UN-Vorwürfe

Rekrutieren IS-Extremisten auch Kindersoldaten?

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Ein Propagandafoto der Terrororganisation IS (vormals ISIS), die Milizen bei der Einfahrt ins syrische Rakka zeigen soll.

Dair as-Saur - Die UN wirft der Terrormiliz IS schwere Menschenrechtsverletzungen vor: Die Extremisten sollen auch Kindersoldaten in ihren Dienst zwingen.

Die Vereinten Nationen haben der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), aber auch der irakischen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Aus dem Irak träfen jeden Tag schreckliche Berichte über Menschenrechtsverstöße gegen Kinder, Frauen und Männer ein, sagte UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay am Freitag. Vor allem Kinder seien unverhältnismäßig von dem Konflikt betroffen, heißt es in einem Bericht der UN-Mission im Irak (Unami) und des UN-Menschenrechtskommissariats. So gebe es glaubhafte Informationen über Zwangsrekrutierungen von Kindern als Soldaten.

Laut dem Bericht kamen seit Anfang des Jahres fast 5600 Zivilisten ums Leben, mehr als 11 600 wurden verletzt. Rund 1,2 Millionen Menschen seien vor den Kämpfen und der Gewalt auf der Flucht. Allein seit Anfang Juni seien rund 600 000 Menschen geflüchtet. Im Frühjahr hatte es im Westen des Iraks erste Kämpfe zwischen Regierung und Extremisten gegeben. Von Juni an konnten IS-Kämpfer große Teile im Norden und Westen des Landes übernehmen.

Die IS-Verstöße könnten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen, so der Bericht. IS-Einheiten und ihre Verbündeten hätten systematisch Zivilisten angegriffen und dabei die Absicht verfolgt, möglichst viele von ihnen zu töten oder zu verletzen. Zu den Menschenrechtsverletzungen gehörten Tötungen, Exekutionen und Entführungen. Sie richteten sich gegen Zivilisten, Soldaten, Politiker und Geistliche. Schwere Verbrechen wurden laut UN zudem gegen ethnische und religiöse Minderheiten verübt.

Der Bericht führt gleichzeitig Menschenrechtsverletzungen der irakischen Armee auf. Dazu gehörten standrechtliche Tötungen von Gefangenen, die ebenfalls Kriegsverbrechen gleichkommen könnten, heißt es. Es gebe Zweifel, dass das Militär und seine Verbündeten die notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten unternähmen.

Auch die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International (AI) und Human Rights Watch hatten der Terrorgruppe IS und der irakischen Armee Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Extremisten gingen mit rücksichtsloser Gewalt gegen Gegner und Andersgläubige vor, so Amnesty. Der Armee warf die Organisation wahllose Angriffe mit Artillerie und aus der Luft vor, denen Zivilisten zum Opfer fielen.

Augenzeugen: IS steinigte Frau zu Tode

Militante Dschihadisten haben nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation im Norden Syriens eine Frau wegen des Vorwurfs des Ehebruchs zu Tode gesteinigt. Wie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mitteilte, handelt es sich um die erste "Hinrichtung" der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS), die vor einiger Zeit ein grenzübergreifendes Kalifat im Irak und in Syrien ausrief.

Den Angaben zufolge ereignete sich die Steinigung in der Ortschaft Tabaka in der fast vollständig von Dschihadisten kontrollierten Provinz Rakka. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur AFP, die etwa 30 Jahre alte Frau sei auf einem öffentlichen Platz gesteinigt worden. Zuvor habe ein religiöses Gericht des Islamischen Staats das Urteil gegen sie gefällt. Die Bewohner seien "entsetzt", wagten aber nicht, etwas gegen die grausamen Methoden zu unternehmen.

115 Tote bei Eroberung in Syrien

Bei der Eroberung eines syrischen Gasfeldes haben Kämpfer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) laut Aktivisten mindestens 115 Menschen getötet. Bei den Opfern handele es sich überwiegend um regierungstreue Milizionäre und zivile Sicherheitsleute, doch seien auch elf Mitarbeiter der Gasförderanlagen von Schaar darunter, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Ihr Leiter Rami Abdel Rahman warf der IS Kriegsverbrechen vor.

In Videos, die offenbar von den Extremisten aufgenommen und auf das Onlineportal YouTube gestellt wurden, waren dutzende Leichen zu sehen. Viele von ihnen waren verstümmelt. Ein Video zeigte einen Islamisten, der vor Leichen posierte und überwiegend auf Deutsch durchmischt mit arabischen Ausdrücken redete. Die Regierung bestätigte die Anzahl der Tote offiziell nicht, Anhänger der Führung in Damaskus veröffentlichten jedoch Fotos der Opfer und bezeichneten ihre Ermordung als "Massaker".

"Die Beobachtungsstelle verurteilt Massenexekutionen als Kriegsverbrechen", sagte Rahman. Dabei spiele es keine Rolle, welche Seite sie verübe und ob die Opfer Zivilisten oder Kämpfer seien: "Es sind Kriegsgefangene, sie dürfen nicht hingerichtet werden." Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netzwerk an Ärzten und Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite überprüft werden.

dpa/AFP

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