Nach Vorwurf der IS-Propaganda bei Anne Will

„Lügenmaschinerie“: Nora Illi schießt scharf gegen Medien

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Der Auftritt von Nora Illi in der ARD-Talkshow "Anne Will" sorgte für Empörung.

Köln - Der Auftritt von Nora Illi in der ARD-Talkshow "Anne Will" sorgte für Empörung in der Öffentlichkeit. Die Schweizerin wehrt sich nun gegen die Kritik und droht sogar mit einer Klage.

Der Auftritt von Nikab-Trägerin Nora Illi bei Anne Will sorgte für einen der größten TV-Aufreger des Jahres. Vor rund einer Woche war die mit 18 Jahren zum Islam konvertierte Schweizerin bei der ARD als Talkgast geladen und löste mit provokanten Aussagen über die Radikalisierung von jungen Muslimen eine Welle der Entrüstung aus. 

So bezeichnete sie den Dschihad als „Langzeitprüfung mit Hochs und Tiefs“ und erklärte, es gebe „aus islamischer Sicht nichts daran auszusetzen, im gelobten Syrien gegen die Schergen Assads und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Eine solche Überzeugung muss man, in den hiesigen Kontext übersetzt, als Zivilcourage hochloben.“ Bereits zu Beginn der Sendung schien die vollverschleierte Illi ein Plädoyer für die Rolle der Frau im Islam zu halten: „Mich fasziniert am Islam seine Vielfalt! Im Islam hat die Frau ganz viele Rechte und Möglichkeiten, sich auszuleben!“

Will verteidigt sich: „Wir wussten, was wir tun“

Der Auftritt von Illi, die als Frauenbeauftragte im Islamischen Zentralrat der Schweiz tätig ist, sorgte auf den sozialen Plattformen wie Twitter und Facebook für einen „Shitstorm“. In den Medien wurden ARD sowie Talkmasterin Anne Will für die Einladung von Illi kritisiert. Die „Welt“ schrieb von einer „Propaganda-Sendung für den IS“. Die „Bild“ veröffentlichte im Anschluss sogar ein Bild, auf dem Illi unverschleiert zu sehen ist. Noch während der Sendung hatten die Studiogäste Wolfgang Bosbach (CDU-Bundestagsabgeordnete) und der Autor Ahmad Mansour irritiert bemerkt, man biete Illi und damit dem radikalem Islam eine breite Plattform.  

Im Anschluss an die Sendung rechtfertigte die Moderatorin Anne Will die Einladung von Illi. „Wir wussten, was wir tun, wenn wir Frau Illi einladen. Wir haben für uns abgewogen, ob das in diesem Kontext (des vorher gesendeten Tatorts über die Radikalisierung junger Muslime) für uns vertretbar ist“, sagte Will der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Illi schießt zurück und droht mit Klage

Doch nun schlägt Nora Illi zurück und wehrt sich gegen die heftige Kritik an ihrem Auftritt bei Anne Will. Im Interview mit dem Medienportal „Meedia“ wirft sie den Medien Tatsachenverdrehung sowie Verleumdung vor. „Wenn wir uns die Fakten in Bezug auf die 'Anne Will'-Sendung anschauen, hat sich eine einmalige Lügenmaschinerie in den Gang gesetzt“, erklärt Illi. 

„Einen Muslim als 'radikal' oder 'fundamentalistisch' zu bezeichnen ist in den Medien Standard. Dieses Schubladendenken muss ein Ende haben“, fordert sie. Weiter wirft sie den Medien vor, selbst daran beizutragen, muslimische Jugendliche zu radikalisieren. „Die Medien betreiben derzeit eine absolute Radikalisierung mit ihrer Berichterstattung, weil sie zu einer absoluten Solidarisierung führt – gerade von jungen Muslimen, die sich von solchen Bewegungen wie dem IS angezogen fühlen. Klar, dass sie sich bei den ganzen Vorurteilen in den Medien geradezu bestätigt fühlen. Die Medien sind kontraproduktiv auf allen Ebenen“, sagt sie. 

Illi kündigte sogar an, rechtliche Schritte gegen die „Bild“ einleiten zu wollen. „Wenn sich jemand seit mehreren Jahren aus religiösen Gründen verschleiert und dann ein solches Foto publiziert wird, ist das definitiv ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und dagegen sollte rechtlich vorgegangen werden“, klagt sie.

kus

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