Nach Wahlsieg

Erste Rede: Donald Trump will Präsident aller US-Bürger sein

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Der nächste US-Präsident geht schon auf Versöhnungskurs mit dem republikanischen Partei-Establishment: Donald Trump mit Reince Priebus (rechts), dem Vorsitzenden des Republican National Committee.

New York - Donald Trump will ein Präsident aller Bürger sein. Der Sensations-Sieger ruft die USA in seiner ersten Rede nach der Wahl zur Einheit auf.

Zu verlieren, das war im Konzept und Lebensplan von Donald Trump eigentlich nie vorgesehen. Er verabscheue Verlierer, gab er einmal mit der üblichen Grossmäuligkeit zu Protokoll. Dass er dann im Wahl-Endspurt, in den meisten Umfragen zurückliegend, doch noch Hillary Clinton überholen würde, wird als eine der größten politischen Sensationen in die amerikanische Politik-Geschichte eingehen. Es ist ein seismischer Vorgang, der nicht nur die Finanzmärkte rund um die Welt gestern erschütterte, die nichts so viel hassen wie Unsicherheit. Doch Donald Trump, der Immobilien-Mogul aus dem New Yorker Stadtteil Queens, steht aufgrund seiner politischen Unerfahrenheit wie kaum eine andere Figur für Unberechenbarkeit. Was ist von der Weltmacht USA in den kommenden vier Jahren zu erwarten? Auch die schockierten TV-Experten in den US-Sendern wissen auf diese Frage bisher keine Antwort.

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Im New Yorker Hilton-Hotel war der Wahlsieger um 2.50 Uhr Uhr nachts ans Mikrofon vor seine jubelnden Anhänger getreten. Kurz zuvor hatten die TV-Sender seinen Sieg erklärt, nachdem Clinton per kurzem Telefonat die Niederlage eingestanden und gratuliert hatte. Trumps Rede war dann weniger eine Triumph-Ansprache als ein Versuch, die absehbaren Schockwellen seines Erfolges abzumildern: Er wolle das Land vereinen. Er werde ein Präsident aller Amerikaner sein. Er werde "schöne und erfolgreiche Dinge" für das Land erreichen. Er werde nicht Feinschaft, sondern Gemeinsamkeiten anstreben. Und er werde die Wähler nicht enttäuschen.

Donald Trump gewann mehrere Bundesstaaten, die Clinton glaubte sicher in der Tasche zu haben

Es war eigentlich genau die Rede, die Hillary Clinton halten wollte. Doch die saß zu diesem Zeitpunkt erschöpft in ihrer nur wenige Kilometer entfernten Hotelsuite, das Unerwartete wie Millionen ihrer Anhänger wohl noch nicht begreifend. Die neuen Ermittlungen des FBI in Sachen Email-Affäre hatten ihr offensichtlich geschadet und von einer Kampagne Trumps abgelenkt, die von Hass und Ignoranz gegenüber Frauen, Muslimen, Einwanderern aus Mexiko und anderen Gruppen mit teilweise abstoßenden Attacken geprägt worden war. Und die auf Video festgehaltenen Prahlereien, er könne aufgrund seiner Prominenz jede ihn interessierende Frau zwischen die Beine greifen, nahm ihm der harte Kern seiner Fans offenbar ebensowenig übel wie die Tatsache, dass ihm dann elf Frauen sexuelle Belästigung vorwarfen. Donald Trump gewann mehrere Bundesstaaten, die Clinton glaubte sicher in der Tasche zu haben - wie Pennsylvania, Michigan oder Wisconsin. Und profitierte dabei vor allem vom Frust im sogenannten "Rust Belt", der vom Aufschwung vergessenen Industrieregion im Nordosten der USA. Vor allem weiße Männer mittleren Alters stimmten für ihn.

Donald Trumps beim Start von den meisten Experten noch als chancenlos eingestufte erfolgreiche Bewerbung hat nun eine historische Dimension - vor allem aus einem Grund: Noch nie hat es eine Wahlkampagne gegeben, die so auf die Verärgerung vieler Bürger über den Status Quo in Washington, der Wut über den Einfluss der Reichen in der Politik und dem Wunsch nach starker politischer Führung aufgebaut war. Noch nie wurde eine Kampagne so bösartig geführt - mit Sprechhören wie "Sperrt sie ein" über den Gegner. Diese öffentliche Erregung unter einem Teil der Konservativen half Trump auch, den Fragen zu entkommen, wie er denn seine politischen Ideen in der Realität umsetzen wollte - vom Mauerbau an der Grenze zu Mexiko bis hin zu den geplanten Massen-Deportationen. Seine Fähigkeit, Menschenmassen mit Parolen aufzuhetzen, erinnerte manche Beobachter in den USA sogar an Adolf Hitler. Ein Vergleich, den Historiker allerdings stets zurückgewiesen hatten.

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