Belgien: Drei Männer in Haft

Terror-Verdächtige mit Brüssel-Attentätern verwandt

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Soldaten vor dem Hauptbahnhof vovn Brüssel. Die Station war nach dem Fund verdächtiger Päckchen evakuiert worden. Foto: Julien Warnand

Brüssel - Bei nächtlichen Anti-Terror-Razzien haben Sicherheitskräfte in Belgien etliche Verdächtige festgenommen. Einen Zusammenhang mit der Fußball-EM bestätigen die Behörden nicht. Die Gefassten sollen mit den Selbstmordattentätern von Brüssel verwandt sein.

Update vom 29. Juni 2016: Ein Terroranschlag hat am Dienstag die türkische Metropole Istanbul erschüttert: Selbstmordattentäter richteten ein Blutbad am Atatürk-Flughafen an. Wir halten Sie über den Entwicklungen zum Terror in Istanbul im News-Ticker auf dem Laufenden.

Zwei der drei nach den großen Anti-Terror-Razzien in Belgien in Haft genommenen Verdächtigen sind Berichten zufolge mit den Selbstmordattentätern von Brüssel verwandt.

Bei einem von ihnen handele es sich um einen direkten Cousin von Ibrahim und Khalid El Bakraoui, berichteten der Sender VRT und die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Justizkreise. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Die Brüder El Bakraoui hatten sich am 22. März bei Anschlägen am Flughafen von Brüssel sowie in einer Metrostation in der Innenstadt in die Luft gesprengt und 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Ihr nun inhaftierter Cousin sei in der Vergangenheit gemeinsam mit dem wegen Gewaltkriminalität vorbestraften Ibrahim El Bakraoui verurteilt worden, hieß es nun.

Rund drei Monate nach den verheerenden Anschlägen in Brüssel sind Sicherheitskräfte in ganz Belgien gegen mögliche Terror-Verdächtige vorgegangen. 12 Menschen wurden in der Nacht auf Samstag bei Razzien festgenommen.

Drei von ihnen im Alter von 27, 29 und 40 Jahren kamen wegen des Vorwurfs des versuchten "terroristischen" Mordes in Haft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die anderen neun seien nach Verhören wieder freigelassen worden.

Insgesamt seien 40 Menschen vernommen worden. Ermittlungsergebnisse hätten ein "unmittelbares Einschreiten" erfordert, sagte ein Behörden-Sprecher. Nähere Hintergründe gab er nicht bekannt. Unbestätigten Medienberichten zufolge stand auch ein Fußball-Fan-Areal in Brüssel im Fokus. Premierminister Charles Michel rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Bei Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metrostation in der Innenstadt hatten Selbstmordattentäter am 22. März 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Seitdem gab es im Land immer wieder Anti-Terror-Einsätze.

Bei dem Großeinsatz in der Nacht auf Samstag durchsuchten Sicherheitskräfte nun insgesamt 152 Garagen und Dutzende Häuser in 16 Gemeinden. Darunter war unter anderem der als Islamisten-Hochburg bekannte Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Durchsuchungen gab es unter anderem auch in den Brüsseler Gemeinden Schaerbeek und Forest sowie in den im französischsprachigen Teil des Landes gelegenen Städten Tubize und Lüttich.

Medienberichten zufolge stand der Einsatz auch im Zusammenhang mit der Fußball-EM in Frankreich und dem Spiel der belgischen Nationalmannschaft am Samstag in Bordeaux gegen Irland. Die Tageszeitung "De Standaard" berichtete, im Fokus der Verdächtigen habe etwa ein Fan-Areal in der Brüsseler Innenstadt gestanden. Die Behörden bestätigten dies nicht. Bei den Razzien habe es keine Zwischenfälle gegeben, hieß es lediglich. Waffen oder Sprengstoff seien nicht gefunden worden.

Der nationale Sicherheitsrat entschied, die Terrorwarnstufe im Land unverändert auf der zweithöchsten Stufe zu belassen. Die Terrorwarnstufe 3 (von insgesamt 4) bedeutet, dass eine Terrorattacke möglich und wahrscheinlich ist. Am Sonntag wurde ein zentraler Bahnhof der Stadt zeitweise geräumt, um verdächtige Gepäckstücke zu untersuchen.

"Das Signal das wir damit senden, ist ein beruhigendes", sagte Premierminister Michel. Für öffentliche Veranstaltungen sollten in den kommenden Tagen jedoch die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden. Einige Minister, darunter auch Michel, waren zuvor bereits unter besonderen Schutz gestellt worden.

Schon im Laufe der vergangenen Woche war die Anspannung in Belgien gestiegen. Die Tageszeitung "La Dernière Heure" und andere Blätter berichteten, dass Dschihadisten Syrien verlassen hätten, um in Belgien und Frankreich Attentate zu verüben. Dafür gab es keine offizielle Bestätigung.

Aufgrund Berichte wie dieser erwägt die belgische Regierung nun anscheinend, härter gegen Informanten und undichte Stellen bei Anti-Terror-Einsätzen vorzugehen. Über schärfere Strafen sei während einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats unter Leitung von Premierminister Michel am Wochenende diskutiert worden, berichteten belgische Medien unter Berufung auf informierte Kreise.

Bereits am Freitag hatte die Behörden in Belgien einen 30 Jahre alten Mann in Haft genommen. Im Zusammenhang mit den Attentaten vom 22. März würden ihm unter anderem "terroristische" Morde und Mordversuche vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Nach Einschätzung des Terrorexperten Rolf Tophoven zeigten diese Anti-Terror-Aktionen, dass es wohl noch weitere Mitwisser und Operateure rund um die Anschläge von Paris und Brüssel gebe.

"Über Jahre hat sich in Belgien eine militant-islamistische Szene entwickelt. Da ist ein sehr fruchtbarer Boden für den Islamismus entstanden", sagte Tophoven der Deutschen Presse-Agentur. Es sei aber auch möglich, dass die Terrormiliz IS selbst Informationen streue, dass sich in großer Zahl Kämpfer Richtung Belgien und Frankreich aufgemacht hätten - "als psychologische Kriegsführung, die mit Angst und Schrecken operiert."

dpa

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