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Brexit: Das sind die Folgen für Arbeiter und Urlauber

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Die Briten haben sich für den Austritt aus der europäischen Union entschieden.

London - Großbritannien hat abgestimmt und sich gegen einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Aber was bedeutet das eigentlich für uns? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie teuer wird der Brexit für uns? Der Austritt betrifft alle EU-Staaten, denn die EU-Beiträge der Briten müssen schließlich weiter getragen werden. Das sind etwa fünf Milliarden Euro. Heißt: Zusatzbelastungen für den deutschen Steuerzahler.

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf den Tourismus? Die Entscheidung ließ das britische Pfund drastisch abstürzen. Das hat vorerst zur Folge, dass ein Urlaub in Großbritannien für EU-Bürger günstiger wird. Gleichzeitig müssen Briten für einen Urlaub in der EU aufgrund des schlechteren Wechselkurses deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Wird es deswegen auf Mallorca jetzt leerer am Pool? Wohl eher nicht. Das britische Pfund ging zwar auf Talfahrt, aber Malle & Co. sind für die nächsten Monate ohnehin schon ziemlich ausgebucht. Der Handtuchkrieg geht also weiter.

Brexit: Das ändert sich für Reisende nach Großbritannien

Was ändert sich für mich, wenn ich aktuell nach Großbritannien reisen möchte? Die gute Nachricht: Vorerst ändert sich nichts! Da Großbritannien nicht zum Schengen-Raum zählt, waren auch bisher Ausweiskontrollen selbstverständlich.

Live-Blog: Tag 1 nach dem EU-Referendum

Brauche ich nach dem Brexit ein Visum, wenn ich nach Großbritannien einreisen möchte? Wie genau die Reisebestimmungen nach einem endgültigen EU-Austritt aussehen werden, hängt von den Verträgen ab, die Großbritannien mit der EU schließen wird. Die Einführung einer Visumspflicht ist eher unwahrscheinlich, da es aufgrund des hohen bürokratischen Aufwandes zu einem Rückgang des Tourismus führen könnte. Gut möglich, dass Großbritannien den Beispielen der Schweiz und Norwegens folgen könnte, wo man sich 90 Tage ohne Visum aufhalten darf. Wer auf der Insel arbeiten möchte wird wohl ein Visum brauchen.

Werden Flüge nach Großbritannien jetzt teurer? Mit dem Brexit wird Großbritannien auch aus der European Common Aviation Area aussteigen. Sie besagt, dass europäische Fluggesellschaften in jedes EU-Land fliegen können. Vor allem Billigflieger profitieren von diesem breiten Marktspektrum. Ein EU-Austritt sorgt dafür, dass Easyjet & Co. die Preise erhöhen werden müssen. Denn auch die durch die EU geregelten günstigen Flughafengebühren fallen durch den Brexit weg.

Mein Flug nach Großbritannien wird annulliert. Was ändert sich mit dem Brexit? EU-Verordnungen sprechen bei der Verspätung oder Annullierung eines Fluges eine Entschädigung zu. Es ist möglich, dass Großbritannien solche Regelungen weiterhin einhält. Laut Bernd Krieger, Leiter des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz Deutschland, garantieren zum Beispiel auch Island und Norwegen die gleichen Fahrgastrechte wie EU-Länder, denn sie gehören dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an. Dennoch: Es ist nicht gesichtert, dass Großbritannien diesem Beispiel folgen wird. Ansprüche hat man auch nur, wenn man von einem Flughafen in der EU abfliegt oder mit einer EU-Fluglinie in einem Mitgliedsland ankommt. Fliegt man mit einer Nicht-EU-Fluglinie – wie künftig British Airways – in Großbritannien ab und verspätet sich stark, gebe es keine zugesicherten Ersatzleistungen mehr.

Brexit: Das ändert sich für Krankenversicherte

Kann ich in Großbritannien noch immer mit meiner Krankenkassenkarte zum Arzt gehen? Für die anberaumte Zwei-Jahres-Frist, die ein Brexit wohl in Anspruch nehmen wird, übernehmen Krankenkassen weiterhin die Kosten für medizinisch notwendige Heilbehandlungen, sofern der Patient eine europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) besitzt. Dafür muss ein Allgemeinarzt aufgesucht werden, der für den Nationalen gesundheitsdienst (NHS) arbeitet.

Was ändert sich nach dem EU-Austritt? Es besteht immer die Möglichkeit, eine private Auslandsreiseversicherung abzuschließen, um im Krankheitsfall im Ausland Behandlungen in Anspruch nehmen zu können, ohne die Kosten zu tragen. Schließt man eine solche Versicherung nicht ab, müssen im Ernstfall die Kosten selbst getragen werden.

