Rechtsirrtümer rund ums Radfahren

+
Auf dem Gehweg haben Radfahrer nichts verloren. Genauso verboten ist es, in die falsche Richtung zu fahren wie auf dem Foto die Radlerin mit ihrem Kinderanhänger. Ist der Radweg blockiert, müssen Radler auf die Straße.

Kein Schwein, kein Schaf – aber einen Hund dürfen Fahrradfahrer an der Leine mitführen. Auch den Radweg müssen die Pedaltreter nicht zwingend nutzen. Lesen Sie hier die größten Irrtümer rund ums Rad:

Die Zeitschrift Finanztest klärt in ihrer aktuellen Ausgabe neun populäre Irrtümer rund ums Radfahren auf:

Fahrradfahrer müssen auf dem Radweg fahren, wenn es einen gibt.

Irrtum! Den Radweg müssen sie nur benutzen, wenn er ausdrücklich durch eins der drei blauen Radwegschilder gekennzeichnet ist. Auf den Asphalt gemalte Zeichen haben keine rechtliche Bezeichnung. Auch wenn Autofahrer immer wieder Radfahrer kritisieren, die nicht auf dem Radweg fahren, sollten Radler – sofern nicht anders ausgeschildert – zu ihrer eigenen Sicherheit lieber auf der Straße fahren. Dort können die Autofahrer sie viel besser sehen. Radwegeschilder markieren drei Sorten von Wegen: Solche nur für Radler, gemeinsame Wege für Radler und Fußgänger und solche, auf denen Rad- und Fußgängerstreifen getrennt zu benutzen sind. Radler müssen aber auch einen ausgeschilderten Radweg nur benutzen, wenn dieser befahrbar ist. Ist er etwa durch Scherben verschmutzt oder durch Mülltonnen oder parkende Autos versperrt, dürfen sie auf die Straße ausweichen. Lastenräder und Räder mit Anhängern, die zu breit für den Radweg sind, dürfen immer auf die Straße.

Wenn es rechts keinen Radweg gibt, dürfen Radler den linken nutzen. 

Irrtum, Geisterfahrer sind gefährlich und riskieren ein Bußgeld von 15 Euro! Wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt für Radfahrer das Rechtsfahrgebot. Einen Radweg auf der linken Seite dürfen sie nur benutzen, wenn das durch ein Schild angeordnet ist. Sonst müssen sie rechts auf der Fahrbahn fahren, wenn es dort keinen Radweg gibt. Der Gehweg ist keine Alternative. Auf den Gehweg gehören nur Kinder bis zum Alter von zehn Jahren. Erwachsene dürfen dort nur radeln, wenn er durch ein Schild für Fußgänger und Radler gemeinsam freigegeben ist. Auf gemeinsamen Wegen müssen Radfahrer auf Fußgänger Rücksicht nehmen und – wenn nötig – Schrittgeschwindigkeit fahren.

Musik hören auf dem Fahrrad ist verboten. 

Stimmt nicht: Radfahrer dürfen beim Fahrradfahren Stöpsel in beiden Ohren haben und Musik hören. Sie müssen nur gewährleisten, dass sie den Straßenverkehr ausreichend wahrnehmen. Die Musik darf nicht so laut sein, dass sie Warnsignale überhören. Diese Regeln gelten für Radfahrer und für Autofahrer. Auch Autos dürfen nicht als rollende Diskotheken durch die Gegend fahren.

Wer betrunken Fahrrad fährt, verliert seinen Führerschein.

Das stimmt so nicht, denn nur, wer mit mehr als 1,6 Promille Rad fährt, muss um seinen Lappen fürchten. Die Polizei darf den Führerschein nicht einkassieren, sondern kann nur eine medizinische psychologische Untersuchung (MPU) anordnen, umgangssprachlich Idiotentest genannt. Erst wenn der Radler diesen Test verweigert oder durchfällt, verliert er seinen Führerschein.

Es ist verboten, beim Radfahren einen Hund an der Leine zu halten. 

Irrtum, wie ein Blick in Paragraph 28 der Straßenverkehrsordnung zeigt: „Von Fahrrädern aus dürfen nur Hunde geführt werden.“ Damit ist klar: Radfahrer dürfen kein Schwein oder Pferd an der Leine durch die Gegend führen, aber ein Hund ist erlaubt. Radler mit Hund sollten die Leine nur lose in der Hand halten und sie nicht ums Handgelenk schlingen oder ans Lenkrad binden. Das könnte gefährlich werden, wenn der Hund unerwartet losrennt.

