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Höcke als Landeschef der Thüringer AfD bestätigt

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Der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Björn Höcke, freut sich am Samstag beim Landesparteitag in Arnstadt (Thüringen) über seine Wiederwahl.

Arnstadt/Erfurt -Björn Höcke ist das bekannteste Gesicht der AfD in Thüringen - und einer der umstrittensten Politiker der Rechtspopulisten. Er liebt die Provokation: Gegner sind empört, Parteigänger jubeln ihm zu. Jetzt stellt er sich zur Wiederwahl. Eine Frage könnte offen bleiben.

Der Mann, der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Zwangsjacke aus dem Kanzleramt abführen lassen wollte, spielt oft mit den Ängsten der Menschen. Thüringens AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke ist damit bundesweit bekannt geworden. Seit Herbst 2014 sitzt er im Landtag - doch erst seitdem Hunderttausende Flüchtlinge im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, taucht sein Name nicht mehr nur in den regionalen Zeitungen auf. Auf Demonstrationen ruft Höcke etwa: „Sichert endlich die Grenzen und schickt die Millionen illegaler Einwanderer nach Hause“ oder „Merkel hat den Verstand verloren, sie muss in den politischen Ruhestand geschickt werden“.

Kandidiert Höcke bei den nächsten Bundestagswahlen?

Mit dem Thema Flüchtlinge ist die AfD stark geworden - und mit ihr Björn Höcke. Auf Demonstrationen wird er mit „Höcke, Höcke“-Rufen gefeiert. Der Landes- und Fraktionschef ist unbestritten das bekannteste Gesicht der Thüringer AfD. Am Samstag wird er bei einem Parteitag mit 93 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Offen bleibt nach wie vor, ob er zur Bundestagswahl 2017 kandidiert. Gewisse Ambitionen waren dem 44-Jährigen nachgesagt worden.

Höcke, der stets adrett gekleidet auftritt, gilt als zielstrebig. Seiner Partei setzt er ebenfalls ehrgeizig Ziele. Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte er einmal: „Es kann gut sein, dass die CDU in naher Zeit unter die 30-Prozent-Marke fällt und die AfD Richtung dieser 30 Prozent steigt.“ Die Erfolge bei den vergangenen Landtagswahlen kommentierte er so: „Das ist nichts anderes als eine parteipolitische Revolution. Und sie ist noch nicht beendet.“

Höcke ist bekannt für populistische Parolen

Politikwissenschaftler und Beobachter verorten den gebürtigen Westfalen rechtsaußen innerhalb der Partei. Der beurlaubte Lehrer steuert gemeinsam mit seinem Vertrauten, Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef André Poggenburg, die parteiinterne rechte Plattform „Der Flügel“. In Höckes Reden geht es oft um „die Heimat“, die es vor negativen Einflüssen zu schützen gelte. „Für unsere Frauen und Mädchen haben sich die Lebensräume verkleinert und die Angsträume vergrößert“, sagte er mit Blick auf die Übergriffe zu Silvester.

Höcke, Vater von vier Kindern, verheiratet, Lehrer für Geschichte und Sport, fällt immer mal wieder mit populistischen Parolen auf. Bei Kundgebungen rief er seinen Anhängern zum Beispiel zu: „3000 Jahre Europa, 1000 Jahre Deutschland - ich gebe Euch nicht her.“ Oder: „Erfurt ist schön. Es ist schön deutsch. Und schön deutsch soll es bleiben!“ Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) warf ihm deshalb vor, er spreche die Originalsprache der Nazi-Organisation SA der 20er Jahre.

Ex-Parteichef Lucke wollte Höcke seiner Ämter entheben

SPD-Fraktionschef Matthias Hey attestiert: „Björn Höcke probiert unentwegt durch seine verbalen Provokationen, die Grenzen der Zulässigkeit bei parlamentarischen Reden und dem damit verbundenen Wertekanon politischer Debatten auszuloten.“ In den vergangenen Monaten habe er aber versucht, „moderater und schaumgebremster aufzutreten“. Aus Sicht von CDU-Landeschef Mike Mohring steckt der AfD-Politiker „gedanklich und begrifflich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert fest“.

Fast schon vergessen ist, dass AfD-Parteigründer Bernd Lucke, der mittlerweile in einer neuen Partei die Strippen zieht, ihn seiner Ämter entheben wollte. Der Grund: Höcke meinte in einem Interview, nicht jedes NPD-Mitglied könne als extremistisch eingestuft werden. Später nannte Höcke seine Äußerungen einen „Anfängerfehler“.

dpa

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