Zehn Thesen zu Social Media

WhatsApp, Facebook und Co. - so sieht unsere Zukunft aus

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Zukunftstrend – Social Media in virtuellen Welten.

München -  Immer und überall online sein und mit unseren Freunden und Verwandten weltweit verbunden? Zum Abschluss unserer Serie präsentieren wir Ihnen zehn Thesen: So sieht die Zukunft der sozialen Medien aus.

„In Zukunft sind Internet und soziale Medien so selbstverständlich wie heute der elektrische Strom. Sie werden überall um uns herum sein.“ Das prophezeit US-Technikexpertin Sarah Green. Der Internetzugang steckt künftig in unserer Kleidung, in unseren Möbeln oder in Kontaktlinsen. Egal, wo auf der Welt sich unsere Familie und unsere Freunde befinden – in Zukunft sind wir ständig miteinander verbunden. Und wenn es nach Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht, klappt das sogar per Gedankenübertragung.

WhatsApp wird noch wichtiger

Seit der letzten Aktualisierung lassen sich mit WhatsApp erstmals auch andere Dateien als Fotos und Videos verschicken. Bisher ist lediglich der Versand von PDF-Dokumenten möglich. Doch das ist nur ein Anfang. Word-Dokumente, Apps, Musik – künftig können WhatsApp-Nutzer alle nur denkbaren Daten senden und empfangen. Der Messenger wird zur unentbehrlichen Zentrale unserer Kommunikation, und könnte mittelfristig auch die E-Mail ablösen.

Facebook wird das Internet

42 Minuten verbringt der durchschnittliche Facebook-Nutzer pro Tag auf der Plattform – ein enormer Wert. Doch Mark Zuckerberg hat ein ganz anderes Ziel: Die Nutzer sollen ganztags bei Facebook bleiben („Always on“), quasi auf der Seite leben. Deshalb integriert er praktisch jede Internetfunktion in sein Netzwerk: Fotos, Videos, Nachrichten, Einkaufen. Die Experten der Technik-Website t3n sind überzeugt: „Facebook will das Internet werden.“ Es soll keinen Grund mehr geben, Facebook je zu verlassen. Zuckerberg träumt bereits davon, Nachrichten künftig telepathisch zu übertragen: „Eines Tages denken wir an etwas – und unsere Freunde empfangen sofort diesen Gedanken. Das wäre die ultimative Kommunikationstechnik.“

Alles ist vernetzt

Überall bei uns zu Hause, im Büro oder in unserer Umgebung sind Geräte künftig drahtlos ans Internet angeschlossen, und kommunizieren miteinander. Dadurch verändert sich unser Alltag komplett. Wenn Sie einen Laden betreten, um Kleidung zu kaufen, erkennt ein virtueller Spiegel über die Daten („Letzte Einkäufe“) auf Ihrem Smartphone Ihren Kleidungsgeschmack – und zeigt Ihnen sofort in einer Animation, wie Sie in den neuesten Trend-Klamotten aussehen. Diese Bilder können Sie dann auf Facebook posten, und Ihre „Freunde“ fragen, was Sie kaufen sollen. Wenn Sie nach Hause kommen, werden alle Ihre Erlebnisse und Eindrücke automatisch abgespeichert und verarbeitet. Musik, die Ihnen unterwegs gefallen hat, landet in Ihrer Sound-Wolke. Und das Rezept für die Pizza, die Sie beim Italiener gegessen haben, steht bereits in Ihrem virtuellen Kochbuch.

Neue Smartphones

Zumindest in den nächsten Jahren sind wir noch auf Hilfsmittel wie Smartphones angewiesen, um uns in den sozialen Medien auszutauschen. Die Geräte des Jahres 2020 sind transparent oder biegsam. Knöpfe gibt es keine mehr. Ein Home-Button oder ein Fingerabdrucksensor „wachsen“ nur noch bei Bedarf aus dem Handy, indem Flüssigmetall in der gewünschten Form unter den Bildschirm gepumpt wird. Kameras sind keine mehr zu sehen, sie sind unter dem Display versteckt. Die Tastatur der Smartphones fühlt sich wie echte Tasten an, die sich scheinbar bewegen lassen, obwohl es eine glatte Oberfläche ist. Das erleichtert das Tippen – so lange, bis eine komplett fehlerlose Spracherkennung die Tastatur endgültig ablöst. Schärfer als bisher werden die Bildschirme nicht mehr. Denn noch mehr Details als auf einem aktuellen Retina-Display kann das menschliche Auge nicht unterscheiden. Deshalb sind Projektoren ein Trend der Zukunft, die das Bild eines winzig kleinen Smartphones groß auf jede beliebige Fläche „beamen“ – dank Holographie-Technik auch dreidimensional.

