Nicht nur optisch verändert

Erster TV-Auftritt seit Jahren: Guttenberg kritisiert G7

G7-Gipfel 2015 Schloss Elmau Guttenberg
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Im BR-Magazin "Geld und Leben" äußert sich Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisch über den G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau.

New York - Er geht gleich in die Vollen: Bei seinem ersten TV-Auftritt sei Jahren äußert sich Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisch über den G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau.

Es ist der erste Fernsehdreh für "KT" seit 2011. Am heutigen Donnerstagabend zeigt das BR-Magazin "Geld und Leben" (ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen) ein aktuelles Porträt des früheren CSU-Shootingstars Guttenberg. Der Ex-Verteidigungsminister und Außenpolitik-Experte fällt beim TV-Hausbesuch in New York im Gespräch mit BR-Reporterin Alexandra Brückner ein kritisches Urteil über den G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: "Es ist eine Veranstaltung, die im wesentlichen dazu dient, Erklärungen abzugeben, Deklarationen abzugeben, letztlich aber keine Entscheidungen zu treffen, die nachhaltige Wirkung haben." Heißt konkret: Nichts als folgenlose Verkündungen.

Wenn zu Guttenberg selbst beim G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau einen Platz am Tisch der großen Staatschefs hätte, wüsste er genau, welches Thema er aufs Tapet bringen würde. Im BR-Gespräch sagt er: "Ich würde die Beteiligten fragen, warum in ihrer Agenda die Digitalisierung nicht vorkommt, warum all das, was damit zusammenhängt nicht auf der Tagesordnung steht. Es sind wichtige Dinge drauf, vom Klimawandel bis Entwicklungshilfe. Alles Sachen, die schon diskutiert wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten, aber momentan ändert unsere Welt nichts mehr als exakt das. Und das steht nicht auf der Tagesordnung. So, das wäre nicht nur eine Frage, sondern auch eine Klage meinerseits."

Im der heutigen Ausgabe von "Geld und Leben" (Thema: "G7 in Elmau: Wo ist Bayerns Platz in der Weltwirtschaft?") sehen die Zuschauer einen zu Guttenberg, der sich nicht nur optisch, sondern auch beruflich verändert hat. Der frühere CSU-Spitzenpolitiker, der zeitweise sogar als nächster Kanzler gehandelt wurde, hat sich zum internationalen Unternehmer gewandelt. Das BR-Magazin beschreibt seine aktuellen Tätigkeiten folgendermaßen: "Er ist Investor und Berater von Internetfirmen in den USA. Zu seinen Kunden zählen junge Menschen aus New York, Berlin und San Francisco, Startups, aber auch etablierte Unternehmen, die in Europa Fuß fassen wollen. Er berät sie etwa zu staatlichen Regulierungen, stellt Kontakte her und hilft ihnen, sich bei Expansion Richtung Europa gut zu positionieren. Er bezieht Honorare und bekommt Unternehmensanteile für seine Beratungsdienstleistung." Im TV-Porträt von "Geld und Leben" zeigt zu Guttenberg den Zuschauern auch seinen neuen Arbeitsplatz im Viertel Soho (gleich hinter dem Broadway) zwischen trendigen Klamottenläden und Szene-Cafés.

Guttenberg zu G7-Gipfel: "Mehr als Deklarationen können wir auch diesmal nicht erwarten"

Es ist nicht das erste Mal, dass zu Guttenberg sich kritisch über den G7-Gipfel 2015 äußert. Vor einem Monat verkündete er vor Ort auf Schloss Elmau, dass das Gipfeltreffen wohl nichts bringen werde. Er habe einen solchen Gipfel einmal als hochrangigsten Deklarationsklub der Welt bezeichnet, sagte er am 27. April auf einer Kundenkonferenz der Deutschen Presse-Agentur am G7-Tagungsort. Und davon rücke er nicht ab. „Mehr als Deklarationen können wir auch diesmal nicht erwarten.“ Insbesondere in der Entwicklungspolitik werde man viele „hehre, schöne Worte“ hören, aber viel Enttäuschung bei den Beobachtern „draußen“ erleben.

Zur Begründung verwies zu Guttenberg zum einen auf die komplexen sicherheitspolitischen Probleme etwa in Syrien, durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ oder in der Ukraine. Zum anderen würden anstehende Wahlen in einzelnen G7-Staaten allzu weitreichende Gipfelbeschlüsse verhindern. Und US-Präsident Barack Obama sei die „lamest duck“ (lahmste Ente), die es je in einer zweiten Amtszeit eines amerikanischen Präsidenten gegeben habe, sagte zu Guttenberg, der seit seinem Rücktritt als Minister mit seiner Familie in den USA lebt.

Dennoch werde der G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau auch „wirkkräftige und starke Elemente haben“. Nicht unterschätzt werden dürfe die Chance, dass sich die Staats- und Regierungschefs in kleinerem Rahmen und auch außerhalb der eigentlichen Tagesordnung austauschen könnten. Derartige Möglichkeiten gebe es nicht allzu oft.

Zu Guttenberg hob bei seinem Auftritt Ende April auf Schloss Elmau ausdrücklich das hohe Ansehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den Vereinigten Staaten hervor. Deutschland sei aus Sicht der USA der stärkste Partner und Merkel „die letzte verbliebene Führungskraft“ Europas. 

G7-Gipfel 2015: News-Blog und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Das BR-Magazin "Geld und Leben" mit dem Guttenberg-Interview wird am Donnerstagabend ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

fro/dpa

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

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