Amnesty-Bericht

"Willkommens-Index": Deutsche besonders offen für Flüchtlinge

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Mehr als die Hälfte der Bundesbürger gaben an, dass sie Flüchtlinge auch in der eigenen Nachbarschaft akzeptieren würden.

London/Berlin - Die Deutschen sind immer noch deutlich mehr zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit als andere Nationen. Am offensten ist laut Amnesty International ein Land, auf das man nicht ohne weiteres kommt.

Flüchtlinge sind in China und Deutschland besonders willkommen: Das ergab eine Umfrage in 27 Ländern, deren Ergebnisse die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Donnerstag veröffentlichte. Ebenfalls offen für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten, zeigten sich die Briten, die auf Platz drei landeten. An der unteren Skala rangierten Russland, Indonesien und Thailand.

Die Organisation fragte die Menschen unter anderem danach, ob verfolgte und bedrohte Menschen ein Recht auf Flucht hätten und ob sie Flüchtlinge in ihrem Land, in ihrer Nachbarschaft oder in ihrem eigenen Haus aufnehmen würden. Befragt wurden die etwa 27.000 Menschen auch danach, ob ihrer Meinung nach die eigene Regierung genug tut, um den Menschen zu helfen.

Das Ergebnis: International würde einer von zehn Befragten einen Flüchtling in seinem eigenen Haus aufnehmen. In China bejahten das sogar 46 Prozent - in Russland war hingegen nur ein Prozent dazu bereit. In Deutschland gab einer von zehn Befragten an, er sei bereit zur Aufnahme von Schutzsuchenden im eigenen Haus. Für die eigene Nachbarschaft lag die Zustimmung bei 56 Prozent, für das eigene Land bei 96 Prozent.

Öffentliche Meinung hat als Ausrede ausgedient

"Diese Zahlen sprechen für sich", erklärte Amnesty-Generalsekretär Shalil Shetty zu den Ergebnissen. Die Menschen seien bereit, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Gleichwohl entspreche das Handeln der jeweiligen Regierungen nicht den Ansichten ihrer Bürger. Die Zahlen bedeuteten nämlich nicht, "dass China viele Flüchtlinge aufgenommen hat", erklärte Shetty. Es sei vielmehr an der Zeit für die Regierung in Peking, "etwas dafür zu tun".

Die Regierungen könnten nun "nicht mehr die öffentliche Meinung als Ausrede nutzen", um ihren Verpflichtungen zur Einhaltung der Menschenrechte nachzukommen, sagte Shetty der Nachrichtenagentur AFP. Die Menschen hätten verstanden, dass die Welt derzeit mit einer außergewöhnlichen Krise kämpfe, die eine ebensolche Antwort erfordere.

Vor Krieg und Verfolgung sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Besonders der seit über fünf Jahren tobende Bürgerkrieg in Syrien hat zu einer großen Flüchtlingsbewegung in der Region sowie nach Europa geführt.

afp

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