Virtuelle Welten

Facebook-Boss Zuckerberg und viele andere Experten sehen in virtuellen Welten die Zukunft unserer Kommunikation. Per Datenbrille sitzen wir nebeneinander, plaudern, sehen den gleichen Sonnenuntergang – obwohl wir Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind. Deshalb hat Facebook den Hersteller der Datenbrille Oculus Rift gekauft, die heuer auf den Markt kommt. Jason Stein, Chef der Social-Media-Agentur Laundry Service, erklärt die neue Welt: „Am Feierabend sitzt du mit deiner Frau auf einer Dachterrasse in der Toskana, bei einem Glas Wein – obwohl du in einer Wohnung mitten in New York bist. Oder du feuerst mit deinen Kumpels auf der Tribüne im Stadion dein Football-Team an. Und das von der Wohnzimmer-Couch aus.“ Sie können verreisen, auf die Uni gehen oder sich von Ihrem Arzt durchchecken lassen – ohne einen Schritt vor die Wohnungstür zu setzen.

Noch mehr Online-Liebe

Das Flirten und Verlieben per Social Media und per App erlebt einen weiteren gigantischen Aufschwung – und das nicht nur bei jungen Leuten. Eine Untersuchung von Pew Research hat gezeigt, dass sich allein in den letzten beiden Jahren die Zahl der 18- bis 24-Jährigen, die im Internet auf Partnersuche sind, von 10 auf 27 Prozent beinahe verdreifacht hat. Aber auch bei den 45- bis 54-Jährigen (von 8 auf 13 Prozent) und den 55- bis 64-Jährigen (von 6 auf 12 Prozent) sind die Zuwachsraten enorm. Die Online-Liebe wird zum Alltag.

Social Media am Arbeitsplatz

Bisher gelten Facebook, Instagram oder Snapchat vor allem als Privatvergnügen. Doch das ändert sich. Ganze Abteilungen und Unternehmen arbeiten künftig per Social Media zusammen, kommunizieren über solche Netzwerke. Hierzu läuft in den USA bereits „Facebook at Work“ im Test – das ähnlich funktioniert wie das gewohnte Facebook, in dem sich aber alles um die Arbeit dreht. Die derzeit wichtigste App in diesem Bereich ist Slack, das es für iOS, Android, PC und Mac gibt, und das Kollegen nutzen können, um zu kommunizieren und um Daten auszutauschen.

Die Nachrichten von morgen

Bei Großereignissen wie den Anschlägen von Brüssel – und hoffentlich auch bei erfreulichen Anlässen – sind Sie künftig mit Social Media direkt vor Ort. US-Fern-­sehexpertin Cory Bergman erklärt die Zukunft der Nachrichten: „Augenzeugen streamen Livevideos, die gemeinsam eine kontinuierliche Reportage ergeben. Sie werden als Zuschauer in Echtzeit dabei sein. Und jeder Ort der Welt fühlt sich künftig an, als wäre er direkt um die Ecke.“

Social Media zum Anziehen

Modeexpertin Piera Gelardi erklärt, dass „die Welt in 25 Jahren heute noch wie Science Fiction klingt“. Ihre Prognose: „Unsere Kleidung wird aus Stoffen bestehen, die mit dem Internet verbunden sind. Und wir werden Sensoren mit Onlineanschluss unter der Haut tragen. Was wir bisher erleben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Ich glaube, dass wir in Zukunft auch Geschmäcker, Gerüche und Gefühle, die wir gerade erleben, an andere Menschen übertragen ­können.“

Das Ende der Langeweile

Bisher müssen wir uns noch relativ mühsam die Inhalte aus dem Internet fischen, die uns interessieren. Das wird sich in Zukunft ändern. Soziale Netze und die Geräte um uns herum durchschauen uns dermaßen genau, dass sie je nach Stimmung immer exakt die richtigen Nachrichten, die ideale Musik, die perfekten Filme auf Lager haben. Die Langeweile soll keine Chance mehr bekommen. Dass wir womöglich Lust auf Ungewohntes haben, auf Experimente, auf neue Erfahrungen, die eigentlich gar nicht zu uns passen, ist in der Technik von morgen – vorerst – nicht eingeplant.

Auf uns wartet eine Zukunft, die ebenso faszinierend wie erschreckend wirkt.

Jörg Heinrich

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