Ägypten: Helden-Empfang für Google-Manager

Kairo - Mehrere Hunderttausend Demonstranten feierten am Dienstag in Ägypten eine der wichtigsten Figuren der Demokratiebewegung: den junge Google-Manager Wael Ghonim.

 “Wir werden unsere Forderung nach einer Absetzung des Regimes nicht aufgeben“, versprach der junge Google-Manager Wael Ghonim bei einer der bislang größten Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz. 12 Tage lang saß der 30-Jährige in Haft. Wie es ihm in dieser Zeit erging, erzählte er wenige Stunden nach seiner Freilassung am Montag in einem emotionalen Fernsehinterview. Viele Ägypter sahen es und schlossen sich daraufhin erstmals der Protestbewegung an. Nach mehr als zwei Wochen ist bei den Demonstranten keine Zermürbung spürbar. Ganz im Gegenteil: Die Freilassung Ghonims gab der Bewegung offensichtlich neuen Auftrieb.

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Die Hinhaltetaktik der ägyptischen Regierung scheint nicht aufzugehen. Entsprechend scharf war die Wortwahl von Vizepräsident Omar Suleiman. Er erklärte, dass es nicht mehr lange so weiter gehen könne. Die Krise müsse sobald als möglich ein Ende finden. Einen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak und ein Ende des Regimes schloss er aus. Die Regierung wolle die Forderungen der Demonstranten nach demokratischen Reformen über einen Dialog lösen und nicht die Polizei gegen “die ägyptische Gesellschaft“ einsetzen. Die Alternative zu einem Dialog sei ein Putsch, und das würde hektische Entscheidungen und viele Unvernünftigkeiten bedeuten, erklärte Suleiman weiter. 

Auf Nachfrage der Medienvertreter erklärte der Vizepräsident, er spreche nicht von einem Militärputsch, sondern davon, dass “eine Macht, die nicht bereit ist für die Herrschaft“, die staatlichen Institutionen umstürzen könnte. Die Rufe von Demonstranten nach zivilem Ungehorsam seien “sehr gefährlich für die Gesellschaft“, sagte Suleiman. Washington forderte ihn indes auf, auf eine zentrale Forderung der Demonstranten einzugehen und die Notstandsgesetze aufzuheben.

Mit kleinen Zugeständnissen seitens der Regierung lassen sich die Demonstranten nicht abspeisen. Dass sie einen langen Atem haben, vielleicht einen längeren als die Regierung, wurde auch am Dienstag wieder deutlich. Auch nach Einbruch der Dunkelheit harrten Tausende auf dem Platz der Befreiung aus, darunter auch Frauen und Kinder. Die Stimmung war wie bei einem Volksfest: Schlagersänger unterhielten die Massen. Eine Facebook-Seite mit dem Titel “Ich beauftrage Wael Ghonim im Namen der ägyptischen Revolutionäre zu sprechen“ fand unterdessen regen Zulauf. 20 Stunden nach Ausstrahlung des Fernsehinterviews mit dem Marketing-Manager waren ihr bereits 130.000 Menschen beigetreten.

dapd

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