Beängstigendes Interview aus der Haftanstalt

IS-Aussteiger warnt: Terror-Angriff auf Deutschland hat begonnen

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Harry S. (27) wurde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Jetzt gab er ein erstes Interview.

Berlin - Harry S. ist ein verurteilter IS-Aussteiger, in Syrien ließ er sich zum Kämpfer ausbilden. Nach den jüngsten Anschlägen warnt er: Der IS hat jetzt in Deutschland Fuß gefasst.

Es ist beängstigend, was der verurteilte ehemalige IS-Kämpfer Harry S. (27) nach den Anschlägen in Ansbach und Würzburg zu sagen hat. Dem deutschen Journalisten Claus Strunz gab er in der JVA Oldenburg erstmals nach seiner Verurteilung ein Interview, das im Sat1-Frühstücksfernsehen zu sehen war. Und auch die "New York Times" führte ein Interview mit dem 27-Jährigen in der Haftanstalt.

Die These von Harry S.: Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat es mit den jüngsten Anschlägen endgültig geschafft, in Deutschland Fuß zu fassen. Weitere Anschläge werden seiner Meinung nach folgen. Auch er selbst habe Angst um Freunde und Familie, denn es könne jetzt jeden treffen. 

Harry S. ließ sich in Syrien als Kämpfer ausbilden

Harry S. ging 2015 nach Syrien, um sich als Kämpfer für den "Islamischen Staat" ausbilden zu lassen. Abgeschreckt von den vielen Hinrichtungen und der Brutalität kehrte er jedoch bald nach Deutschland zurück. Er wurde festgenommen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Ex-Terrorist bezeichnet sich selbst als geläutert. Er will jetzt helfen, über den IS aufzuklären und Gewalttaten zu verhindern.

"Es war schon immer das Ziel vom Islamischen Staat, in Deutschland Fuß zu fassen", sagt Harry S. im Interview mit Claus Strunz. Auch er selbst sei vom IS in Syrien aufgefordert worden, zurück nach Deutschland zu gehen und Anschläge zu verüben, sagte er gegenüber der "New York Times". Dass jetzt erste Anschläge verübt worden seien, sei für ihn ein Zeichen, dass der IS es nun geschafft habe, gezielt Attentäter einzuschleusen.  

Harry S. vermutet, dass es sich bei den Attentätern von Ansbach und Würzburg um so genannte "clean sheet men" handelte - "unbeschriebene Blätter" im Hintergrund, die unbemerkt handeln können. Sie tragen keinen Bart und andere Anzeichen auf Religionsausübung, leben unauffällig, seien dem Verfassungsschutz bisher nicht aufgefallen, sagt Harry S.. So will der IS vermeiden, frühzeitig von den Geheimdiensten entdeckt zu werden. Doch insgeheim seien diese Männer ferngesteuerte "Schläfer": Sie würden stets auf das Geheiß warten, einen Anschlag zu verüben, und seien auch bereit, jahrelang auf solch einen Befehl zu warten.

Harry S.: IS plant koordinierte Attacke in Europa

Aus seiner Zeit in Syrien wisse er, dass es in Frankreich "Dutzende" solcher Hintermänner gebe, sagt der 27-Jährige. "Als ich in Syrien war, haben sie gesagt, in Deutschland und England sei es schwer für sie", so Harry S. Aber er glaube, durch die Flüchtlingswelle sei es nun gelungen, auch hier solche Leute ins Land zu schleusen. Das habe für ihn der Anschlag von Ansbach gezeigt. 

Er gehe davon aus, dass sich noch mehr solcher Schläfer in Deutschland befänden, die darauf warten würden, zuzuschlagen.  Der IS plane eine "große koordinierte Attacke" sagte Harry S. gegenüber der "New York Times": " Sie wollten zur gleichen Zeit Anschläge in Deutschland, Frankreich und England verüben“, erzählt er aus seiner Zeit in Syrien.

Der 27-Jährige ist sich sicher, dass auch der Attentäter von Ansbach im Auftrag von Strategen des IS handelte. "Das sollte schon eine extreme Tatausführung sein auf einem Festival. Das sind die Taktiken des Islamischen Staats." Der ehemalige IS-Anhänger hat nun selbst Angst, dass wieder etwas ähnliches passiert. "Es kann jeden treffen, wie wir sehen, man weiß nie wo."

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