"Tötet sie, wo Ihr sie findet"

IS veröffentlicht Droh-Video der Paris-Attentäter

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Bei den Terrorattacken in Paris kamen am 13. November 2015 130 Menschen ums Leben.

Paris - Die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) hat am Sonntag ein Video der mutmaßlichen neun Attentäter von Paris veröffentlicht.

Update 2 vom 10. Mai 2016: Der Messerangreifer ist wohl doch kein IS-Terrorist. Er stand bei der Tat offenbar unter Drogen.

Update 1 vom 10. Mai 2016: Ein mutmaßlicher Terrorist des IS hat am Dienstag in der Früh mehrere Menschen in Grafing-Bahnhof (Landkreis Ebersberg) mit einem Messer angegriffen. Aktuell ist ein Mensch tot.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat ein neues Propagandavideo veröffentlicht, das Drohungen gegen alle Länder der Anti-IS-Koalition ausspricht und offenbar die Pariser Attentäter zeigt. Das Video wurde am Sonntagabend über das IS-Medienportal "Al-Hajat" und islamistische Websites verbreitet und enthält auch Fotos der französischen und britischen Staatsführung. Die europäische Polizeibehörde Europol warnte indes vor groß angelegten Anschlägen des IS in Europa.

Ein Ausschnitt aus dem von dem IS veröffentlichten Video.

Das Video ist knapp 18 Minuten lang und trägt den Titel "Tötet sie, wo Ihr sie findet". Darin werden vier Belgier, drei Franzosen und zwei Iraker als die Täter präsentiert, die am 13. November in Paris eine Reihe von Bars und Restaurants, den Konzertsaal Bataclan sowie die Fußballarena Stade de France attackiert hatten. Damals waren 130 Menschen getötet worden.

Die meisten der neun mutmaßlichen Attentäter sind in dem Video einzeln dabei zu sehen, wie sie eine vor ihnen sitzende Geisel ermorden. Zugleich sprechen die in Tarnanzügen gekleideten Kämpfer Drohungen auf Arabisch oder Französisch aus: Ihre Botschaft sei "an alle Länder gerichtet", die sich an der US-geführten Militärkoalition gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligen.

Video zeigt Bilder aus Anschlagsnacht

Die Attentäter werden als "Löwen" beschrieben, die "Frankreich in die Knie" gezwungen hätten. Zu Beginn kommt auch ein Mann zu Wort, der dem mutmaßlichen Chefplaner der Pariser Attentate, Abdelhamid Abaaoud, ähnelt. Keine Rede ist in dem Video von dem im Zusammenhang mit den Anschlägen Verdächtigen Salah Abdeslam. Er ist seitdem auf der Flucht.

Das Propagandavideo zeigt auch umfangreiches Material aus der Anschlagsnacht, darunter fliehende Menschen und den Einsatz der Sicherheitskräfte. Außerdem sind Bilder von Frankreichs Präsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls zu sehen, deren Köpfe mit einer Zielscheibe markiert sind. Auch ein Bild des britischen Regierungschefs David Cameron taucht auf, dazu der Kommentar: "Wer immer sich auf die Seite der Ungläubigen schlägt, wird Zielscheibe unserer Schwerter sein."

Hollande zeigte sich entschlossen, im Kampf gegen den IS nicht nachzugeben. Er sagte am Montag am Rande eines Staatsbesuchs in Indien zu dem Video, es gebe "nichts, was uns Angst machen" kann. "Keine Drohung wird Frankreich daran zweifeln lassen, was es im Kampf gegen den Terrorismus zu tun hat." Sein Land sei entschlossen, den IS weiterhin energisch anzugreifen. Frankreich hatte nach den Attentaten die Angriffe auf IS-Stellungen verstärkt.

Frankreich im "nützlichen" Ausnahmezustand

In Frankreich herrscht seit den Anschlägen zudem der Ausnahmezustand, der noch bis Ende Februar gilt und den Behörden weitreichende Befugnisse bei Terrorermittlungen gibt. Die Regierung will ihn um drei weitere Monate verlängern, allerdings bekommt sie zunehmenden Gegenwind seitens der Opposition und aus der Gesellschaft.

Innenminister Bernard Cazeneuve verteidigte den Ausnahmezustand am Sonntagabend als "nützlich" im Kampf gegen den Terrorismus. Seinen Angaben zufolge wurden zudem 2015 insgesamt elf Attentate in Frankreich vereitelt - offenbar sollten ein weiteres Konzert sowie Zivilisten auf offener Straße angegriffen werden.

Camerons Büro erklärte, das jüngste IS-Video sei ein "weiterer Schritt einer entsetzlichen Terrorgruppe, die klar im Verfall und auf dem Rückzug ist".

Europol warnte in Amsterdam, der IS habe "neue gefechtsartige Möglichkeiten" entwickelt, um weltweit eine Reihe "groß angelegter Terroranschläge" zu verüben. Ein dazu erstellter Europol-Bericht komme zu dem Schluss, dass die Dschihadisten "insbesondere Europa" im Visier hätten. Ziel seien "massenhaft Opfer in der Zivilbevölkerung".

AFP

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