf Kinoseite ist zum Fremdschämen
Facebook-Diskussion auf Kinoseite ist zum Fremdschämen
Flocker: Erpressungs-Trojaner auf Android-TV
Flocker: Erpressungs-Trojaner auf Android-TV

Kommentare