Wird die Gefahr unterschätzt?

Experte: Risiko eines Atomkriegs so hoch wie lange nicht

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Atomtest auf dem Mururoa-Atoll

Moskau/Washington - Die Gefahr eines Atomkriegs ist seit den Achtzigern weitgehend aus den Köpfen der Deutschen verschwunden. Doch ein Russland-Experte warnt jetzt: die Bedrohung sei so hoch, wie schon seit Jahrzehnten nicht.

Auch wenn die Angst vor einem Nuklearangriff seit den achtziger Jahren größtenteils aus den Köpfen der Menschen verschwunden ist, so hat sich an der Bedrohung durch waffenfähiges Plutonium wenig geändert. Laut den Oktober-Zahlen der „Arms Control Association“ existieren derzeit noch rund 15.500 atomare Sprengköpfe weltweit - 90 Prozent davon in den USA und Russland. 

Jetzt kommt neue Brisanz in die Thematik. Andrew Kuchins, Russland-Experte der Washington’s Georgetown University, warnt laut der Financial Times: „Das Risiko eines nuklearen Konflikts könnte heute höher als zu jedem Zeitpunkt seit den 80er Jahren sein.“ Doch unglücklicherweise scheine sich die Gesellschaft und das politische Establishment nicht im Klaren darüber zu sein, dass diese wirklich existenzielle Bedrohung zurückgekehrt sei, so Kuchins.

Doch wer jetzt meint, dass man sich nur um die Waffen in Russland sorgen müsste, der irrt. Laut einem Bericht des US-Senders CBS von 2014 seien die Silos zur Aufbewahrung der Atomraketen in Amerika so Baufällig, dass eine Bunkertür in Wyoming beispielsweise mit einer Brechstange offen gehalten werden musste. Auch bei der Software bietet sich ein Bild des Schreckens: zum Start der Raketen werden offenbar immer noch Floppy-Disks verwendet. 

Aber nicht nur die fahrlässige Behandlung der Atomwaffen in den USA stellt eine Bedrohung dar. Gerade die jüngsten Entwicklungen in Russland geben Anlass zur Sorge.

Russland sieht sich im Kalten Krieg mit den USA 

Im Oktober legte Russlands Präsident Wladimir Putin ein Abkommen mit den USA zur Vernichtung von atomwaffenfähigem Plutonium auf Eis. Laut einer Liste, die er ins Parlament einbrachte, habe die USA „eine Reihe von Schritten unternommen, die dazu führten, dass sich die Lage im Bereich strategische Stabilität deutlich geändert hat“. Das berichtet der Nachrichtensender N24. In dem Abkommen - das im Jahr 2000 unterzeichnet wurde und 2011 in Kraft trat - hatten sich beide Länder verpflichtet, jeweils rund 34 Tonnen waffenfähiges Plutonium zu entsorgen. Bislang ist in dieser Hinsicht noch nichts passiert.

Putin stationiert Raketen in Kaliningrad

Rund einen Monat vor der US-Wahl hat Putin atomwaffenfähige Iskander-Raketen zwischen Russland und Litauen - in der russischen Enklave Kaliningrad - stationiert. Mit einer Reichweite von rund 700 Kilometern gelten diese als Mittelstreckenraketen. Und genau darin bestehe die Gefahr, prognostiziert die Huffington Post: denn die Hemmschwelle für den Einsatz solcher Waffen wäre deutlich geringer als beispielsweise bei Interkontinentalraketen - eine Verwendung auf dem Schlachtfeld also viel wahrscheinlicher. Zudem wird durch den Schritt Russlands der INF-Vertrag zwischen den beiden Ländern, der den Gebrauch genau solcher Mittelstreckenraketen verbieten sollte, weiter zu einem schlichten Lippenbekenntnis herabgestuft.

Neue Atombunker für Moskau

Laut dem Nachrichtenportal „Washington Free Beacon“ werden dutzende neue Untergrundbunker in Moskau errichtet. Erst im Oktober hatte das Land in einer Notfall-Übung den Ernstfall geprobt. Rund 40 Millionen Einwohner sollen daran teilgenommen haben. Die neuen Bunker sollen dann bald allen Einwohnern der russischen Hauptstadt Platz bieten. 

Patrick Steinke

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