Sein schwieriges Verhältnis zu den Medien

Trump zu TV-Boss: „Ich hasse deinen Sender“

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Kamerascheu ist der Multimilliardär eigentlich nicht. Seit seiner Wahl zum US-Präsidenten stellte er sich aber noch nicht offiziell der Presse.

Washington - Er twittert fast im Minutentakt, hält Reden und veröffentlicht Videos. Doch eine offizielle Pressekonferenz hat Donald Trump bisher noch nicht gegeben. Eine ungewöhnliche Vorgehensweise.

Donald Trump hat sich für Dienstag mit der New York Times verabredet. Es sollte ein offizielles Interview geben und ein kurzes Hintergrundgespräch. Doch am Vormittag sagte der designierte US-Präsident den Journalisten ab. Die Umstände hätten sich geändert. Die New York Times nahm das nicht einfach so hin und twittert dagegen. Trump reagierte. Und das Interview fand doch statt. 

Solche Vorkommnisse sind symptomatisch für den angehenden US-Präsidenten, sein Verhältnis zur Presse ist mehr als angespannt: Donald Trump und die Journalisten sind wie Katz und Maus. Jeder andere an seiner Stelle hätte wohl schon längst zu einer Pressekonferenz geladen. Der 70-Jährige steht seit über zwei Wochen als künftiger US-Präsident fest. Barack Obama, der amtierende Präsident, gratulierte Trump zu seinem Sieg  - während einer Pressekonferenz. Auch Kanzlerin Angela Merkel äußerste sich zum neuen Staatschef der USA, indem sie vor die Presse trat. Nur Trump selbst scheint sich noch immer schwer zu tun, mit Journalisten zu reden. Bis jetzt wartet die Öffentlichkeit vergeblich auf einen Auftritt vor den Medien. 

Vorproduzierte Videos statt Pressekonferenzen

Sogar seinen Plan für die ersten hundert Tage im Amt hat Trump in Form eines vorproduzierten Videos veröffentlicht. Nachfragen wurden abgelehnt. Der designierte Präsident hat den Kampf gegen das Medien-Establishment zu seinem Wahlprogramm gemacht - und damit den Großteil der Amerikaner überzeugt. Jetzt macht er keinerlei Anstalten, seine Strategie zu ändern, sondern verfolgt mit eisernem Willen seine Linie. Wie weit Trump damit kommen wird, ist unklar.

Doch es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis der Republikaner seinen Wählern öffentlich Rede und Antwort stehen muss. Sie werden wissen wollen, wie es jetzt weitergeht, vor allem mit seinem Plan von einer Mauer an der mexikanischen Grenze. Es wird äußerst schwierig für Trump, dass der Kongress seinen Vorhaben zustimmt. Komplizierte Verhandlungen werden da nicht ausbleiben - es scheint fast, als wolle der 70-Jährige unangenehme Punkte totschweigen.

Bereut Trump etwa, dass er sich während des Wahlkampfes mit seiner provokanten Art so viele Feinde gemacht hat? Der Videoclip lässt das zumindest vermuten. Der 70-Jährige will „bestärkt durch ein gemeinsames Ziel als ein Land voranschreiten“. Amerika habe jetzt die Chance, Geschichte zu schreiben und einen wirklichen Wandel zu erleben, findet er. 

"Lassen Sie uns dankbar sein für alles, was wir haben. Lassen Sie uns mutig die neuen, spannenden Abschnitte angehen, die vor uns liegen“, sagt Trump am Ende seiner Botschaft. Ob zu diesem Mut, von dem er spricht, auch gehört, solche Botschaften in Zukunft öffentlich vor der Presse zu verkünden?

Trump zu CNN-Chef Zucker: „Ich hasse deinen Sender“

Ein Vorfall von Montag lässt vermuten, dass das noch dauern könnte: Der Republikaner hatte Vertreter der führenden amerikanischen Fernsehsender zu einem Treffen in den Trump Tower nach New York geladen. Es sollte ein gesittetes Treffen werden, ein Meinungsaustausch. Doch Trump zeigte sich alles andere als versöhnlich, attackierte nach Angaben von Anwesenden CNN-Chef Jeff Zucker: „Ich hasse Deinen Sender, jeder bei CNN ist ein Lügner und Du solltest Dich schämen“, schimpfte er. Das Treffen wurde zum Desaster. Nun bleibt es also abzuwarten, ob sich das Verhältnis zwischen Trump und der Presse entspannen wird oder ob es beim ewigen Katz- und Maus-Spiel bleibt. 

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