Umstrittener Abo-Musikdienst

YouTube droht Adele und Co. mit Sperre

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Auch ihre zehn Grammys könnten Adele nicht davor bewahren, dass sie vielleicht bald auf Youtube gesperrt ist.

London - Im Streit zwischen YouTube und unabhängigen Musik-Labels droht die Google-Tochter Künstlern wie Adele oder die Arctic Monkeys von der Video-Plattform verschwinden zu lassen.

Über 7,8 Millionen Mal haben YouTube-User auf das Video von Adeles Performance ihres Megahits "Someone like you" bei den Brit Awards 2011 geklickt. Alleine zehn Grammys hat die britische Sängerin abgestaubt, einen Oscar, zwölf Billboard Awards und viele andere Preise. so mancher Fan hat die 26-Jährige und ihre Musik erst über die Video-Plattform kennengelernt. Doch all das zählt anscheinend nicht: Adele könnte, wie viele andere populäre Indie-Künstler auch, möglicherweise sehr bald von YouTube verschwinden.

Es geht um die Vergütung bei einem neuen Streaming-Dienst, der für Abonnenten ohne Werbung aber kostenpflichtig sein soll - ähnlich wie etwa Spotify. Laut "Guardian" soll dieser Dienst in den nächsten Tagen getestet und im Laufe des Jahres eingeführt werden. Die Independent-Firmen, die der Verwendung ihrer Musik zustimmen müssen, fühlen sich aber vom Google-Angebot abgezockt. Offensichtlich liegt es noch unterhalb dessen, was die Konkurrenz zahlt.

Musiker kritisieren generell die geringe Gewinn-Ausschüttung bei Streaming-Diensten. Im vergangenen Jahr sorgte in der Szene das Beispiel eines Künstlers für Aufsehen, der vorrechnete, dass er durch mehr als 1,5 Millionen Streams auf verschiedenen Diensten gerade einmal 16,89 US-Dollar verdient hatte.

YouTube übt Druck auf die Indie-Labels aus

YouTube-Manager Robert Kyncl sagte der „Financial Times“, die Plattform wolle nicht mehr auf die unzufriedenen Musikfirmen warten und das Angebot auch ohne sie starten. Schließlich hätten Label, die 95 Prozent der Musikindustrie vertreten, den neuen Konditionen zugestimmt: Die drei Großen der Branche - den Marktführer Universal Music sowie Warner Music und Sony Music - hat Google für den neuen Abo-Dienst im Boot.

Auch die Arctic Monkeys wären von der Sperrung betroffen.

Nach bisherigen Informationen sperren sich unter anderem die Plattenfirmen XL Recordings und Domino gegen die neuen YouTube-Konditionen. XL Recordings hat Adele sowie Musiker wie Jack White oder Sigur Ros unter Vertrag, bei Domino sind die unter anderem die Artic Monkeys oder Franz Ferdinand zu Hause.

Für Aufsehen sorgte die Frage, was mit den Videoclips der Musikfirmen passiert, die nicht bei dem neuen Abo-Dienst mitmachen. Laut „Financial Times“ sagte Kyncl, YouTube werde „in wenigen Tagen“ damit anfangen, Videos zu blockieren, um sicherzustellen, dass alle Inhalte auf der neuen Plattform unter die neuen Vertragsbedingungen fallen. Das wurde in anderen Medien zum Teil als Absicht interpretiert, die Videos ganz bei YouTube zu sperren.

"Katastrophaler Fehler"

Alison Wendham, Chefin des weltweiten Independent-Netzwerks WIN sprach von einem „einfachen, aber katastrophalen Fehler“ von YouTube. Die Pläne beruhten auf einer falsch Einschätzung des Marktes. Die unabhängigen Musikfirmen lassen sich in den Gesprächen mit YouTube von der Rechteagentur Merlin vertreten, der über 20.000 kleinere Labels angehören.

Ihre Branchenvereinigung Impala wirft Google vor, der Internet-Konzern wolle die kleinen Plattenfirmen mit seiner Marktmacht zu ungünstigen Konditionen drängen. Sie schätzt, dass die unabhängigen Labels knapp ein Drittel der Einnahmen auf dem Musikmarkt ausmachen.

Sperrung oder Geldhahn zu?

Das Branchenblog „Digital Music News“ schrieb dagegen am Mittwoch unter Berufung auf Personen mit Kenntnis der Konditionen, die Labels würden lediglich die Möglichkeit verlieren, Geld bei YouTube zu verdienen. Ohne die Teilnahme am neuen Abo-Dienst könnten sie auch nicht mehr das bisherige System Content ID nutzen, über das die Musik erkannt und für Anzeigen geöffnet wird.

Das würde zwar keine direkte Blockade der Videos bedeuten, aber den Labels das wirtschaftliche Interesse nehmen, ihre Musik bei YouTube zu platzieren. Doch auch auf dem beliebten Video-Portal werden Künstler mit ihren Clips nicht reich. Die amerikanische Cellistin Zoe Keating listete im Februar auf, dass ihr mehr als 1,9 Millionen Klicks insgesamt 1.248 US-Dollar eingebracht hätten.  

YouTube weicht einer Antwort aus

YouTube nahm zu der Diskussion nur ausweichend Stellung. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage, auf Abonnements basierende Funktionen seien hinzugefügt worden, „um damit unseren Partnern aus der Musikindustrie neue Einkommensquellen zu ermöglichen - zusätzlich zu den Hunderten Millionen Dollar, die sie jährlich durch YouTube erwirtschaften“.

In Deutschland sind wegen des Dauerstreits der Plattform mit der Verwertungsgesellschaft Gema ohnehin weniger Musikvideos verfügbar als in anderen Ländern. Einem Projekt zufolge können Musikfans hierzulande über 60 Prozent der 1000 weltweit am häufigsten abgerufenen YouTube-Videos des vergangenen Jahres nicht sehen.

dpa/hn

 

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Haakon Nogge

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