Brisantes Dokument über Schmiergeldzahlungen

Franz Josef Strauß: 360 Millionen auf Geheimkonto?

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Strauß und Schalck-Golodkowski 1985 in Leipzig.

München - Ein brisantes Dokument über Schmiergeldzahlungen aus der DDR an Franz Josef Strauß ist aufgetaucht. Wurde die CSU-Ikone bestochen?

Wurde Franz Josef Strauß für die Einfädelung des DDR-Milliardenkredits 1983 mit 100 Millionen D-Mark bestochen? Strauss-Kritiker Wilhelm Schlötterer legte im Münchner Presseclub ein brisantes Dokument vor, das diesen Verdacht nahelegt. Es soll sich dabei um einen internen Prüfbericht für den Vorstand der DG-Bank handeln. Darin heißt es, dass auf einem Konto der Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Fidinam, das auf den Namen von Franz Josef Strauß lief, bei der Konto-Auflösung 1990 fast 360 Millionen D-Mark lagen.

Die Kinder von Franz Josef Strauß halten das Dokument für eine „dreiste Fälschung“. „Die darin vorgenommenen Schwärzungen und das Verschweigen der (angeblichen) Quelle sprechen für sich“, so die Erklärung von Franz-Georg und Max Strauß sowie von Monika Hohlmeier.

In dem von Schlötterer vorgelegten Papier heißt es, nach Strauß‘ Tod sei FJS-Sohn Max Bevollmächtigter des privaten Kontos geworden: „Ein Erbe bezüglich des Kontos wurde nie offiziell angetreten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das Gesamt-Konto nie dem Strauß-Erbe zugefallen und damit auch nach unserer Ansicht nicht versteuert worden“, behauptet der von Schlötterer vorgelegte Bank-Bericht. Weiter heißt es darin: Die Kontounterlagen würden „in besorgniserregender Art und Weise eine Vielzahl von fragwürdigen Einzahlungen und Überweisungen“ aufweisen:

Der Milliardenkredit machte sie zu Freunden: Monika Hohlmeier, ihr Vater, Schalck-Golodkowski und Franz-Georg Strauß bei der Leipziger Herbstmesse 1985.

Geld von Schalck-Golodkowski: Der DDR-Devisenbeschaffer und Stasi-Oberst fädelte mit Strauß den DDR-Milliardenkredit ein (siehe Stichwort unten). In dem internen DG-Bank-Bericht heißt es, auf das mutmaßliche FJS-Konto gebe es persönliche Einzahlungen aus den Jahren 1983 und 1984 von Herrn Schalck-Golodkowski in drei Tranchen: 50 Mio. D-Mark Ende 1983 und zweimal je 25 Mio. D-Mark 1984. Schlötterer erklärte, bei diesen insgesamt 100 Millionen D-Mark „handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Provision für die Vermittlung des Milliardenkredits an die DDR“. Die Zahlungen würden auch erklären, „warum Max Strauss Schalck-Golodkowski nach dem Fall der Mauer so rührend umsorgte“, so Schlötterer.

Unterkonten, die laut Schlötterer auf Waffengeschäfte hinweisen könnten: Laut DG-Bank-Bericht hat das mutmaßliche FJS-Konto vier Unterkonten mit den Namen „Dessert-Foxx“, „BigNefudTank“, „Ruvbalchali-Buggy“ und „Dhana“. Schlötterer sieht in den Decknamen, die auf Gebirgszüge in Saudi-Arabien sowie Militärfahrzeuge (Big Tank = großer Kampfpanzer) verweisen, Hinweise darauf, dass es sich um Geld aus Waffengeschäften mit den Saudis handeln könne. Laut dem Prüfbericht belegt sind „Überweisungen von Konten saudiarabischer Personen und aus dem Libanon“ in Millionenhöhe.

Geld von Leo Kirch: In dem DG-Bank-Bericht heißt es weiter: „Den Konto-Unterlagen ist zweifelsfrei zu entnehmen, dass FJS Zahlungen von mindestens zwei Unternehmen des Herrn Leo Kirch erhalten hat, darunter 50 Millionen DM von der Taurus-Film.“

Schlötterer und sein Rechtsanwalt, der Ex-FDP-Bundestagsabgeordnete Hildebrecht Braun, haben am Donnerstag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bochum gestellt. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung und Falschaussage. Denn beim Prozess von Max Strauss gegen den Stern im Oktober 2013 vor dem Landgericht Köln hätten die Strauß-Kinder Monika Hohlmeier und Franz-Georg ausgesagt, dass der Wert des Nachlasses ihres Vaters „etwa 6 Millionen DM“ betragen habe.

Stoiber: Behauptung hält er für "abwegig und völlig ausgeschlossen"

Schlötterer erhob auch schwere Vorwürfe gegen Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber: Als damaliger bayerischer Innenminister habe Stoiber 1990 den Stasi-Nachlass mit den Unterlagen zum DDR-Milliardenkredit vernichten lassen, „zum Schutz des Ansehens von Strauß“. Schlötterer erklärte: „Stoiber wusste schon, warum er das tat. Er hat damit Zeitgeschichte unterdrückt.“

Stoiber erklärte gegenüber der tz, er halte die Behauptung für „abwegig und nach meiner Erinnerung für völlig ausgeschlossen. Auch meinen engsten Mitarbeitern von damals ist ein solcher Vorgang gänzlich unbekannt.“

Schlötterer wollte die Identität seiner Quelle nicht offenlegen, erklärte aber, dass der Zeuge bereit sei, gegenüber der Staatsanwaltschaft Bochum auszusagen.

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