Und wenn ich aber privat krankenversichert bin? Bei vorübergehenden Aufenthalten von unter einem Monat macht es keinen Unterschied, ob Großbritannien zur EU gehört oder nicht, erklärt der Verband der Privaten Krankenversicherung.

Kann ich in Großbritannien jetzt nicht mehr günstig mobil telefonieren? Innerhalb der EU sollen 2017 die Roaming-Gebühren vollkommen entfallen. Wenn der Brexit vollzogen sein wird, könnten also höhere Gebühren auf den EU-Verbraucher vor Ort zukommen, denn dann gilt Tariffreiheit. Große Anbieter, wie O2 oder Vodafone äußerten sich bisher nicht dazu. Aber: Solange Großbritannien noch in der EU ist, wird sich in Bezug auf Roaming-Gebühren nichts ändern.

Brexit: Das ändert sich für Studenten

Wird das Studieren in Großbritannien nun teurer? Das ist davon abhängig, wie das Königreich die Studiengebühren für Ausländer in Zukunft staffeln wird. Der aktuelle Staus quo: Ein Student aus der EU zahlt die „home fees“, also das, was auch ein britischer Student zahlen muss. Studenten, die aus einem Nicht-EU-Land kommen zahlen dagegen die deutlich höheren „overseas fees“. Ein Beispiel aus Oxford: 4000 britische Pfund für EU-Bürger, 15 000 Pfund für Nicht-EU-Einwohner. Deutsche könnten bald auch in diese zweite Kategorie fallen.

Fällt Großbritannien auch aus dem Stipendienprogramm Erasmus heraus? Wer mit Erasmus für einen Auslandsaufenthalt nach Großbritannien kommt, muss derzeit keine Studiengebühren aufbringen. Auch das könnte sich ändern. Allerdings ist ein Erasmus-Studium nicht an die EU-Mitgliedschaft gekoppelt – die Nicht-EU-Länder Island, Norwegen, Mazedonien und die Türkei sind ebenfalls in dem Programm vertreten.

Was ändert sich für EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten? Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat lebten im vergangenen Jahr rund 2,99 Millionen EU-Ausländer, darunter 133 000 Deutsche, im Vereinigten Königreich. Die EU-Freizügigkeitsregeln erlauben ihnen, in Großbritannien zu wohnen und zu arbeiten. Mit einem Brexit ist dieser Status unsicher. Entscheidend wird die Frage sein, ob Großbritanninen nach dem Austritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zählen möchte. Dann dürften Arbeitnehmer in allen Mitgliedsstaaten arbeiten. Also auch in Großbritannien.

Was ist der Brexit und warum wollen ihn die Briten? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Welche Arbeitnehmer müssen nun bangen? Vor allem Geringverdiener wären betroffen. In den letzten Jahren kamen viele Menschen aus Osteuropa nach Großbritanninen. Sie hätten wohl nur geringe Chancen, die Auflagen für ein Arbeitsvisum zu erfüllen. Hochqualifizierte Arbeitskräfte hingegen werden gute Chancen zugerechnet, auch nach einem Brexit weiter in Großbritannien beschäftigt zu bleiben. Eine Studie der Universität Oxford zeigte, das derzeit drei Viertel der EU-Bürger, die auf der Insel arbeiten, die Kriterien für ein Arbeitsvisum nicht erfüllen.

Hat das auch Auswirkungen auf den englischen Profifußball? Ein deutliches Ja! Ein Profi, der nicht aus einem EU- oder EWR-Land stammt, muss einen gewissen Prozentsatz an Länderspielen bestritten haben, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Nach dem Brexit würde diese Regelung dann auch für Kicker aus der EU oder EWR-Staaten gelten – im vergangenen Jahr wären das über 100 Spieler gewesen. Der Zustrom ausländischer Profis dürfte wegen der geltenden Richtlinien für Arbeitserlaubnisse schwächer werden. Das würde dem Image der Premier League ungemein schaden. Es drohen Verluste in Milliardenhöhe. Bereits geschlossene Arbeitsverträge sind vom aktuellen Votum nicht betroffen.

Und wie sieht es in Zeiten des Terrors mit der Sicherheitslage aus, wenn Großbritanninen nicht mehr zur EU gehört? Die europäischen Sicherheitsbehörden sind von einer guten, innereuropäischen Zusammenarbeit abhängig. Mit einem Ausscheiden Großbritanninens könnte ein wichtiger sicherheitspolitischer Partner wegfallen. Auch bei der europaweiten Fahndung nach Terroristen und Schwerverbrechern würden die Informationsdienste Großbritanninen nicht mehr zur Verfügung stehen.

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