Radler haben Mitschuld an einem Unfall, wenn sie ohne Helm fahren.

Dieser Irrtum hält sich hartnäckig, weil manche Richter die Schadenersatzansprüche von Radfahrern mindern, wenn die Kopfverletzung des Radlers durch das Tragen eines Helmes weniger schlimm ausgefallen wäre. In so einem Fall bekommt der Radfahrer weniger Geld, aber für die Schuldfrage ist der Helm nicht relevant. Das Gesetz ist eindeutig: In Deutschland müssen nur Fahrer von Krafträdern – also Mofa-, Mopedund Motorradfahrer – einen Schutzhelm tragen, Radfahrer nicht. Ob auch Fahrer von Elektrofahrrädern in Zukunft einen Helm tragen müssen, ist noch nicht geklärt.

Batteriebetriebene Lampen am Rad sind erlaubt und ersetzen den Dynamo.

Irrtum. Der Satz stimmt nur für Rennräder unter elf Kilo Gewicht. Für alle anderen Räder schreibt die Straßenverkehrsordnung eine funktionierende „Lichtmaschine“ am Rad vor. Das heißt: Ein Dynamo ist Vorschrift, batteriebetriebene Anstecklichter sind allenfalls zusätzlich erlaubt. Da die Polizei meistens froh ist, wenn Radfahrer überhaupt mit Licht unterwegs sind, verhängen die Beamten selten ein Bußgeld, wenn das Licht nicht vom Dynamo kommt. In Berlin soll es dazu sogar eine informelle Dienstanweisung geben.

Fahrradfahrer dürfen nicht nebeneinanderfahren.

Auch falsch. Zwar ist es häufig sicherer, hintereinanderzufahren, aber Radfahrer dürfen durchaus nebeneinanderfahren. Sie müssen nur darauf achten, dass sie die anderen Verkehrsteilnehmer nicht behindern. In Fahrradstraßen ist das Nebeneinanderfahren grundsätzlich erlaubt und auch auf der Straße, wenn Radler in einem Pulk von mindestens 15 Menschen unterwegs sind.

Beim Überqueren eines Zebrastreifens haben Radfahrer dieselben Rechte wie Fußgänger.

Das stimmt nur, wenn der Radler absteigt und sein Rad über den Zebrastreifen schiebt. Wenn er über den Zebrastreifen fahren will, muss er den Autos die Vorfahrt lassen. Tut er das nicht und wird von einem Auto erfasst, trägt er unter Umständen eine Mitschuld an einem Unfall.

Bußgeldkatalog für Radfahrer 

Im 500 Seiten dicken Bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog des Kraftfahrt-Bundesamtes finden sich unter anderem folgende Bußgelder für Fahrradfahrer:

Freihändig fahren 5 Euro
Kinder auf Lenkstange oder Gepäckträger mitnehmen 5 Euro
Sich an ein Fahrzeug hängen 5 Euro
Kein Licht am Fahrrad 10 Euro
Bremsen oder Klingel funktionieren nicht 10 Euro
Reflektoren fehlen 10 Euro
Radfahren in der Fußgängerzone 10 Euro
Radweg nicht benutzt, obwohl vorgeschrieben 15 Euro
Auf dem linken Radweg fahren 15 Euro
Entgegen der vorgeschriebenen Richtung fahren 15 Euro
Nebeneinanderfahren und andere behindern 15 Euro
Mit dem Handy am Ohr telefonieren 25 Euro
Rote Fußgängerampel überfahren 45 Euro
Rote Ampel überfahren 45 Euro
Rote Ampel überfahren, die länger als eine Sekunde rot ist 100 Euro
Rote Ampel überfahren, die länger als eine Sekunde rot ist und andere gefährden 160 Euro
Bahnübergang überqueren trotz geschlossener Schranke 350 Euro

mm

auch interessant

Meistgelesen

Diese 7 Strecken sind nur für wahre Kletter-Profis
Diese 7 Strecken sind nur für wahre Kletter-Profis
„Seiltanz“ durch den Wald: Erlebnisweg oberhalb von Ettal
„Seiltanz“ durch den Wald: Erlebnisweg oberhalb von Ettal
Nix wie hin! Ski-Events der Extraklasse
Nix wie hin! Ski-Events der Extraklasse

Kommentare