Fragen und Antworten

Deutschland wird bunter - wie viel Zuwanderung verträgt unser Land?

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Junge Frauen verschiedener Nationalitäten in Berlin.

Wiesbaden - Unter den Deutschen wächst die Sorge vor übermäßiger Zuwanderung. Das Ausland dagegen bewundert die gute Integration von Ausländern hierzulande. Die wichtigsten Fakten.

Mehr als jeder Fünfte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Das ist nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes ein Rekord. Die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft ist nach Einschätzung von Fachleuten gut. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist ein Migrationshintergrund?

Die Statistiker definieren das so: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.“ Das traf 2015 auf rund 17,1 Millionen Menschen in Deutschland zu, 11,5 Millionen von ihnen waren Zuwanderer.

Wer sind die Menschen mit Migrationshintergrund?

Die drei wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei, Polen und Russland. „Je jünger die Bevölkerung, desto mehr Menschen mit Migrationshintergrund“, stellt Ulrich Kober von der Bertelsmann-Stiftung fest. „Von unten wächst eine ganz andere Gesellschaft nach.“ Diese sehe die Pluralität auch viel entspannter als ältere Menschen, die damit noch nicht so viele positive Erfahrungen machen konnten.

Gibt es Unterschiede beim Bildungsstand?

Ja. Die 25- bis 35-Jährigen mit Migrationshintergrund haben der Statistik zufolge häufiger keinen Schulabschluss oder nur einen Hauptschulabschluss. Sie haben dreimal häufiger auch keinen Berufsabschluss. Bei den akademischen Abschlüssen gibt es dagegen fast keine Unterschiede. Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker gibt zu Bedenken: „Die Daten sind geronnene Geschichte - seit den frühen 1960er Jahren.“ Neu-Zuwanderer hätten einen deutlich höheren Bildungshintergrund und höhere Beschäftigungsquoten.

Welche Jobs übernehmen Menschen mit Migrationshintergrund?

Die 25- bis 64-Jährigen Menschen dieser Gruppe sind der Statistik zufolge seltener erwerbstätig als die übrige Bevölkerung. Sie arbeiten fast doppelt so häufig als Arbeiter und sind fast doppelt so oft ausschließlich geringfügig beschäftigt. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Herkunftsländern: So hatten rund 88 Prozent der Menschen mit chinesischen Wurzeln Abitur, aber nur 16 Prozent derer mit türkischen.

Wie läuft die Integration?

Ulrich Kober von der Bertelsmann-Stiftung sagt: „Deutschland hat in den vergangenen 10, 15 Jahren Erfahrungen gesammelt und weiß wie Integration funktioniert.“ Bei der Arbeitsmarktintegration sei die Bundesrepublik Vorreiter in Europa. „Man guckt im Ausland bereits auf das Integrationsmodell Deutschland.“ Die Debatte habe sich durch die vielen Flüchtlinge, die 2015 kamen, etwas verschoben. „Integration ist kein Selbstläufer, man muss darin investieren. Die Mittel in die Hand zu nehmen lohnt sich.“

Wie reagiert die Gesellschaft?

Befragungen zeigten, dass sich immer mehr Leute Sorgen machten, wie es mit dem Wohlstand in Deutschland aussieht, berichtet Kober. Allerdings sehe immer noch mehr als die Hälfte eher keine Bedrohung für den Wohlstand. Und: „Der Großteil der Migrationsbevölkerung fühlt sich in Deutschland heimisch und identifiziert sich mit diesem Land.“ Dies sei Teil des weltweit beachteten Integrationsmodells. Der Vorstandsvorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer, zitiert eine Untersuchung, nach der sich „die Einstellung bei der Bevölkerung gegenüber Flucht und Geflüchteten von November 2015 bis August 2016 nicht geändert hat“.

Wie ist das Engagement der Bürger für Integration?

„Wir haben einen erheblichen Prozentsatz der Bevölkerung, die aktiv an der Integration mitarbeitet“, stellt Wissenschaftler Schiffauer fest. Es gebe immer wieder neue Initiativen. „Die Schwäche dieser Bewegung ist, dass das niemand merkt.“ Seinen Schätzungen zufolge sind 2015 rund 15.000 Projekte im Zusammenhang mit den Flüchtlingen entstanden, in denen etwa eine Million Menschen aktiv ist.

Was muss unbedingt getan werden?

Vor allem bräuchten Kinder und Jugendliche gute Bildungschancen, sagt Claudia Diehl vom Sachverständigenrat Deutscher Stiftungen für Integration und Migration. „Am besten lernen Kinder Deutsch, wenn sie in eine Klasse gehen, in der die meisten Kinder gut Deutsch sprechen.“ Wichtig sei, sie auch in die vorschulische Bildung zu bekommen. „Der frühe Kita-Besuch ist wichtig für den Bildungserfolg.“

dpa

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