„Inspirationslos, alternativlos“

Böhmermann: Beängstigende These nach Merkel-Entscheidung

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Jan Böhmermanns Reaktion auf die Entscheidung Angela Merkels sollte einige Politiker nachdenklich machen.

München - Angela Merkel will zum vierten Mal Kanzlerin werden. Da bleiben Reaktionen nicht aus. Auch Moderator Jan Böhmermann meldet sich zu Wort - mit einer beängstigenden These.

Seit Sonntag steht fest: Angela Merkel will es ein viertes Mal machen. Die Kanzlerin, die seit 2005 in verschiedenen Konstellationen durchregiert, will für die Union auch bei der Bundestagswahl 2017 die Spitzenkandidatin sein. Damit wurde eigentlich offiziell gemacht, worüber schon länger diskutiert wurde.

Die Reaktionen auf diese Ankündigung reichten von wohlwollender Unterstützung bis hin zu Sticheleien gegen den derzeitigen Groko-Partner. Die New York Times bezeichnete Merkel gar als „letzte Verteidigerin Europas“. Deutlich weniger prosaisch, jedoch mit der für ihn typischen scharfen Zunge ging da Jan Böhmermann zu Werke. Der Comedian, der im vergangenen Jahr eine Staatskrise zwischen Deutschland und der Türkei verursachte, meldete sich wie gewohnt via Facebook zu Wort.

„Dickefetteparty auf den Straßen! Ohrenbetäubender Feierlärm! Eine Stimmung wie beim Mauerfall“, begann der Moderator des Neo Magazin Royale seinfür seine Verhältnisse ungewöhnlich langes Statement und erinnerte dann an den letzten Regierungschef in der BRD, der - im Falle einer Wiederwahl von Angela Merkel - genauso lang regierte wie die CDU-Vorsitzende: „Ich erinnere mich noch lebhaft und gerne daran, dass die letzten vier Jahre der Kanzlerschaft von Helmut Kohl die allerbesten waren“, gab Böhmermann sarkastisch von sich. Auch das Durchregieren der Union und der SPD und der eher undemokratischen Entscheidungen auch in Sachen Bundespräsidenten-Nachbesetzung prangerte er an.

Bundestagswahl 2017: Böhmermanns traurige Prognose

Und er wagte auch schon eine kleine Vorschau auf den kommenden Wahlkampf mit den Sozialdemokraten, die womöglich ebenso ihren Vorsitzenden, Sigmar Gabriel, ins Rennen schicken werden: „Merkel gegen Gabriel, das fühlt sich immer an wie „Hillary Clinton“: Es ist so inspirationslos, es ist so alternativlos.“ Aufgrund der Ähnlichkeit der Wahlprogramme - mahnte der Satiriker an, werde es womöglich einen Kampf um Äußerlichkeiten wie Frisuren oder Sakkos geben. 

Doch wie bei jeder guten Satire steckt auch in dem Post von Böhmermann schmerzhaft viel Wahrheit drin. Denn laut ihm „lachen die Petrys und Gaulands und Höckes, wackeln mit den Augenbrauen und locken die Gelangweilten, die Frustrierten und Abgehängten ins Hexenhäuschen.“ Eine durchaus ernst zu nehmende These und vor allem Warnung für all diejenigen, die der Meinung sind, dass die für viele schockierende Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten tatsächlich eine Überraschung war. Der „Rückzug in die Bequemlichkeit der vermeintlichen Alternativlosigkeit, das völlig ungerechtfertigte Vertrauen auf die Macht des Bekannten und die Wette darauf, dass die Erstarrtheit, die man dem Wähler als Stabilität verkaufen will“ ist für den ZDF-Mann einer der Hauptgründe dafür, dass die etablierten Parteien derzeit wenig ausrichten können „gegen Demagogen und Populisten.“

Er zieht daraus folgenden Schluss und fordert gleichzeitig die demokratischen Kräfte in der Politik dazu auf, sich wieder in die Diskussion und den Diskurs zu stürzen. „Ohne Rücksicht auf den politischen Gegner. Als hätte jemand Lust, den machterhaltenden Konsens zu verlassen und auf die Kacke hauen, dass es spritzt.“ Nur so könne laut Böhmermann verhindert werden, dass humorlose Menschenfeinde und rücksichtslose Unterdrücker“ an die Macht kommen.

Böhmermann: Ab 2017 die „neue Rechte“ im Bundestag?

Passiert dies nicht, so könne Deutschland im Herbst 2017 ein übles Erwachen drohen. Wenn nämlich „gebaut auf einem stabilen Fundament aus Fake News (oder nennen wir es beim Namen: Lügen), Angst und Internethass, eine fette Bundestagsfraktion der „neuen Rechten““ im Bundestag sitzt.

Böhmermann beendet seinen emotionalen Post, den vielleicht nicht jeder zu Ende gelesen hat mit der ironischen Hoffnung, dass nicht alles so schlimm ist, wie er es als „überschätzter Fernsehcomedian bei Facebook“ ahnt und verabschiedet sich von seinen Followern mit den Worten „Grüße, Euer Til Schweiger“ in Anspielung auf den Schauspieler, der ja auch gerne mal bei Facebook seine Meinung zum Besten gibt und mit dem er sich auch schon via Social Media einige Duelle geliefert hat.

bix

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