Hoffmann fordert Rentenwende

Die tz erklärt: So will der DGB die Altersarmut verhindern

München - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine groß angelegte Rentenkampagne gestartet. Er fordert eine Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus. Die tz erklärt, wie der DGB eine massenhafte Altersarmut verhindern will.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund macht mobil gegen die geplante weitere Absenkung des Renten­niveaus! Mit einer großen Kampagne, für die am Dienstag in Berlin der offizielle Startschuss fiel, wollen der DGB und die Einzelgewerkschaften die Parteien im Bundestagswahlkampf zur Rentenwende zwingen.

„Unsere zentrale Forderung ist eine Stabilisierung des gesetzlichen Renten­niveaus“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. „Denn wenn wir nichts ändern, werden im Jahr 2040 oder 2050 Millionen der heute noch jungen Menschen von sozialem Abstieg oder gar Altersarmut betroffen sein.“ Die tz erklärt, wie der DGB eine massenhafte Altersarmut verhindern will.

Das Absinken des Renten­niveaus stoppen

Selbst wer jahrzehntelang in Vollzeit arbeitet, ist wegen der geplanten weiteren Absenkung des Rentenniveaus von derzeit 47,9 auf 43 Prozent bis zum Jahr 2030 von Altersarmut bedroht. Ein Beispiel: Eine Köchin mit 1943 Euro Monatslohn bekäme, wenn sie 2030 nach 40 Arbeitsjahren in Rente geht, nur noch 677 Euro Rente (siehe Tabelle). Vor der Rentenreform im Jahr 2000 waren es noch 770 Euro. Das Problem verschärft sich, da der Arbeitnehmer, der 40 Jahre ohne Erwerbs­lücken durcharbeiten kann, fast schon die Ausnahme ist. Wenn die Köchin aus unserem Beispiel in ihren 40 Berufsjahren vier Jahre lang arbeitslos wäre und acht Jahre nur halbtags arbeitet, ginge sie bei heutigem Rentenniveau mit rund 690 Euro in Rente und 2030 mit nur 620 Euro.

Riester stoppen

Reiner Hoffmann.

Das Rentenniveau soll abgesenkt werden, weil die Deutschen immer älter werden und gleichzeitig die Zahl der Arbeitnehmer wegen der geburtenschwachen Jahrgänge der nach 1965 Geborenen zurückgeht. Derzeit finanzieren 100 in die Sozialversicherung einzahlende Beschäftigte die Rente von 68 älteren Menschen. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen bis 2060 um fast ein Viertel abnimmt. Die Folge: Entweder müsste der Rentenbeitrag immer weiter steigen, oder das Rentenniveau sinkt.

Die Bundesregierung entschied sich für das Absenken der Renten. Die so entstehende Lücke soll mit privater Vorsorge geschlossen werden, vor allem der Riester-Rente.

Laut DGB ist dieses Konzept gescheitert: Vom einkommensärmsten Fünftel der Haushalte riestert nur jeder 4. Fazit: „Unterm Strich ist die private Riester-Rente vor allem eine milliardenschwere Subventionierung der privaten Versicherungswirtschaft.“ Die Gewerkschaft fordert deshalb: keine Riester-Neuabschlüsse mehr – das Geld besser in die Stabilisierung des Rentenniveaus stecken.

Mütterrente aus Steuermitteln finanzieren

Die 2014 von der Großen Koalition beschlossene Mütterrente – also die Anerkennung von Erziehungszeiten der vor 1992 geborenen Kinder für die Rente – hält der DGB für richtig. Aber: „Der DGB fordert, die Mütterrente endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzuerkennen und entsprechend aus Steuermitteln zu finanzieren.“

Damit würden jährlich sieben Milliarden Euro an Beitragsmitteln frei, um die gesetzliche Rente zu stärken.

Den Rentenbeitragssatz erhöhen

Der heikelste Punkt bei den DGB-Forderungen: Der Rentenbeitragssatz soll möglichst bald „kon­trolliert und maßvoll“ steigen – jährlich um 0,3 Prozent für Arbeitnehmer und Arbeitgeber von derzeit 18,7 auf 22 Prozent.

„Das frühzeitige Anheben ermöglicht es, das Rentenniveau bis in die 2030er-Jahre zu halten, und zwar innerhalb der gesetzlichen Beitragsobergrenze von 22 Prozent“, so die Gewerkschaft.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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