Ermittlungen gegen Hillary Clinton

„Es gibt eine Norm“ - Obama kritisiert FBI-Chef

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Barack Obama.

Washington - US-Präsident Barack Obama hat wegen der FBI-Ermittlungen gegen Hillary Clinton Kritik am Chef der zentralen Sicherheitsbehörde erkennen lassen - ohne aber dessen Namen zu nennen.

„Ich denke, dass es bei Ermittlungen eine Norm gibt, dass man nicht auf der Grundlage von Unterstellungen, unvollständigen Informationen oder undichten Stellen agiert“, sagte Obama in einem Interview des Blogs „Now this“. 

Er machte aber auch klar, dass er nicht den Eindruck erwecken wolle, sich in eine unabhängige Ermittlung einzumischen. „Wir agieren auf der Grundlage von konkreten Entscheidungen, die getroffen werden.“ Das Interview wurde am Mittwoch veröffentlicht.

FBI-Chef James Comey hatte mehreren Abgeordneten in der vergangenen Woche in einem Brief mitgeteilt, dass in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton weitere E-Mails untersucht werden. Diese waren im Zuge einer anderen Ermittlung aufgetaucht. Comey sah sich daraufhin Kritik ausgesetzt, er habe als Republikaner Einfluss auf die Wahl nehmen wollen.

Am Montag hatte Obamas Sprecher Josh Earnest erklärt, der Präsident sei nicht der Auffassung, dass Comey seine Position für politische Zwecke ausnutzen wollte. Obama wies in dem Interview darauf hin, dass das FBI im Sommer zu der Schlussfolgerung gekommen sei, dass Clinton Fehler gemacht habe, ihr Verhalten aber nicht strafbar sei.

Im Mittelpunkt der E-Mail-Affäre steht die Frage, ob Clinton als Außenministerin durch die Nutzung eines privaten Servers für dienstliche E-Mails die Sicherheit der Nation gefährdet hat.

Umfrage: Clinton wird noch weniger Vertrauen entgegengebracht

Die Wähler sollten sich durch die Kontroverse nicht beeinflussen lassen, sagte Obama in dem Interview. Doch das tun sie offenbar. Clinton hat einer Umfrage zufolge noch schlechtere Vertrauenswerte als vor einigen Wochen. In der Befragung der „Washington Post“ und des Senders ABC gaben 46 Prozent an, der Republikaner Donald Trump sei ehrlicher und vertrauenswürdiger als Clinton. Andersherum sind es 38 Prozent.

In einer Erhebung Anfang September lagen beide noch gleichauf bei 45 Prozent. Die Zahl derjenigen, die angaben, keinem der beiden Kandidaten zu vertrauen, stieg seitdem von neun auf zwölf Prozent.

In der Umfrage erklärten 59 Prozent, sie missbilligten, wie Clinton Fragen zu der Nutzung des privaten Servers beantwortet habe. Die Zahl war jedoch geringer als vor Bekanntwerden der neuen Überprüfung des FBI. Vor einer Woche waren es 60 Prozent.

Trump holt auch bei Buchmachern auf

Wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl gewinnt Trump nicht nur in Umfragen hinzu, auch bei den Wettanbietern deutet sich eine Trendwende an: Seit der Bekanntgabe neuer FBI-Ermittlungen zur E-Mail-Affäre seiner Rivalin Hillary Clinton werde fünf Mal häufiger auf Trump als auf Clinton gesetzt, erklärte der Online-Wettanbieter Bovada.

"Trump hat eindeutig Rückenwind und er macht fast täglich Boden gut", sagte auch Graham Sharpe, Sprecher des britischen Wettbüros William Hill. Die Quote auf einen Sieg des Republikaners sei innerhalb von zwei Wochen acht Mal angepasst worden und liege nun bei zwei zu eins.

Geld auf den Ausgang einer Wahl zu setzen, ist in den USA verboten. Doch bei Online-Buchmachern wie Bovada, Betfair oder Betonline, die als Offshore-Gesellschaften außerhalb der USA aktiv sind, können US-Bürger trotzdem ihr Glück versuchen. Spieler aus anderen Ländern können bei Anbietern wie William Hill ihr Geld auf einen Sieg Trumps oder Clintons bei der Wahl am 8. November setzen.

Das Duell Clinton gegen Trump sorgt für Rekordeinsätze bei den Wettanbietern. Bovada verzeichnet eine fast doppelt so hohe Summe wie bei der US-Präsidentschaftswahl 2012. Viele Spieler dürften auf einen ähnliche Entwicklung wie beim Brexit hoffen: Bei dem britischen Referendum im Juni hatten die Wähler entgegen den Umfragen für den EU-Austritt votiert. Wer auf einen Gewinn des Brexit-Lagers gesetzt hatte, konnte viel Geld verdienen.

dpa/afp

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