25 tote Zivilisten bei Attacken

Drama in Aleppo: Fast alle Krankenhäuser außer Dienst

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Viele Bilder, die uns aus Aleppo erreichen, sind so schrecklich, dass wir entschieden haben, sie nicht zu zeigen. Dieses Foto entstand in einem der wenigen Krankenhäuser, die noch Verletzte versorgen.

Aleppo - Es ist eine Tragödie ohne Ende: Nach den heftigsten Luftangriffen seit Wochen auf die belagerten Rebellengebiete Aleppos sind alle größeren Krankenhäuser in der nordsyrischen Stadt außer Betrieb. 

Zuletzt wurde das Omar Bin Abdul Asis Krankenhaus im Ostteil der belagerten Stadt am Freitagabend von einer Reihe von Bombardements des syrischen Regimes und seiner Verbündeten getroffen und zerstört worden. Das teilte die Union of Syrian Medical Organizations (UOSSM) am Samstag mit. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bei den Angriffen am Samstag seien 25 Menschen gestorben.

Ein Kind wird nach einem der jüngsten Angriffe aus den Trümmern gerettet.

Bereits am Freitag waren UOSSM zufolge vier weitere Krankenhäuser nach schweren Luftschlägen geschlossen worden. Unter den Kliniken sei auch die letzte noch funktionierende Kinderklinik im Osten Aleppos gewesen, die schon in den Tagen zuvor Ziel von Bombardements war. Die USA verurteilten die Attacken. Aleppo gilt als eines der wichtigsten Schlachtfelder in Syrien und Symbol des verheerenden Bürgerkrieges.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte derweil vor dem kompletten Zusammenbruch der Infrastruktur in Aleppo. Wenn das Stromnetz nicht mehr funktioniere, sei auch die Wasserversorgung betroffen, sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit, Christof Johnen, dem Berliner „Tagesspiegel“ (Samstag). In Folge könnte auch das Abwassersystem versagen. „Das kann der Auftakt zu fatalen Abwärtsspiralen sein, die das gesamte Versorgungssystem einer Großstadt wie Aleppo gefährden“, sagte Johnen.

Humanitäre Hilfe praktisch unmöglich

Die humanitäre Hilfe in Syrien ist nach seinen Worten wegen fehlender Sicherheitsgarantien praktisch unmöglich. Bis zur Jahresmitte hätten die Menschen im Osten Aleppos noch mit Hilfsgütern versorgt werden können. Zwar hätten diese nicht mit Lastwagen, aber auf Handkarren in die Stadt gebracht werden können. „Das war zwar mühsam, aber es funktionierte.“ Nun sei der Zugang zur Stadt für den Syrischen Roten Halbmond - dem Partner des Roten Kreuzes - praktisch unmöglich. Es fehlten Trinkwasser, Lebensmittel und Gesundheitsversorgung.

Medizinisches Personal in der inoffiziellen Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Al-Rakka, berichtete unterdessen von einem angeblichen Luftangriff der US-geführten Militärkoalition nördlich der Stadt, bei dem 20 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Eine unabhängige Bestätigung gab es zunächst nicht. Die Informationen können nur schwer überprüft werden und könnten von den Dschihadisten beeinflusst sein.

IS ruft Notstand in Al-Rakka aus

Bewohner Al-Rakkas berichteten zudem, dass der IS nach dem Verlust des Ortes Tel Saman etwa 30 Kilometer nördlich einen Notstand ausgerufen habe. Kurdische Kämpfer hatten vor knapp zwei Wochen mit einer Großoffensive auf Al-Rakka begonnen. Sie werden von Luftangriffen des US-geführten Bündnisses unterstützt. Die Beobachtungsstelle bestätigte, dass Tel Saman von den kurdischen Truppen erobert wurde.

dpa

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