Arabische Liga beginnt Beobachtermission in Syrien

Beirut - Die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien soll das Blutvergießen eigentlich beenden. Doch die Gewalt eskaliert. In der Protesthochburg Homs kommt es zu tödlichen Zusammenstößen.

Die Arabische Liga hat ein Beobachterteam nach Syrien entsandt. Die Gruppe soll ab Montag die Umsetzung eines Planes zur Beendigung der seit neun Monaten währenden Proteste und der gewaltsamen Reaktion der Regierung überwachen. Unterdessen berichteten Aktivisten am Montag, Regierungstruppen hätten in der zentralsyrischen Stadt Homs das Feuer eröffnet und mindestens 20 Menschen getötet.

Die Opposition warnte, Regierungskräfte, die den Stadtteil Bab Amr in Homs seit vier Tagen belagern, bereiteten dessen Sturm vor. Das Gebiet sei am Montag mit Mörsern und Maschinengewehren beschossen worden, berichtete die in Großbritannien ansässige Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights.

Anschläge: Neue Eskalationsstufe in Syrien

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Die Organisation forderte, die Beobachter der Arabischen Liga sollten unverzüglich in die Region entsandt werden. Frankreich schloss sich der Forderung an. Die syrische Regierung solle Beobachtern der Liga Zutritt zu dem Gebiet gewähren, sagte der Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valero. Frankreich sei über die Vorgänge in Homs ernsthaft besorgt.

Internetvideos zeigen Leichen

In Amateurvideos im Internet waren vier Leichen zu sehen, die vor einem Haus auf einer Straße in Baba Amir in Blutlachen lagen. Sie sollen bei einem Angriff mit Mörsergranaten ums Leben gekommen sein. In den Videos waren die Stimmen aufgebrachter Männer und Frauen zu hören, die nach Hilfe riefen. Gezeigt wurden auch zerstörte Häuser und Autos.

Die Beobachter der Arabischen Liga haben den Auftrag, die Einhaltung des von dem Staatenbund entworfenen Plans zu Befriedung des Landes zu überwachen. Demnach sollen alle schweren Waffen abgezogen und Gespräche mit der Opposition geführt werden. Staatspräsident Baschar Assad stimmte dem Plan der Liga zu, nachdem die Organisation gedroht hatte, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen anzurufen.

Opposition fordert Einschaltung der UN

Der syrische Oppositionsführer Burhan Ghalioun forderte unterdessen die Arabische Liga auf, die Vereinten Nationen in die Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens im Land einzubinden. Der Vorsitzende des Syrischen Nationalrats wandte sich am Sonntag in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Arabische Liga.

“Ich rufe die Arabische Liga auf, den UN-Sicherheitsrat um die Verabschiedung ihres Plans zu bitten, um dessen Erfolgsaussichten zu erhöhen und so zu verhindern, dass das Regime seinen Pflichten nicht nachkommt“, erklärte Ghalioun. Er rief die internationale Gemeinschaft zudem auf, “alle möglichen Mittel anzuwenden, um den Tragödien der Menschen in Syrien ein Ende“ zu setzen. “Die barbarischen Massaker müssen sofort aufhören“, sagte er.

Trauer um Opfer von Selbstmordanschlägen in Damaskus

Am Samstag kamen Tausende Trauernde in Gedenken an die Opfer mehrerer Selbstmordanschläge mit 44 Toten in der syrischen Hauptstadt Damaskus zusammen. Sie trugen mit Nationalflaggen bedeckte Särge in die Omaijaden-Moschee in der Innenstadt. Viele bekundeten ihre Unterstützung für den umstrittenen Präsidenten Assad.

In Autos platzierte Sprengsätze waren am Freitag vor den Gebäuden von zwei Geheimdiensten explodiert. Es waren die ersten Bombenanschläge in Damaskus seit Beginn des Aufstands gegen die Herrschaft Assads im März. Die Regierung machte das Terrornetzwerk Al-Kaida verantwortlich. Die Opposition bezweifelt die Angaben. Nach UN-Schätzungen sind seit Ausbruch der Proteste gegen Präsident Baschar Assad im März mehr als 5.000 Menschen getötet worden.

AP/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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